#Interview “Wir haben die wesentlichen Kennzahlen verdoppelt, ohne an Agilität zu verlieren”

Raisin aus Berlin ist ein echter Überflieger. "Dieses Jahr ist für Raisin von vielen individuellen Erfolgen gekennzeichnet. Herausragend war der Abschluss der Series-D Finanzierungsrunde", sagt Mitgründer Tamaz Georgadze. Das Fintech hat aber noch viel vor: "Im kommenden Jahr treten wir in den US-Markt ein".
“Wir haben die wesentlichen Kennzahlen verdoppelt, ohne an Agilität zu verlieren”

In den vergangenen Monaten flossen rund 125 Millionen Euro in das Berlin FinTech Raisin. Insgesamt flossen nun schon 195 Millionen Euro in das Unternehmen, das 2012 von Tamaz Georgadze, Frank Freund und Michael Stephan gegründet wurde. “Das Jahr 2019 steht in der Rückschau für das rasante Wachstum von Raisin. Wir haben die wesentlichen Kennzahlen circa verdoppelt, ohne dabei an Agilität zu verlieren. Entsprechend optimistisch sind wir, auch im kommenden Jahr weiter auf dem geplanten Wachstumskurs zu bleiben. Also ja: alle Ziele erreicht – Mission klar im Blick”, sagt Mitgünder Georgadze. Im Interview mit deutsche-startups.de blickt der Raisin-Macher einmal ausführlich. auf das fast vergangene Jahr zurück.

2019 ist fast rum. Was war das Highlight in diesem Jahr bei Raisin ?
Dieses Jahr ist für Raisin von vielen individuellen Erfolgen gekennzeichnet. Herausragend war der Abschluss der Series-D Finanzierungsrunde über insgesamt 125 Millionen Euro. Die Übernahmen von Raisin Bank – vormals MHB-Bank – und Fairr sowie das Investment in Joonko sind weitere große Meilensteine für uns, die uns aktiv beim weiteren Wachstum unterstützen. So konnten wir zuletzt mit der Raisin Bank in den irischen Markt vordringen und bieten irischen Sparern eine Renditemöglichkeit, die um ein Vielfaches besser ist, als das nächste Angebot im Markt. Mit Fairr haben wir unser Produktportfolio in einem sehr naheliegenden Segment verbreitert und das Thema Altersvorsorge in unser Angebot integriert. Damit haben wir kostengünstige, transparente und einfache Finanzprodukte für jede Lebensphase im Portfolio.

Habt ihr 2019 alle Eure Ziele erreicht?
Das Jahr 2019 steht in der Rückschau für das rasante Wachstum von Raisin. Wir haben die wesentlichen Kennzahlen circa verdoppelt, ohne dabei an Agilität zu verlieren. Entsprechend optimistisch sind wir, auch im kommenden Jahr weiter auf dem geplanten Wachstumskurs zu bleiben. Also ja: alle Ziele erreicht – Mission klar im Blick.

Was lief 2019 bei euch nicht rund?
Raisin ist in der glücklichen Situation, dass dieses Jahr trotz des enormen Wachstums nur von ganz wenigen kritischen Momenten begleitet war. Das Wachstum unseres Teams haben wir trotz des angespannten Arbeitsmarktes in Berlin gut bewältigen können. Unsere Office-Situation haben wir in diesem Jahr noch nicht dramatisch verbessern können, wir werden jedoch im kommenden Jahr in ein größeres Büro umziehen, worauf wir uns sehr freuen. Jenseits dieser kleinen Begleiterscheinungen des Wachstums sind wir mit manchen politischen Entwicklungen nicht ganz zufrieden. Wir konnten den Gesetzgeber beispielsweise noch nicht hinsichtlich der Notwendigkeit einer praktikablen, digitalen Identifikationsmöglichkeit für europäisch ausgerichtete Fintechs und digital ausgerichtete Finanzdienstleister überzeugen. Bei der Neu-Novellierung der Geldwäsche-Gesetzgebung konnten wir das Schlimmste verhindern. Damit ist allerdings noch kein Durchbruch für die digitale Finanzbranche erreicht. Der Blick auf den Fintech-Standort Deutschland ist entsprechend nicht gänzlich ungetrübt.

Welches Projekt steht bei euch für 2020 ganz oben auf der Agenda?
Im kommenden Jahr treten wir in den US-Markt ein, was aus heutiger Sicht die größte Herausforderung des kommenden Jahres ist. Dafür haben wir in den vergangenen Monaten die Grundsteine gelegt. Aktuell bauen wir das Raisin-Kernteam für den US-Markt unter der Führung unseres US-Geschäftsführers Paul Knodel auf. Parallel dazu werden wir unser paneuropäisches Geschäft weiter ausbauen. Das bedeutet, wir wollen in den acht bestehenden Märkten weiter substanziell wachsen. Dazu bauen wir unsere Partnerschaften mit Finanzdienstleistern immer weiter aus – unser Netzwerk der Einlagen-Banken in Europa wächst exponentiell. Stand heute sind es 88 Banken aus 25 Ländern – sehr bald schon werden wir mit einer dreistelligen Anzahl an Banken zusammenarbeiten. Etliche Finanzdienstleister, wie zuletzt beispielsweise Monese, Scalable Capital, Commerzbank, N26 und Basler Versicherungen, übernehmen dabei unsere API-Lösung für Drittbanken-Einlagen. Diese ist zugeschnitten auf einzelne Kundensegmente oder Länder. Hierzu werden wir im ersten Quartal nächsten Jahres mehrere Neuigkeiten verkünden können.

Was hast Du Dir persönlich für 2020 vorgenommen?
Ich will im Neuen Jahr mehr Zeit mit unserem Team und meiner Familie verbringen. Seit dem Start von Raisin war ich für die Akquisition neuer Partner verantwortlich und bin lange eins von nur wenigen Gesichtern nach außen gewesen. Beides ändert sich nach und nach. Das erlaubt mir mehr Zeit in den Aufbau unserer Teams in Berlin, Manchester und den USA zu investieren. Privat sind wir 2019 innerhalb Berlins umgezogen – raus aus dem Prenzlberg-Trubel, mehr ins Grüne. Die Zeit mit meiner Familie ist für mich super wertvoll und erholsam. Außerdem habe ich das Ziel, mehr Zeit in meine körperliche Fitness zu investieren, das ist den vergangenen Jahren manchmal etwas zu kurz gekommen.

Auf welches Startup sollten wir – deiner Meinung nach – 2020 ganz besonders achten?
Ich bin selbst als Investor aktiv, meist gemeinsam mit meinen beiden Raisin-Mitgründern Frank und Michael. Mein heimlicher Star in Berlin, dem ich nach einer Ruhephase in 2019 sehr viel zutraue, ist das Team von bonify – ein sehr gutes Produkt mit viel Potenzial. Zu einem echten Superstar der Fintech-Szene avancierte Billie in 2019, da kommt sicherlich auch noch mehr. Außerdem bin ich überzeugt, dass troy ein sehr gutes Produkt hat, mit dem Sie den Durchmarsch im Inkasso-Markt schaffen werden.

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Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.