#Interview Hier lernen Computer automatisch Texte zu schreiben

"Wir haben ein Programm entwickelt, das bewirkt, dass der Computer lernt, automatisch Texte zu schreiben", sagt Michael Keusgen, Gründer von ella. "Das heißt, wir müssen nichts mehr tun – weder uns Geschichten ausdenken, noch den Text zeitaufwendig in den Computer tippen".
Hier lernen Computer automatisch Texte zu schreiben

Bei ella dreht sich alles um Künstliche Intelligenz (KI). Und zwar um eine KI, die irgendwann “Geschichten erzählen kann”. “Unsere KI erstellt Texte für die digitale Unterhaltungsbranche. Diese Texte haben Einleitung, Schluss, einen Spannungsbogen, vielseitige Protagonisten und einen roten Faden. Eine KI, die so einen Text schlüssig schreiben kann, ist äußerst kompliziert”, sagt Michael Keusgen, der das Startup gemeinsam mit Daniel T. Hoffmann gegründet hat. Im Interview mit deutsche-startups.de stellt Keusgen das Konzept hinter ella einmal ganz genau vor.

Wie würdest Du Deiner Großmutter ella erklären?
Wir bei ella haben ein großartiges Programm entwickelt, das bewirkt, dass der Computer lernt, automatisch Texte zu schreiben. Das heißt, wir müssen nichts mehr dafür tun – weder uns komplizierte und schlüssige Geschichten ausdenken, noch den Text zeitaufwendig in den Computer tippen. Es entstehen also unendlich viele und unterschiedlichste Geschichten, die auch dafür verwendet werden können, um Bücher oder Hörbücher zu erstellen, Filme oder Serien zu drehen und sogar Computerspiele zu entwickeln. Für jeden ist also etwas dabei. Diese Inhalte können schließlich auf dem Handy, auf dem Computer oder anderen mobilen Geräten an jedem Ort und zu jedem Zeitpunkt abgespielt werden.

Welches Problem genau wollt Ihr mit ella lösen?
Deutschland hinkt bei der Digitalisierung hinterher, vor allem wenn es um Künstliche Intelligenz geht. Wir setzen genau da an: Wir haben ein Konzept auf die Beine gestellt, was es so bisher noch nicht auf dem Markt gibt: Unsere KI erstellt Texte für die digitale Unterhaltungsbranche. Diese Texte haben Einleitung, Schluss, einen Spannungsbogen, vielseitige Protagonisten und einen roten Faden. Eine KI, die so einen Text schlüssig schreiben kann, ist äußerst kompliziert. Unser Startup hat damit das Potenzial, eine gesamte Branche zu verändern. Es eröffnen sich auf der einen Seite Möglichkeiten, die Unterhaltung für Endkunden zu personalisieren und ihre individuellen Vorlieben für Entertainment einzubeziehen. Auf der anderen Seite sind die Anwendungsfelder für diese automatische Textproduktion unendlich groß und reichen vom SEO-Text über Audios bis zu Unterhaltungsstories und Drehbüchern.

Jede Woche entstehen dutzende neue Startups, warum wird ausgerechnet ella ein Erfolg?
Zum einen bringen wir Gründer von ella zusammen 100 Jahre Erfahrung in der Medien- und Digital-Branche mit. Diese Expertise nutzen wir, um unsere KI-Technologie so innovativ wie möglich zu gestalten und uns klar von anderen Technik-Startups zu unterscheiden. Zum anderen ist unser Geschäftsmodell sehr breit aufgestellt. Der Text ist nun mal die Basis für alle möglichen Medienformate. Eine KI, die automatisch Geschichten für die Unterhaltungsbranche schreiben kann, hat dementsprechend ein großes Erfolgspotential. Derzeit läuft unsere KI auf englisch, aber nachdem wir weitere Sprachen und mehrsprachige Texte in unsere Software programmiert haben, ist der Weg frei für eine Plattform, die international in allen möglichen Sprachen und interkulturell je nach Konsumentenbedürfnis funktioniert.

Wer sind eure Konkurrenten?
Ehrlich gesagt haben wir natürlich eine breite Wettbewerbsrecherche gemacht. Aber: Gefunden haben wir niemanden, der ein ähnliches Modell verfolgt, so breit aufgestellt ist und dessen KI schon so weit ist. Natürlich gibt es einige Unternehmen, die eine Künstliche Intelligenz zur automatischen Texterstellung anbieten. Diese Art Texte sind jedoch auf kleinere Berichte, beispielsweise für Wetter, Sportergebnisse oder kurze News, begrenzt. Eine vollständige und schlüssige Geschichte im Sinne von digitalem Entertainment wurde laut unseres Wissens noch nicht von einer KI produziert. Es ist ja ohnehin so, dass die Disruption durch junge digitale Challenger im Media-Bereich noch ganz am Anfang steht. Fintechs, Proptechs oder Insurtechs gibt es jede Menge, viele davon sind schon sehr sehr groß. Mediatechs findet man aber kaum. Wir gehören hier ohne Frage zum Kreis der First Mover.

Wo steht ella in einem Jahr?
In einem Jahr werden wir unsere KI und das Wissen über den Markt und den Kunden so perfektioniert haben, dass 2021 keiner mehr an unseren Inhalten vorbei kommt. Wir stehen dann quasi direkt vor dem Markteintritt mit unseren digitalen Angeboten. Auch personell werden wir dann auf 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewachsen sein. Und natürlich werden wir auch weiterhin in Köln ansässig sein – unserem Gründungsort.

Kölle is e jeföhl – #Köln


In unserem Themenschwerpunkt Köln berichten wir gezielt über die Digitalaktivitäten in der Rheinmetropole. Mit über 650 Start-ups, 25 Gründerzentren, attraktiven Investoren und zahlreichen Veranstaltungen und Netzwerken bieten Köln und das Umland ein spannendes Ökosystem für Gründerinnen und Gründer. Diese Rubrik wird unterstützt vom Digital Hub Cologne und der Stadt Köln.

Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.