#Interview “Auch wir haben schon mal an der Existenznot gekratzt”

"Fehler und Risiken gehören zum Gründen dazu und sind auch Teil des Unternehmertums. Da ich in einem Unternehmerumfeld aufgewachsen bin, mit meinem Vater, der 1986 seine eigene Kaffeerösterei aufgebaut hat, habe ich schon sehr früh verstanden, was es heißt zu gründen", sagt Jonas Braun von Karacho.
“Auch wir haben schon mal an der Existenznot gekratzt”

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Jonas Braun von Karacho, einem Anbieter von Cold Brew Coffee.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Grundsätzlich versuche ich, Kontinuität und Routine in meinen Alltag einzubringen und diese auch fest einzuplanen. So sind Dienstag und Freitag meine beiden Sporttage. Ich finde es wichtig, gerade auch für die Gesundheit und den Kreislauf, sich regelmäßig zu bewegen. Das brauche ich auch, um Stress abzubauen und den Fokus zu behalten. Ansonsten komme ich morgens ins Büro, hole mir die erste Tasse Kaffee und gestalte meinen Tag. Ich mache mir eine To-Do Liste, gehe meinen Kalender durch und dann geht’s los.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Ich bin in Gedanken immer bei Karacho und das sehe ich auch als positiv an. Denn mein Kreativprozess startet gerade dann, wenn ich auf dem Weg in die Firma bin, am Abend oder am Wochenende. Egal wo ich bin oder was ich mache, es wird immer auch ein Denkprozess angestoßen. Da merke ich auch, dass ich in den eigentlichen „Ruhephasen“ den Tag auch nochmal verarbeite und so entstehen neue Impulse. So richtig komplett abschalten kann ich tatsächlich nur, wenn ich Sport oder Musik mache oder mich mit meinem Kind beschäftige. Also, nur wenn ich etwas aktiv mache, kann ich abschalten.

Was über das Gründer-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Für mich gibt es nichts, was ich gerne früher gewusst hätte, um beispielsweise Fehler zu vermeiden. Fehler und Risiken gehören zum Gründen dazu und sind auch Teil des Unternehmertums. Da ich in einem Unternehmerumfeld aufgewachsen bin, mit meinem Vater, der 1986 seine eigene Kaffeerösterei aufgebaut hat, habe ich schon sehr früh verstanden, was es heißt zu gründen. Schon immer war ich besonders von der Flexibilität und die Unabhängigkeit fasziniert, die damit einhergehen. Das wusste ich in dem Kontext quasi schon vor der Gründung von Karacho und hat mich auch weiter darin bestärkt, selbst zu gründen.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Ich bin in ein etabliertes Unternehmen hineingewachsen und insofern war die Gründung von Karacho eine Gründung neben der eigenen Firma, die ihre eigene Existenz brauchte. Von daher musste ich meinen Vater davon überzeugen, dass es nur Sinn macht, dass Karacho einen eigenen strategischen Ansatz verfolgt, eigene Mitarbeiter hat, eine eigene Business Unit ist und in Summe komplett von der Rösterei getrennt als eigenständige Marke zu betrachten ist. Die vier Jahre vor der Gründung, in denen ich mich auch schon sehr mit dem Thema Cold Brew Kaffee auseinandergesetzt habe, waren deswegen auch so schwierig. Da es noch keine klare Trennung gab, musste ich mehrere Bälle gleichzeitig jonglieren.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Grundfehler Nummer 1 ist den Fokus zu verlieren und zehn Baustellen gleichzeitig zu bearbeiten. Die Nächsten Schritte sollten immer klar vor Augen sein und wesentliche Fragen, wie „wo will ich hin?“ und „was will ich erreichen?“ sollten dabei immer im Hinterkopf sein. Denn wenn ich versuche viele Dinge gleichzeitig zu tun, mache ich alles halbherzig und nichts wird richtig gut.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Das ist ein schwieriges Thema. Durch unser Rebranding Anfang des Jahres habe ich jedoch gelernt: Je professioneller dein Erscheinungsbild und je besser dein Brandbuilding und deine Kommunikation ist, desto hochwertigere Mitarbeiter bewerben sich. Durch eine klarere Markensprache haben wir eine bessere Identifikationsgrundlage geschaffen. Also, kurzum, man findet sie durch eine authentische und klare Außendarstellung.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer?
Sei authentisch und mache das, was dich intrinsisch motiviert. Denn man muss seinen eigenen Weg zum Glück finden, um auch andere davon zu überzeugen. Da gibt es kein Patentrezept. Das schaffst du nur, wenn du wirklich Bock auf das hast, enthusiastisch bist und für Dein Thema brennst. So trittst du anders gegenüber deinen Kunden auf, kannst sie überzeugen und bist langfristig erfolgreich.

Ohne welches externe Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Da gibt es einige. Das wichtigste für uns ist Candis, ein Buchhaltungs-Tool, das sich automatisiert mit dem Konto verknüpft, Ein- und Ausgänge von Rechnungen managet und auch Struktur in das Controlling bringt. Das erleichtert unser Leben wirklich ungemein, denn wenn es im Controlling hakt, gefährdet das langfristig das ganze Unternehmen. Ansonsten nutzen wir natürlich noch Dropbox und Outlook.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Auf jeden Fall mit free Coffee! Wir haben ein gesundes Mittelmaß zwischen extrem lockerem Arbeitsumfeld auf der einen Seite und absoluten Fokus auf der anderen. Darüber hinaus machen wir einmal im Monat einen Stammtisch – gehen in den Biergarten oder Ähnliches. Ansonsten bin ich ein großer Fan offener und transparenter Kommunikation. Auch Wertschätzung und das Feiern kleiner Erfolge ist für mich essentiell. Man sollte sich regelmäßig daran erinnern, was man bereits geschafft hat. Das motiviert und diese Motivation schlägt sich in guter Stimmung nieder und setzt positive Energie frei, um auch die nächste Herausforderung zu meistern.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Wild ist es weniger, aber wenn man mit einer neuen Innovation auf den Markt möchte, bekommt man sehr viel Gegenwind. Auch wir haben in diesem Kontext schon mal an der Existenznot gekratzt und wussten nicht, ob wir die kommenden drei Monate überstehen. Doch wir, als Team, haben dadurch eine solche Dynamik entwickelt und alle am gleichen Strang gezogen, dass wir wieder daraus gefunden haben. Das war ein Erlebnis, auf das man auch am Ende des Tages sehr stolz ist und realisiert, dass man gemeinsam alles schaffen kann, weil man gemeinsam an das Thema glaubt.

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Foto (oben): Karacho

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.