#Interview “Lieber mal einen Fehler machen, als nichts auszuprobieren!”

"Ich hätte gerne vorher gewusst, wie erfüllend das Gründerleben ist. Hätte ich das nämlich vorher gewusst, hätte ich mich schon viel früher selbstständig gemacht und ein eigenes Unternehmen aufgebaut", sagt Sara Urbainczyk, Mitgründerin von Echte Mamas.
“Lieber mal einen Fehler machen, als nichts auszuprobieren!”

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Sara Urbainczyk, Mitgründerin von Echte Mamas, einer Online-Mütter-Community.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Mein Freund und ich leben das 50:50-Modell, das heißt, wir versuchen uns alle Aufgaben möglichst gleichberechtigt zu teilen. Wenn ich also das Haus verlasse, bringe ich entweder zuerst unser Kind in die Kita, oder fahre direkt mit dem Fahrrad in unser Büro. Dort angekommen, checke ich zuerst meine E-Mails und priorisiere meine Aufgaben. Danach bespreche ich mich im Team in einem kurzen “Daily”. Ab dann ist jeder Tag anders, denn in einem Startup wie unserem gibt es keinen “normalen” Arbeitsalltag. Gerade das macht für mich den Reiz aus.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Ich schalte vor allem durch Zeit mit meiner Familie ab. Es hat etwas gebraucht, aber irgendwann habe ich verstanden, dass ich mich den Tag über nicht zerreißen muss. Die festen Nachmittage mit meinem Sohn geben mir sehr viel Kraft und Energie. Man muss sich nur zu 100% auf diese Zeit einlassen und nicht zwischendurch auf das Smartphone gucken. Gearbeitet wird erst wieder, wenn das Kind schläft. Es gibt aber auch genug Abende, an denen ich nicht weiterarbeite. Dann lese ich sehr viel, oder – falls wir uns tatsächlich auf eine Serie einigen können – machen mein Freund und ich auch Netflix-Binge-Watching.

Was über das Gründer-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Ich hätte gerne vorher gewusst, wie erfüllend das Gründerleben ist. Hätte ich das nämlich vorher gewusst, hätte ich mich schon viel früher selbstständig gemacht und ein eigenes Unternehmen aufgebaut.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Die größte Hürde war ich ehrlicherweise selbst. Denn ich habe vor “Echte Mamas” eine klassische Konzern-Karriere verfolgt, mit der ich zwar sehr erfolgreich, aber eigentlich nicht richtig glücklich war. Ich wollte nämlich schon immer gründen, aber den Traum habe ich aus Bequemlichkeit und fehlender Risikobereitschaft erst Jahre später in die Tat umgesetzt.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Es gab keine “größeren” Fehler, aber sehr, sehr viele kleine. Die erste Bestellung unserer Merchandise-Kollektion kam beispielsweise trotz Probedrucke am Ende fehlerhaft bei uns an. Also hatten wir hunderte Sweatshirts mit einem viel zu großen Aufdruck im Büro, die wir nicht verkaufen konnten. Aber so abgedroschen es sich mittlerweile anhört, es gehört auf jeden Fall dazu, in einem Startup Fehler zu machen. Jeder Fehler hat mich und unser Startup irgendwie weitergebracht. Lieber mal einen Fehler machen, als nichts auszuprobieren!

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Das ist bei uns einfacher, denn “Echte Mamas” ist oft eine Anlaufstelle für top ausgebildete Mütter, die beispielsweise in traditionellen Verlagshäusern oder Unternehmen hart gesagt “aussortiert” werden. Es stimmt nämlich leider, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer noch für viele Frauen sehr schwer ist. Deshalb setzen wir uns explizit dafür ein, dass Mütter ihre Karriere verfolgen können – natürlich auch in Teilzeit. Das wissen viele Frauen und melden sich bei uns. Neue Mitarbeiter rekrutieren wir somit oft aus unserer Community. Und genau das ist auch mein Tipp. Denn in der eigenen Community findet man Kandidaten, die oft schon sehr mit der Brand verbunden sind und die nötige Motivation mitbringen.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer?
Mein Tipp an Gründer ist, sich schnell Feedback von Nutzern und Käufern einzuholen und nicht nur auf den Kontakt zu anderen Gründern und Kollegen zu setzen. Der enge Austausch mit seiner Community ist unheimlich wichtig und muss gepflegt werden. Für uns als eigenfinanziertes Unternehmen war das der Schlüssel dafür, dass wir uns so zielsicher entwickeln konnten.

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Ganz klar: der Facebook Messenger. Ganz unabhängig von unserem Geschäftsmodell ist dieses Tool für meine Co-Founder und mich enorm wichtig. Wir kommunizieren sehr viel über den Messenger und sind jeden Tag durch dieses Tool in Kontakt. Und das ganz egal, ob wir nun gerade im gleichen Büro sitzen, oder nicht.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Ich bin fest davon überzeugt, dass gute Stimmung durch eine offene und transparente Kommunikation und Wertschätzung entsteht. Und natürlich durch leckeres Essen – wir verbringen viele Mittagspausen zusammen und sprechen dann auch über Themen, die mit unserem Unternehmen und den anstehenden Projekten nichts zu tun haben.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Ich bin letztes Jahr ins Silicon Valley gereist und durfte “Echte Mamas” beim Facebook “Community Leadership Program” vertreten und habe dort schon zwei Mal Sheryl Sandberg treffen können. Das war nicht besonders wild, aber sehr spannend. Diese Erlebnisse haben mich nachhaltig beeindruckt.

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Foto (oben): Echte Mamas

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.