#Interview “Das Mindset, was Gründungsförderung anbelangt, ist suboptimal”

"Das Mindset des Mittelstandes und der Konzerne aber auch vieler Menschen, was Gründungsförderung anbelangt, ist im gesamten Ruhrgebiet suboptimal. Damit verschwenden wir Potenzial", sagt Stefan Gerth, der zusammen mit Holger Manzke Die Bewerbungsschreiber betreibt.
“Das Mindset, was Gründungsförderung anbelangt, ist suboptimal”

Das Bochumer Startup Die Bewerbungsschreiber, das 2011 an den Start ging, hilft seinen Kunden beim Verfassen von Bewerbungen – ganz egal ob nun Lagerarbeiter, Betriebswirt oder Vertriebsassistent. Geführt wird das erfolgreiche Unternehmen von Stefan Gerth und Holger Manzke. Inzwischen erwirtschaftet die Firma mit rund 40 Mitarbeitern – darunter viele Freelancer – pro Jahr einen siebenstelligen Umsatz. Im Ruhr-Interview spricht Mitgründer Gerth über die Startup-Szene in Bochum und im Ruhrgebiet.

Reden wir über das Ruhrgebiet. Wenn es um Startups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was spricht für das Ruhrgebiet als Startup-Standort?
Das ist relativ einfach: Es gibt viele von unseren zahlreichen Hochschulen gut ausgebildete Menschen, ein gutes Verkehrsnetz, kurze Wege, bezahlbare Mieten und unsere Malocher-Mentalität. Ich habe auch das Gefühl, dass wir hier mehr machen und weniger labern als in anderen Regionen.

Was genau macht den Reiz der Startup-Szene in Deiner Stadt aus?
Neben den oben genannten Punkten, die für das Ruhrgebiet sprechen und insbesondere in Bochum allesamt etwas stärker ausgebildet sind als in anderen Städten, muss man hier noch das Bermuda3eck, eine motivierte Wirtschaftsförderung und unseren seit Jahren existierenden und aus der Szene gewachsenen Gründerstammtisch nennen.

Was ist in Bochum einfacher als im Rest der Republik?
Das kann ich nur bedingt beurteilen, aber das Thema Recruiting könnte ein Punkt sein.

Was fehlt in Bochum bzw. im Ruhrgebiet noch?
Das Mindset des Mittelstandes und der Konzerne aber auch vieler Menschen, was Gründungsförderung anbelangt, ist im gesamten Ruhrgebiet suboptimal. Damit verschwenden wir Potenzial.

Zum Schluss hast Du hast drei Wünsche frei: Was wünscht Du Dir für den Startup-Standort Ruhrgebiet?
Erstens: Noch weniger Laberei und noch mehr Machen. Zweitens: Stärkeres nachhaltiges Engagement der Konzerne und des Mittelstandes. Drittens: Eine bessere Vernetzung der Akteure – Städte, Institutionen, Unis, Unternehmen – untereinander. Wir haben mittlerweile zum Beispiel einfach zu viele Veranstaltung ähnlicher Art. Eine Konsolidierung täte dem Ruhrgebiet schon jetzt gut.

Der digitale Pott kocht – #Ruhrgebiet


Mit hunderten Startups, zahlreichen Gründerzentren und -initativen, diversen Investoren sowie dutzenden Startup-Events bietet das Ruhrgebiet ein spannendes Ökosystem für Gründer. ds, die Gründerallianz Ruhr und der ruhr:HUB berichten gemeinsam über die Digitalaktivitäten im Revier.

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Foto (oben): Die Bewerbungsschreibe

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.