#Interview “Die größten Fehler sind passiert, wenn ich unter Druck entschieden habe”

"Am Ende zählt es, ein Produkt zu bauen, das den Nerv der Kunden trifft und für das sie bereit sind zu bezahlen. Ohne diese Grundlage funktioniert ein Unternehmen nicht. Das ist eine simple Erkenntnis, aber wichtig immer im Blick zu behalten", sagt Alexander Kirn von Invers.
“Die größten Fehler sind passiert, wenn ich unter Druck entschieden habe”

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Alexander Kirn von Invers, einem Anbieter eines Shared-Mobility-Betriebssystems.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Einen Überblick verschaffen und überlegen, was wichtig ist – dann geht es meist ganz unterschiedlich in den Tag.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Meine beiden Kindern bringen mich auf andere Gedanken. Ansonsten nimmt die Arbeit natürlich schon einen sehr großen Teil meines Lebens ein und ich denke viel über das Unternehmen und den Markt nach. Wirklich Abstand bekomme ich meist nach ein paar Tagen im Urlaub. Das ist mir auch wichtig, da mir das hilft, die wirklich wesentlichen Themen und Trends zu erkennen.

Was über das Gründer-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Ich bin über die Gründung eines Search Funds zu Invers gekommen. Überrascht hatte mich zu Anfang, dass das viele sehr spannend fanden so bei einem Unternehmen einzusteigen. Dass die Suche nach einem Unternehmen ein längerfristiges Vorhaben und Full-Time-Job ist, konnten sich die wenigsten nach ein paar Monaten vorstellen. Es ist wichtig, dass man als Gründer hier und da aus den Konventionen ausbrechen und dabei standhaft bleiben muss.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Die größte Hürde bei einem Search Fund ist weniger die Gründung, sondern ein passendes und zukunftsträchtiges Unternehmen zu finden, das man übernehmen kann. Und selbst wenn man das identifiziert hat, ist es meist noch ein langer Weg mit vielen Unsicherheiten bis die Übernahme wirklich vollzogen ist.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Die größten Fehler sind meist dann passiert, wenn ich nicht meinem Bauchgefühl vertraut und unter Druck entschieden habe. Das fängt bei der Investorenauswahl an und hört bei Produktentscheidungen auf. Rückblickend würde ich sagen, dass auch in der Start-up-Welt die Dringlichkeit meist nie so groß ist, dass man keine Zeit hat, verschiedene Alternativen abzuwägen – vor allem auch diejenigen, die vermeintlich nicht so offensichtlich sind. Und dann ist es wichtig, an den Entscheidungen dran zu bleiben und zu schauen, wie sich das Umfeld bzw. was man in der Realisierung lernt, um darauf reagieren zu können. Das wiederum würde ich sagen hat es erlaubt die meisten Fehler zumindest später wieder gut zu korrigieren.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Wir haben den großen Vorteil, dass wir mit Mobility Tech in einer der spannendsten Branchen sind und die Vorteile von Startup und etablierterem Unternehmen kombinieren, da wir gleichzeitig stark wachsen und profitabel sind. Das erleichtert das Recruiting an unseren Standorten Köln und Siegen. Ansonsten sind die beste Quelle für Mitarbeiter Empfehlungen durch bestehende Mitarbeiter. Das funktioniert natürlich nur mit einer guten Kultur und zufriedenen Mitarbeitern, aber ohne das geht es ohnehin nicht.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer?
Am Ende zählt es, ein Produkt zu bauen, das den Nerv der Kunden trifft und für das sie bereit sind zu bezahlen. Ohne diese Grundlage funktioniert ein Unternehmen nicht. Das ist eine simple Erkenntnis, aber wichtig immer im Blick zu behalten, da es drumherum in der Start-up-Szene viele Ablenkungen gibt, die verhindern können, in dem Bereich schnell genug Fortschritte zu erzielen.

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Ganz klar, unsere Kaffeemaschine.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Unser Team hat viele Freiheiten, spannende Herausforderungen und Gestaltungsmöglichkeiten und bringt weltweit die geteilte Mobilität voran, das motiviert. In dem Wachstum gibt es auch immer wieder Erfolge zu feiern, die zusätzlich für gute Stimmung sorgen.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Inzwischen sind wir bei Invers schon ein Grown-Up mit zweistelligen Millionenumsätzen, Profitabilität und über 100 Mitarbeitern. Der Start-up-Spirit bleibt aber schon alleine dadurch erhalten, dass die meisten Start-ups der Mobilitätsbranche unsere Kunden sind – gebootstrappt, VC-finanziert oder als Spin-off von Konzernen. Als Technologiepartner stecken wir in deren Operations auch tief drin und je weiter das von Europa weg ist, desto wilder wird es meistens.

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Foto (oben): Invers

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.