#Interview So dreht Instaffo den klassischen Bewerberprozess um

In den vergangenen Jahren flossen rund 4,5 Millionen Euro in das junge Heidelberger HR-Startup Instaffo, eine Reverse-Recruiting-Plattform. 2018 erwirtschaftete das Unternehmen, das knapp 60 Mitarbeiter beschäftigt, einen Umsatz in Höhe von 1,7 Millionen.
So dreht Instaffo den klassischen Bewerberprozess um

Das 2014 gegründete Unternehmen Instaffo bringt über seine Reverse-Recruiting-Plattform Arbeitnehmer und -geber zusammen. “Früher mussten sich die Kandidaten bei den Unternehmen bewerben. Bei Instaffo läuft es umgekehrt ab und die Unternehmen bewerben sich bei den Kandidaten”, erklärt Gründer Christoph Zöller das Konzept hinter Instaffo. In den vergangenen Jahren flossen rund 4,5 Millionen Euro in das HR-Startup.

2018 erwirtschaftete das Unternehmen, das knapp 60 Mitarbeiter beschäftigt, einen Umsatz in Höhe von 1,7 Millionen. “Wir befinden uns also auf dem besten Weg vom Startup zum Grownup”, sagt Zöller. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der Instaffo-Macher, der mit seinem Team in den ehemaligen Büroräumen der CIA sitzt außerdem über Startkapital, Mentoren und Ablenkungen.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Instaffo erklären?
Wir helfen Unternehmen dabei, passende Mitarbeiter für ihre offenen Stellen zu finden. Und Jobsuchenden helfen wir, einen Job zu finden, der perfekt zu ihnen passt. Früher mussten sich die Kandidaten bei den Unternehmen bewerben. Bei Instaffo läuft es umgekehrt ab und die Unternehmen bewerben sich bei den Kandidaten. Dank automatisierter Auswahlprozesse bekommen Unternehmen dabei nur jene Mitarbeiter vorgeschlagen, die wirklich zu ihnen passen. Bei dem Dschungel an Aufgaben, den Personalabteilungen heutzutage zu bewältigen haben, wollen wir ihnen eine Lösung bieten, die sie im Recruiting unterstützt und wertvolle Zeit spart.

Hat sich das Konzept seit dem Start irgendwie verändert?
Viele Menschen besitzen Fähigkeiten, die nicht im Lebenslauf oder auf LinkedIn stehen. Das sind oftmals Kenntnisse, die man sich selbst angeeignet hat. Damit Unternehmen und Kandidat schneller herausfinden können, wie sie voneinander profitieren, ist die direkte Kommunikation entscheidend. Uns dauerte jedoch der Weg bis zum ersten Gespräch zu lang, daher haben wir unserer Plattform zu Beginn dieses Jahres ein Update verpasst: Jetzt können Unternehmen und Kandidat per Direktchat gleich zu Beginn alle Fragen klären. Das spart viele Wege und macht den Bewerbungsprozess wesentlich effizienter und persönlicher.

Wie funktioniert denn euer Geschäftsmodell?
Instaffo ist eine Reverse-Recruiting-Plattform, auf der sich Unternehmen bei qualifizierten Fachkräften bewerben. Für die Kandidaten ist der Zugang zur Plattform kostenlos. Unternehmen zahlen eine Grundgebühr für die Nutzung. Dank KI-basierten, automatisierten Auswahlprozessen werden Unternehmen proaktiv Fachkräfte vorgeschlagen, die genau auf ihre Stelle passen. Besteht ein beidseitiges Interesse, können die Parteien miteinander chatten. Bei erfolgreicher Vermittlung fällt für das Unternehmen eine feste Transaktionsgebühr an.

Wie genau hat sich Instaffo denn seit der Gründung entwickelt?
Seit unserer Gründung im Jahr 2014 ist viel passiert. Mit rund 850.000 Euro Startkapital haben wir unsere Plattform entwickelt und sind Anfang 2017 an den Markt gegangen. Nutzer- und Kundenzahlen sind schnell gewachsen und wir haben Instaffo kontinuierlich weiterentwickelt. Zuletzt konnten wir die Series A mit 2 Millionen Euro abschließen und arbeiten unter anderem an der Integration von Blockchain-Features für mehr Privacy.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Instaffo inzwischen?
Wir haben jetzt fast 60 Mitarbeiter in Heidelberg und wachsen kontinuierlich. Instaffo wurde bis heute mit einem Gesamtvolumen von rund 4,5 Millionen Euro finanziert. Unseren Umsatz konnten wir gegenüber 2017 mehr als verfünffachen – mit mehr als 600 zahlenden Unternehmenskunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben wir im vergangenen Jahr rund 1,7 Millionen Euro umgesetzt. Wir befinden uns also auf dem besten Weg vom Startup zum Grownup.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Zu Beginn haben wir noch sehr viel ausprobiert. So haben wir mit diversen Produkten experimentiert oder Projekte verfolgt, die sich im weiteren Verlauf einfach nicht bewährt haben. Neue Erkenntnisse haben uns zwar immer weitergebracht, insgesamt war dadurch aber kein klarer Fokus erkennbar. Darunter hat die Geschäftsentwicklung definitiv gelitten. Gut war, dass wir trotz der Ablenkung stark gewachsen sind und es nicht versäumt haben, diese Learnings zu nutzen und Ableitungen für die weitere Entwicklung zu treffen. Auf diese Weise wissen wir heute genau, wo wir hin wollen und was dafür zu tun ist. Ergebnis ist unter anderem das Update unserer Plattform.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?
Ein wichtiger Faktor war, dass wir nie davon ausgegangen sind, dass wir schon alles wissen und können, sondern, dass wir auf den Rat und die Erfahrungen Dritter vertraut haben. Das fing zu Gründungszeiten mit unseren ersten Business Angels an, die uns gezeigt haben, wie gutes Leadership aussehen kann. Später haben wir uns der EO, der Entrepreneur Organization, angeschlossen, um unsere Herausforderungen mit anderen Gründern zu teilen und von ihren Erfahrungen zu lernen. Zusätzlich haben wir früh großen Wert auf die Auswahl der richtigen Mitarbeiter gelegt, um ein starkes Team aufzubauen. Ich bin heute überzeugt davon, dass wir ohne unser Team und unsere Mentoren in dieser kurzen Zeit nie so weit gekommen wären.

Wo steht Instaffo in einem Jahr?
Dank einiger Fehltritte und Kursanpassungen wissen wir mittlerweile genau, was wir tun müssen, um weiter zu skalieren. Auch dank starken Partnern und Kunden sind die Voraussetzungen dafür optimal und wir sehen uns für das kommende Jahr bestens aufgestellt. Und wir haben jetzt ein klares Ziel: Bis 2024 wollen wir die Nummer eins Brand im Bereich Reverse Recruiting werden.

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Foto (oben): Instaffo

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.