#Fragebogen “Lernt die Menschen, mit denen ihr ein Startup aufbauen wollt, gut kennen”

"Chef zu sein ermöglicht es mir, zu gestalten und das Tempo vorzugeben. Aber ich habe auch großen Respekt vor dieser Rolle, denn manchmal muss man harte Entscheidungen treffen – dann ist es nicht so toll, der Chef zu sein", sagt Marek Sacha von XOM Materials.
“Lernt die Menschen, mit denen ihr ein Startup aufbauen wollt, gut kennen”

Regelmäßig beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin bzw. ein Startup-Macher unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Marek Sacha von XOM Materials. Das Unternehmen, das vom Stahlhändler Klöckner initiert wurde, positioniert sich als Marktplatz für den Handel mit Werkstoffen. XOM Materials ist in Berlin und Duisburg beheimatet sowie in Atlanta in den USA.

Was bedeutet es Dir, Dein eigener Chef zu sein?
Chef zu sein ermöglicht es mir, zu gestalten und das Tempo vorzugeben. Aber ich habe auch großen Respekt vor dieser Rolle, denn manchmal muss man harte Entscheidungen treffen – dann ist es nicht so toll, der Chef zu sein. Wie sagt man so schön? „Jeder Aufstieg ist immer auch ein Abstieg.“

Bei welcher Gelegenheit kam Dir die Idee zu Deinem Start-up?
Die Idee stammt nicht von mir, ich bin erst ein paar Monate nach Gründung zu XOM Materials gekommen. Aber ich habe vorher schon Plattformen in anderen Branchen aufgebaut. Plattformen sind die Zukunft, davon bin ich überzeugt.

Woher stammte das Kapital für Dein Unternehmen?
Wir sind ein unabhängiges Venture des internationalen Stahlhändlers Klöckner & Co SE.

Was waren bei der Gründung Deines Start-ups die größten Stolpersteine?
Die technische Seite jedenfalls nicht, es ging eher darum, das Vertrauen der verschiedenen Player im Werkstoffhandel zu gewinnen. Wir haben es hier mit einigen sehr traditionsreichen Unternehmen zu tun, die zwar den Sinn von Digitalisierung sehen, aber teilweise noch sehr unerfahren damit sind.

Was würdest Du rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Früher in so ein schönes Berliner Altbau-Büro ziehen. Nein Spaß beiseite, da wir auf die Digital-Expertise unseres Shareholders zurückgreifen konnten, waren wir in der luxuriösen Situation, gleich richtig starten zu können, ohne groß herumprobieren zu müssen. Ansonsten hätte ich gern denselben Effekt mit weniger Wochenstunden erzielt – meine Frau war nicht immer begeistert von meinen Arbeitszeiten am Anfang.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketing-Spielart ist für Euch besonders wichtig?
Da sind wir wahrscheinlich ein Sonderfall. Zum einen bewegen wir uns im B2B-Geschäft, da wäre zum Beispiel Facebook zu kurz gegriffen. Social Media machen wir eher auf Business-Netzwerken wie LinkedIn und XING. Zum anderen führen wir in unserer Aufbauphase auch viele persönliche Gespräche mit potenziellen Kunden und Anbietern für unseren digitalen Marktplatz.

Welche Person hat Dich bei der Gründung besonders unterstützt?
Das war Tim Milde, der als COO in der Geschäftsführung von XOM Materials sitzt. Tim bringt viel Branchenkenntnis in unser Start-up, da er aus dem Stahlhandel kommt, und er ist ein guter Teamplayer. Er hat mir den Einstieg bei XOM Materials sehr erleichtert.

Welchen Tipp gibst Du anderen Gründern mit auf den Weg?
Lernt die Menschen, mit denen ihr ein Start-up aufbauen wollt, gut kennen, denn ihr erlebt im Zweifel nicht nur die Anfangsbegeisterung, sondern auch Tiefpunkte. Menschen, die eng zusammenarbeiten, müssen beides gleich gut aushalten können.

Du triffst den Bundeswirtschaftsminister – was würdest Du Dir für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Lieber Herr Minister, bitte schaffen Sie die Rahmenbedingungen, dass mehr Geld in Startups investiert wird, die Deutschland zukunftssicher machen! Wir haben hierzulande immer noch das Problem, dass US-Startups schneller mehr Kapital bekommen und somit auch schneller wachsen können. Hier sollte Deutschland sich nicht abhängen lassen.

Was würdest Du beruflich machen, wenn Du kein Start-up gegründet hätten?
Ach, ich bin schon sehr der Gründertyp. Aber ich bin auch Wissenschaftler, ich habe einen Master in Mathematik. Biohacking ist auch so ein Spleen von mir. Vielleicht hätte ich so etwas zum Beruf gemacht, Menschen beraten, wie sie sich selbst optimieren können. Oder ich gründe mal etwas in der Richtung …

Bei welchem deutschen Start-up würdest Du gerne mal Mäuschen spielen?
Bei Omio. Auf dieser Plattform können User die günstigste Reisemöglichkeit mit Bahn, Bus oder dem Flugzeug vergleichen und buchen. Soweit ich gelesen habe, kam seine Idee anfangs überhaupt nicht gut an – und jetzt wird Omio auf einen Wert von einer Milliarde Dollar geschätzt.

Du darfst eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reist Du?
Ich würde gern ins Jahr 1799 reisen und Alexander von Humboldt auf seiner Forschungsreise durch Amerika begleiten. Humboldt hat es verstanden, praktisch alle Wissenschaften seiner Zeit miteinander zu verbinden und hatte einen unstillbaren Entdeckerdrang. Er wäre bestimmt ein guter Start-up-Gründer gewesen, oder er hätte das Internet erfunden, wenn er in unserer Epoche gelebt hätte.

Du hast eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machst Du mit dem ganzen Geld?
Das würde ich in XOM Materials investieren und damit in eine zukunftsträchtige Plattform. Wir könnten noch einen neuen Standort eröffnen und neue Kunden in einem anderen Land gewinnen.

Wie verbringst Du einen schönen Sonntag?
Am allerliebsten mit meiner Frau und meiner Tochter, die im März zur Welt gekommen ist.

Mit wem würdest Du gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Ich würde gern einen Abend mit Elon Musk verbringen. Er mag seine schrägen Seiten haben, aber er ist ganz klar ein Visionär, der nicht nur die Elektromobilität mit Tesla vorangebracht hat, sondern mit SpaceX sogar auch die Raumfahrt, von PayPal will ich gar nicht reden. So eine große Bandbreite muss man erstmal haben.

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Foto (oben): XOM Materials

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.