#Interview Köln = “Hidden Champion der Gründerszene”

"Die Kölner Startup-Szene ist sehr heterogen, spannend und international. Möglicherweise ist man hier etwas „leiser“ als in anderen Städten Deutschlands, jedoch nicht weniger erfolgreich", sagt Sten Nahrgang, Mitgründer des neuen InsurTech-Startups mailo.
Köln = “Hidden Champion der Gründerszene”

Mit dem InsurTech mailo treiben Matthias Uebing, Armin Molla und Sten Nahrgang einen Versicherer voran, der sich voll auf Selbständige, Freelancer, Startups und Gewerbe fokussiert. Neben den Rückversicherern Deutsche Rück und Munich Re, sind auch Onvista-Gründer Stephan Schubert, Hevella Capital und der israelische Insurtech Kapitalgeber FinTLV Ventures unter den Investoren der Jungfirmaa. Im Köln-Interview spricht Mitgründer Nahrgang über Karneval, Netzwerke und Büroräume.

Reden wir über Köln. Wenn es um Startups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was spricht für Köln als Startup-Standort?
Das stimmt, nach wie vor denken viele zu allererst an Berlin, wenn es um Startups geht. Und natürlich ist Berlin ein sehr internationaler Standort mit einer ganz eigenen Dynamik und zieht entsprechend viele Startups an. Allein die Anwesenheit vieler anderer Startups macht jedoch unserer Meinung nach noch nicht den idealen Standort aus. Aus unserer Sicht spielen eine Reihe von Kriterien bei der Standortwahl für ein Startup eine wichtige Rolle, insbesondere natürlich die Möglichkeit der Gewinnung geeigneter Mitarbeiter, eine große Dienstleister-Szene, vor allem im IT- und Marketing-Bereich, flexible Büroräumen mit guter Anbindung und natürlich gute Vernetzungsmöglichkeiten mit der relevanten Industrie, aber auch der Startup- und Investorenszene. Und in vielen der oben genannten Punkten steht Köln aus unserer Erfahrung nicht spürbar hinter Berlin zurück. Schaut man sich Köln nicht nur als Startup-, sondern mit größerem Blick als Wirtschaftsstandort an, hat die Region einiges zu bieten und besticht natürlich nicht zuletzt durch die sehr gute und zentrale Lage. Ganz grundsätzlich ist Köln als viertgrößte Stadt in Deutschland natürlich auch für Mitarbeiter sehr lebenswert und attraktiv. Und hat in der Metropolregion nebenbei noch ein Einzugsgebiet von knapp 18 Millionen Menschen, das ist als Unternehmensstandort natürlich auch nicht zu unterschätzen. Für uns als fokussiertes Versicherungsunternehmen war natürlich bei der Standortwahl vor allem sehr wichtig, einen guten Zugang zum Arbeitsmarkt für Versicherungsexperten zu haben. Da Köln auch einer der wichtigsten Versicherungsstandorte in Deutschland ist, war es uns hier sehr gut möglich, unser hochqualifiziertes Team aus Versicherungsexperten aufzubauen.

Was genau macht den Reiz der Startup-Szene in Köln aus?
Die Kölner Startup-Szene ist sehr heterogen, spannend und international. Möglicherweise ist man hier etwas „leiser“ als in anderen Städten Deutschlands, jedoch nicht weniger erfolgreich. Lautstärke ist vielleicht nicht immer entscheidend. Außerdem hat die im Vergleich zu Berlin übersichtliche Größe der Stadt einen gewaltigen Vorteil für das Netzwerken. Man lernt sich einfach schneller kennen. Und das nicht nur beim Karneval. In der Versicherungsbranche ist beispielsweise das InsurLab Germany in Köln ansässig und vernetzt tatkräftig die InsurTech-Szene Kölns untereinander und mit der Versicherungsindustrie und den Investoren. Ich habe das InsurLab Germany selbst mitgegründet und bin dort weiterhin im Advisory Board aktiv. Über dieses Netzwerk haben wir beispielsweise auch einen unserer Investoren kennengelernt: den israelischen Kapitalgeber FinTLV Capital. Generell bietet auch die Startup-Partnerschaft zwischen der Stadt Köln und Tel Aviv einen guten Support und interessanten Austausch für interessierte Startups.  Köln wird ja manchmal als „Hidden Champion der Gründerszene“ beschrieben und das ist ganz gut getroffen. Mit ihrem riesigen Einzugsbereich und einer sehr offenen und netzwerk-affinen Startup-Kultur ist die Stadt immer attraktiver für Gründer und junge Unternehmen.

Was ist in Köln einfacher als im Rest der Republik?
Der bereits erwähnte Zugang zu interessanten Netzwerken ist in Köln sicherlich einfacher, als in manch anderen Regionen. Die Kölner Szene ist tatsächlich sehr offen und zugänglich. Ein starkes Netzwerk wird hier gern auch „Neuen“ geöffnet.

Was fehlt in Köln noch?
Wie vermutlich in allen großen und attraktiven Städten ist Raum natürlich auch in Köln ein großes Thema. Besonders für junge Unternehmen ist bezahlbarer, flexibler und trotzdem gut gelegener Raum tatsächlich Mangelware. Es entsteht zwar auch das ein oder andere größere Office- und Meetingraum-Projekt. Die Angebote sind allerdings aus unserer Erfahrung nicht für jedes Startup erschwinglich.

Zum Schluss hast Du hast drei Wünsche frei: Was wünscht Du Dir für den Startup-Standort Köln?
Wir haben tatsächlich gar nicht so viele offene Wünsche. Vor allem würden wir uns, wie bereits erläutert, ein deutlich größeres Angebot an flexiblem, zentralem und bezahlbarem Büroraum wünschen.

Kölle is e jeföhl – #Köln


In unserem Themenschwerpunkt Köln berichten wir gezielt über die Digitalaktivitäten in der Rheinmetropole. Mit über 650 Start-ups, 25 Gründerzentren, attraktiven Investoren und zahlreichen Veranstaltungen und Netzwerken bieten Köln und das Umland ein spannendes Ökosystem für Gründerinnen und Gründer. Diese Rubrik wird unterstützt vom Digital Hub Cologne und der Stadt Köln.

Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.