#Interview Beeindruckend: 1.000 Mitarbeiter, über 200 Millionen Umsatz (+97 %) und profitabel

"Allein in den vergangenen zwölf Monaten sind wir, wie schon erwähnt, gemessen am Umsatz um 97 % gewachsen, haben die 200 Millionen US-Dollar-Schwelle - bezogen auf unseren Jahresumsatz - überschritten und operieren seit mehr als zwei Jahren profitabel", sagt Marc-Alexander Christ von SumUp.
Beeindruckend: 1.000 Mitarbeiter, über 200 Millionen Umsatz (+97 %) und profitabel

Das deutsch-britische FinTech SumUp beschäftigt sieben Jahren nach dem Start imposante 1.000 Mitarbeiter und wirtschaftet zudem noch profitabel. Die letzten Jahre beim Grownup dürften hektisch gewesen sein. Zu Erinnerung: 2016 fusionierte SumUp mit dem Wettbewerber payleven. Inzwischen ist der Zusammenschluss, der im Grunde eine Übernahme war, komplett verdaut! “Wir haben noch heute viele Mitarbeiter von payleven im SumUp-Team. Auf der Technologie-Seite haben wir alle Händler von payleven zu SumUp migriert”, sagt SumUp-Mitgründer Marc-Alexander Christ im Gespräch mit deutsche-startups.de.

Beim Umsatz hat das FinTech nach eigenen Angaben “die 200 Millionen US-Dollar-Schwelle überschritten”. Was einen stattlichen Anstieg von knapp 100 % bedeutet, hatte das Unternehmen zuletzt doch immer nur von 100 Millionen Dollar Jahresumsatz gesprochen. “Heute nutzen mehr als eine Million Händler unseren Service und täglich kommen mehr als 3.000 neue Händler weltweit dazu. Wir bleiben nach der Übernahme durch PayPal der letzte unabhängige Anbieter im Markt und sind fest davon überzeugt, dass wir so schneller wachsen können und langfristig besser aufgestellt sind”, führt Christ weiter aus. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der Firmenmacher außerdem über wiederkehrende Designelemente, Slack und schnelles Wachstum.

Bei SumUp arbeiten inzwischen 1.000 Mitarbeiter. Fühlt ihr euch noch als Startup?
Wenn ich heute eines der zwölf SumUp-Büros auf der Welt betrete, begegnet mir nach wie vor der Spirit der ersten Tage, als wir gerade mal eine Hand voll Mitarbeiter waren. Wir haben allein im vergangenen Jahr über 300 neue Mitarbeiter rund um den Globus eingestellt.

Eine ganze Menge. Das ist sicherlich nicht immer einfach, oder?
Das bringt natürlich Herausforderungen mit sich, denn wir möchten den Startup-Spirit weiter beibehalten. Wir stellen uns als Organisation jedoch sehr flach, agil und autonom auf. Das bedeutet, dass wir extrem schnell und effizient agieren können. Gleichzeitig arbeiten unsere Teams als kleine, autonom agierende Zellen, die sich mit neuen Projekten oder Product Launches immer wieder neu formieren. SumUp ist über die Jahre zu einem lebenden Organismus bestehend aus hunderten Startups gewachsen.

Wie genau funktioniert das Onboarding der neuen Mitarbeiter bei euch?
Das Onboarding beginnt bei uns mit dem Tag, an dem ein künftiger Mitarbeiter seinen Vertrag unterzeichnet. Unser Employee Experience unterstützt neue Mitarbeiter, die für den neuen Job in eine neue Stadt ziehen, bei allen organisatorischen Belangen und übernehmen natürlich auch sämtliche Kosten für eine Relocation und helfen bei der Wohnungssuche.

Und wie läuft der Start ins Arbeitsleben ab?
Am ersten Arbeitstag legen wir großen Wert darauf, dass jeder neue Mitarbeiter SumUp kennenlernt, bevor er mit der täglichen Arbeit beginnt. Für alle Neuen gibt es einen eintägigen Workshop mit Vorträgen, einem gemeinsamem Essen und der Vorstellung unterschiedlichster Abteilungen. Wichtig ist uns, dass jeder, der ins Team kommt, unsere Vision verinnerlicht und unsere Werte und Ziele kennenlernt. Unser People-Team leistet hier einen grandiosen Job und sorgt ab dem ersten Tag dafür, dass unsere Mitarbeiter motiviert und mit einem klaren Ziel vor Augen bei uns starten.

Euer Team sitzt weltweit verteilt. Wie bekommt ihr da ein Teamgefühl hin?
Alle arbeiten gemeinsam an einem Ziel: Als erste globale Marke für Kartenakzeptanz mit modernster Technologie Händlern auf der ganzen Welt zu mehr Umsätzen zu verhelfen. Diese Vision eint unser Team.

Aber wie arbeiten die Mitarbeiter, die Teams bei SumUp zusammen?
Die meisten unserer Teams arbeiten mittlerweile standortübergreifend. Dazu gehören unter anderem Engineering, Design und auch das People-Team. Die Teams treffen sich mehrmals im Jahr, um gemeinsam an Projekten zu arbeiten – und gemeinsam Erfolge zu feiern. Wichtig ist uns aber auch, dass alle regelmäßig und transparent darüber informiert sind, wie gesund die Firma ist, vor welchen aktuellen Herausforderungen wir stehen und wo die Reise mit SumUp hingeht. Ich selber versuche einmal im Quartal jedes Büro zu besuchen. Außerdem setzen wir bei unseren Büros auf wiederkehrende Designelemente bei der Einrichtung. Egal, welches SumUp-Office auf der Welt ein Mitarbeiter betritt: Er soll sich sofort zu Hause fühlen.

Und welche Tools nutzt ihr, um untereinander zu kommunizieren?
Wir setzen überwiegend auf die etablierten Tools. Slack ist sicher eines der wichtigsten Tools für eine schnelle Kommunikation. Ansonsten nutzen wir Zoom für Videokonferenzen und natürlich Jira und Confluence für die Prozessdokumentation.

2016 verbündete sich SumUp mit payleven. Wie viel payleven steckt heute noch in SumUp?
Wir haben noch heute viele Mitarbeiter von payleven im SumUp-Team. Gerade das freut mich besonders. Auf der Technologie-Seite haben wir alle Händler von payleven zu SumUp migriert. Das fand komplett transparent für Händler statt. Die zwei unterschiedlichen Plattformen haben wir erst in Funktionalität und Design angenähert und dann konnten sich Händler, die payleven nutzten, mit bestehenden Logindaten und ihrem payleven-Kartenleser einfach auf der SumUp Plattform einloggen und weiter normal Kartenzahlungen akzeptieren. Auf diese Integration sind wir sehr stolz.

Und was von payleven ist noch im Einsatz?
Im Gegensatz zu SumUp hat payleven sein Produkt schon damals auch im Handel zum Kauf angeboten – beispielsweise in Geschäften von Apple und Media Markt. Diesen Ansatz haben wir im Zuge der Fusion übernommen und in den letzten Jahren weiter erfolgreich ausgebaut. Das erleichtert den Zugang zu unserem Kartenterminal für Händler noch einmal erheblich.

Wirecard ist jetzt mehr wert als die Deutsche Bank. Wann überholt ihr die alte Bank?
Zu unserer Bewertung machen wir generell keine Angaben. Mit unserem aktuellen Wachstum – ein Plus 97 % gemessen am Umsatz im August 2018 im Vergleich zum August 2017 – sehe ich uns in den kommenden Jahren auf einem sehr guten Weg in diese Größenordnung.

Paypal kaufte kürzlich iZettle. Ein möglicher Exitkanal für euch ist nun dicht! Habt ihr Angst vor der Zukunft?
Ganz im Gegenteil! Zunächst einmal freuen wir uns für die Kollegen, denn die Übernahme ist eine Validierung unserer eigenen Tätigkeit. Im Zuge des angekündigten Börsengangs und des Exits haben wir auch interessante Einblicke erhalten und die Bestätigung erhalten, dass wir schneller wachsen und nach wie vor die Nummer 1 im Markt sind. Allein in den vergangenen zwölf Monaten sind wir, wie schon erwähnt, gemessen am Umsatz um 97 % gewachsen, haben die 200 Millionen US-Dollar-Schwelle – bezogen auf unseren Jahresumsatz – überschritten und operieren seit mehr als zwei Jahren profitabel. Und schon heute nutzen mehr als eine Million Händler unseren Service und täglich kommen mehr als 3.000 neue Händler weltweit dazu. Wir bleiben nach der Übernahme durch PayPal der letzte unabhängige Anbieter im Markt und sind fest davon überzeugt, dass wir so schneller wachsen können und langfristig besser aufgestellt sind.

Und wo genau steht SumUp in einem Jahr?
In einem Jahr werden wir sicher nicht mehr nur in 31 Ländern vertreten sein, sondern eher in 40 Ländern. Wir werden uns im kommenden Jahr erneut verdoppeln beim Umsatz und der Anzahl der Händler. Da wird natürlich auch unser Team weiter an allen Standorten wachsen.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.