#Interview Getsafe verkauft sein profitables Maklergeschäft. So geht es beim InsurTech nun weiter

Verivox übernimmt Teile von Getsafe. "Unser Maklergeschäft ist profitabel mit siebenstelligen Umsätzen. Das war für den Verkaufsprozess natürlich eine komfortable Situation", sagt Getsafe-Gründer Christian Wiens zum Teil-Exit. Das Getsafe.Team will sich nun auf seine Aktivitäten als digitaler Versicherer konzentrieren.
Getsafe verkauft sein profitables Maklergeschäft. So geht es beim InsurTech nun weiter

Eine überraschende Meldung am frühen Morgen: Das Heidelberger InsurTech Getsafe verkauft große Teile seines Geschäftsbetriebs, das Maklergeschäft, an die ProSiebenSat.1-Tochter Verivox siehe etwa Finanz-Szene.de. Das Getsafe-Team will sich nun komplett auf seine Aktivitäten als digitaler Versicherer konzentrieren. Diesen wichtigen Weg schlug das junge Unternehmen, das von btov, Capnamic, Partech, CommerzVentures und Global Founders Capital unterstützt wird, bereits im vergangenen Jahr ein. Im Interview mit deutsche-startups.de erklärt Getsafe-Gründer Christian Wiens diesen Schritt.

Verivox übernimmt das Maklergeschäft von Getsafe. Warum dieser Verkauf?
Wir sind 2015 als einer der ersten mobilen Versicherungsmakler in Europa gestartet und haben uns voll auf die Verwaltung und den Vertrieb traditioneller Versicherungsprodukte konzentriert. 2017 haben wir erkannt, dass wir die gesamte Wertschöpfungskette eines Versicherers abbilden müssen, um eine wirklich digitale Kundenerfahrung auf dem Smartphone anbieten zu können. Daher haben wir unsere eigene Versicherungsplattform gestartet und kooperieren dabei bereits mit einem renommierten Partner, der Munich Re. Mit dem Verkauf unserer Makler-Unit lösen wir uns endgültig von der Rolle des Mittelsmanns. Ein Käufer wie Verivox mit über 8 Millionen Kunden, ist eine riesen Opportunity zum perfekten Zeitpunkt.

Das Maklergeschäft war ursprünglich mal euer Kerngeschäft. Wie viel Umsatz bricht euch nun weg?
Unser Maklergeschäft ist profitabel mit siebenstelligen Umsätzen. Das war für den Verkaufsprozess natürlich eine komfortable Situation.

Mit dem Erlös des Exits wollt ihr “die Entwicklung weiterer Produkte sowie die Expansion in neue Märkte finanzieren”. War der Verkauf so lukrativ?
Wir konnten einen sehr guten Deal abschließen und das – gerade nach dem Einstieg von General Atlantic in die Digitalsparte von Pro7Sat1 – mit einem zukunftsorientierten Partner. Mit unserer eigenen Versicherungsplattform wachsen wir gerade extrem schnell und mit geringen Werbekosten. Natürlich sind wir da auch offen für weitere Finanzspritzen mit den richtigen Partnern.

Eure eigenen, digitalen Versicherungsprodukte habt ihr bereits über 30.000 mal verkauft. Lohnt sich das Geschäft schon?
Wir sind nicht profitabel, da wir massiv in die Plattform investieren. Dennoch bauen wir durch den hohen Automatisierungsgrad und das volldigitale Produkt ein langfristiges und gegenüber dem Maklergeschäft deutlich margenstärkeres Business auf, das wir komplett kontrollieren können. Ein Kunde im Sachversicherungsbereich bleibt seinem Versicherer heutzutage im Schnitt über 10 Jahre lang treu – und das bei einer heute höchstens durchschnittlichen Customer Experience. Im Kranken- und Lebensversicherungsbereich ist die Lifetime nochmal wesentlich höher. Es gibt wenig nachhaltigere Geschäftsmodelle als das eines digitalen Versicherers. Das verstehen auch immer mehr Investoren und daher sind in unserem Bereich hohe Unternehmensbewertungen zu einem frühen Stadium tatsächlich gerechtfertigt.

Wo steht Getsafe in einem Jahr?
Wir werden in der Branche hoffentlich noch viele Rekorde brechen. Da wir als Plattform aufgestellt sind, können wir neue Produkte und Märkte schnell ausrollen, sehr viel schneller als die meisten unserer alten und neuen Wettbewerber. Getsafe wird Kunden in mehreren europäischen Ländern zur Verfügung stehen, um unsere digitalen Versicherungsprodukte auf dem Smartphone schnell und einfach kaufen und managen zu können.

PODCAST

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Foto (oben): Getsafe

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.