#Zahlencheck stylefruits: Nach dem Verkauf begann der Niedergang

Der Niedergang von stylefruits ging 2016 - also in dem Jahr, in dem Ströer das Startup kaufte - los! Im Jahr vor dem Verkauf präsentierte sich stylefruits noch als profitables Unternehmen. Die stylefruits-Macher und -Investoren haben somit den besten Zeitpunkt zum Verkauf gefunden.
stylefruits: Nach dem Verkauf begann der Niedergang

Die Social Shopping-Plattform stylefruits , auf der Nutzer eigene Outfits gestalten und über Partnershops kaufen konnten, war für den Werbevermarkter Ströer ein millionenschwerer Fehlkauf, ein regelrechtes Desaster. Das Kölner Unternehmen übernahm das Münchner Startup im Frühjahr 2016 und zahlte damals beachtliche 14 Millionen für den Social Shopping-Dienst, der 2008 gegründet wurde. Zudem sah der Kaufvertrag für die kommenden drei Jahre eine Earn-Out-Vereinbarung in Höhe von 15 Millionen vor. Dazu kam es dann aber nicht mehr: Ende 2017 – und damit knapp 18 Monate nach dem Kauf – schaltete Ströer stylefruits komplett ab.

Der Niedergang von stylefruits war bereits 2016 – also in dem Jahr, in dem Ströer das Startup kaufte – im Jahresabschluss sichtbar. Aber erst ein Blick auf 2015: Im Jahr vor dem Verkauf präsentierte sich stylefruits als profitables Unternehmen. Die stylefruits-Macher und -Investoren haben somit den besten Zeitpunkt zum Verkauf gefunden. Im Jahresabschluss heißt es: “Das Rohergebnis ist im Berichtsjahr von T€ 4.363 auf T€ 6.640 gestiegen. Während hierbei die Umsatzerlöse um 2% beziehungsweise T€ 259 auf T€ 16.898 stiegen, sind die Materialaufwendungen um € 2 Mio. gesunken. Insgesamt wurde im Berichtsjahr ein positives Ergebnis vor Steuern von T€ 792 (Vorjahr: negatives Ergebnis T€ 866) erzielt. Der Jahresüberschuss beträgt T€ 791 (Vorjahr: Jahresfehlbetrag T€ 867)”.

Ende 2015 bereitete das stylefruits-Team sich dann auf weitere “zukünftiges Wachstum vor”. “Hierbei ist insbesondere die Fortentwicklung der stylefruits-Apps zu nennen, welche die Entwicklung der kompletten Branche wiederspiegelt”. Und genau dieser Punkt klemmte es dann im Jahr danach – unter anderem! Der Jahresabschluss 2016 belegt dies eindeutig. Aber erst einmal die harten Zahlen: “Das Rohergebnis ist im Berichtsjahr von T€ 6.640 auf T€ 3.132 gesunken. Bei den Umsatzerlösen war entgegen der Prognose aus dem Vorjahr ein Rückgang von T€ 5.224 auf T€ 11.674 zu verzeichnen”.

Als Gründe für diesen harten Niedergang führt das Startup “rückläufige Seitenaufrufen aus den margenträchtigen Bereichen Social Media, SEO (organische Suchanfragen) und direkte Zugriffe auf die Internetauftritte und zum anderen an einer geringeren Nutzung unserer Apps” an. Unter dem Strich stand deswegen bei stylefruits 2016 “ein negatives Ergebnis vor Steuern von T€ -2.544”. Der Jahresfehlbetrag betrug rund 2,6 Millionen Euro. Nie zuvor war der Jahresfehlbetrag von stylefruits höher. Auch ein Personalabbau von 121 Mitarbeiter (Höchststand 2015) auf 97 Angestellte konnte die roten Zahlen nicht verhindern.

Ein Blick in den Ströer-Jahresabschluss zeigt, dass das Unternehmen auch 2017 nicht wieder in die Erfolgsspur gekommen ist. Dort ist für stylefruits ein Jahresergebnis in Höhe von rund -2 Millionen Euro verzeichnet. Somit ist es kein Wunder, dass Ströer dann lieber schnell den Stecker gezogen hat. stylefruits fiel es ganz offensichtlich über mehrere Jahre schwer bzw. immer schwerer Nutzer massenhaft auf seine Plattform zu ziehen. Auch der Weg ins mobile Web zündete nicht. Wenn zudem auch der direkte Traffic wegbricht, ist das Problem gewaltig. Eine Social Shopping-Plattform lebt von Nutzern, die Inhalte produzieren, die sie oder andere dann bei Partner kaufen können. Der Weg aus dieser Todesspirale wäre vermutlich nur mit viel Geld für Marketingaktivitäten möglich gewesen.

stylefruits im Zahlencheck

2016: 11,7 Millionen Euro (Umsatz); 3,1 Millionen Euro (Rohergebnis); 2,5 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2015: 16,9 Millionen Euro (Umsatz); 6,6 Millionen Euro (Rohergebnis); 790.745 Euro (Jahresüberschuss)
2014: 16,6 Millionen Euro (Umsatz); 4,3 Millionen Euro (Rohergebnis); 867.172 (Jahresfehlbetrag)
2013: 2,4 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2012: 429.761 Euro (Jahresüberschuss)
2011: 1,0 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2010: 1,6 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2009: 828.682 Euro (Jahresfehlbetrag)
2008: 58.033 Euro (Jahresfehlbetrag)

PODCAST

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Foto (oben): stylefruits

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.