Aizome Bedding In Japan gründen?! “Mich reizt die Herausforderung”

"Schlaue Leute gibt es überall und man muss nicht notwendigerweise im gleichen Raum sein. Früher war das Kapital im Silicon Valley. Das hat sich heute geändert, und der Druck in Kalifornien zu wohnen ist heute nicht mehr so groß", sagt Michel May, Gründer von Aizome Bedding.
In Japan gründen?! “Mich reizt die Herausforderung”

Seit mehreren Jahren lebt Michel May in Japan. Nun startet der Auswanderer mit Aizome Bedding sein eigenes Startup. Das junge Unternehmen, das weltweit liefert, setzt auf hypoallergene Bettwäsche, die in japanischer Tradition produziert wird. “Aizome, die japanische Färbekunst mit natürlichem Indigo, wird seit Jahrhunderten benutzt, um Hautprobleme zu kurieren. Aizome Bedding arbeitet deshalb in Tokio mit traditionellen Aizome Färbern zusammen”, erklärt May, der zuletzt bei einer deutschen Neuro-Software-Firma in Tokio gearbeitet hat.

Das Konzept kommt an! Via Crowdfunding konnte der Aizome Bedding-Macher kürzlich in 24 Stunden 30.000 Dollar an Vorbestellungen einsammeln. “Das ist schon jetzt das erfolgreichste Lifestyle-Crowdfunding des Jahres in Japan. Überall sitzt das Geld locker, aber nach meiner Erfahrungen verbringen viele Gründer etwas zu viel Zeit damit, Kapital nachzulaufen. Diese Zeit habe ich mir bisher gespart”, sagt May stolz.

Vor Konkurrenz fürchtet sich der Bettwäsche-Startupper nicht: “Es gibt viele Onlinehändler für Bettwaren. Mit einigen müssen wir zunächst in den Wettbewerb treten und das soll man nicht unterschätzen. Die meisten davon überbieten sich mit kreativen Werbeauftritten, da die Unterscheidung hauptsächlich auf psychologischer Ebene stattfindet. Wir sind als Unternehmen mit Sitz in Japan hohen Qualitätsstandards verpflichtet und glauben, dass wir mit unserer reinen Indigo-Färbung einzigartig sind”.

Zudem setzt May nicht nur auf den B2C-Vertrieb. Er will auch direkt an Krankenhäuser, Kliniken und Hotels verkaufen sowie mit Wissenschaftlern zusammenarbeiten. Insgesamt schwärt der Aizome Bedding-Gründer im großen Maße vom Startup-Standort Japan: “Für mich war Japan eigentlich nie besonders schwierig. Oder vielleicht haben mich einfach immer die Herausforderungen gereizt. Japan ist reich an Kultur, was uns besonders inspiriert hat”. Im Mini-Interview mit deutsche-startups.de spricht May zudem über Pünktlichkeit, die Zahlungsmoral in Japan und Formaldehyd.

Welches Problem wollt Ihr mit Aizome Bedding lösen?
Es gibt heute mehr Menschen mit Hautkrankheiten als je zu vor. Psoriasis und Neurodermitis sind heute fast normal, besonders bei Kindern. Jedes Jahr kaufen die Menschen mehr Medizin als im Jahr zuvor. Medizin zielt fast immer auf Heilung, aber nicht auf Prävention. Die Ursache vieler Hautkrankheiten ist ein komplexes Zusammenspiel endogener und exogener Faktoren, aber letztendlich leiden die Menschen an hypersensibler Haut. Eine starke Irritationsquelle, die viele Menschen und auch Hautärzte außer Acht lassen, sind die starken chemischen Färbungen in Textilen. Diese werden mit Schwermetallen oder Seitenprodukten der Ölindustrie hergestellt. Zusätzlich werden Stoffe stark chemisch behandelt: Formaldehyd, Chlorbenzol oder Flammschutzmittel gehören zu Standardbehandlungsmitteln. Gerade in Bettwäsche, die wir nun mal ein Drittel unseres Lebens berühren, spielt das eine wichtige Rolle. Wir bei Aizome Bedding stellen Betttextilen komplett ohne chemische Zusätze her. Wir nutzen ein bahnbrechendes technisches Verfahren, das es uns erlaubt, mit Pflanzen wie Indigo farbfeste Textilen zu produzieren. Damit helfen wir Menschen, die entweder unter Hautproblemen leiden, oder die einfach Wert auf ein giftfreies Schlafumfeld legen. Und dabei schonen wir die Umwelt, da wir in keinem einzigen Schritt unserer Produktion synthetische Chemikalien einsetzen.

Du lebst seit einigen Jahren in Tokio. Wie einfach oder schwer ist es, in Japan ein Startup zu gründen?
Schlaue Leute gibt es überall und man muss nicht notwendigerweise im gleichen Raum sein. Früher war das Kapital im Silicon Valley. Das hat sich heute geändert, und der Druck in Kalifornien zu wohnen ist heute nicht mehr so groß. Sofbanks Masayoshi Son Tech Fund ist bei Weitem der Größte und das Geld fließt überall hin: Tallinn, Tel Aviv, Mumbai, Berlin, Manila. Kreative Startups gibt es überall. In Japan sind neben Tokio und Kyoto auch Kobe und Fukokoka reich an Brain Capital für Startups. Für mich war Japan eigentlich nie besonders schwierig. Oder vielleicht haben mich einfach immer die Herausforderungen gereizt. Japan ist reich an Kultur, was uns besonders inspiriert hat.

Welche deutschen Gründer-Eigenschaften kommen in Japan gut an, welche nicht?
Pünktlichkeit. Aber damit kann ich persönlich eher nicht beeindrucken. Gute Zahlungsmoral und sich an Abmachungen zu halten ist sehr wichtig. Wir haben bisher nie irgendwelche ausstehenden Zahlungen gehabt und ich achte tunlichst drauf, dass wir eher zu früh als zu spät bezahlen.

Jede Woche entstehen dutzende neue Startups, warum wird ausgerechnet Aizome Bedding ein Erfolg?
Erfolgskonzept ist unser extrem internationales Team sowie unsere diversen beruflichen Wege. Unser Gründerteam kommt aus fünf Ländern, und alle bei Aizome Bedding sprechen mindestens drei Sprachen. Wir haben Erfahrung in den essenziellen Bereichen Dermatologie und Textilien, aber auch Kosmetik und Qualitätsmanagement. Dieses Knowhow kann sich auf internationalem Level behaupten. Aizome Bedding hat ein recht großes Team und wir haben viel Zeit mit Marktumfragen zu Hautkrankheiten aber auch zu unserem Produkt verbracht. Die Testphase hat sich bezahlt gemacht: Wir haben mit unserer ersten Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo bereits Bestellungen aus 40 Ländern eingeholt und derzeit sind mehr als 400 % finanziert.

Wo steht Aizome Bedding in einem Jahr?
Wir werden eng mit Krankenhäusern, Altersheimen und Mutter-Kind-Kliniken arbeiten. Das E-Commerce-Geschäft hilft uns, auf die Beine zu kommen, aber wir haben bereits die ersten Kooperationen mit Ärzten begonnen, und dort sind wir eigentlich zu Hause. Die Zusammenarbeit hier finde ich am wichtigsten und hier gibt es viel zu tun. Die schwedische Regierung hat jüngst eine Untersuchung der Textilen in Europa gemacht und festgestellt das in 10 % Substanzen enthalten waren, die eine Gesundheitsgefahr darstellen und eigentlich reguliert sind. Die Kontrolle sind unzureichend.

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Foto (oben): Aizome Bedding

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.