Interview Aus dem Fraunhofer-Labor in den Startup-Massenmarkt

"Prolupin wurde als Spin-off des Fraunhofer-Instituts gegründet. Hier gelang es Wissenschaftlern, das Eiweiß der Süßlupine zu extrahieren und für die Produktion von Lebensmitteln nutzbar zu machen", sagt Prolupin-Macher Malte Stampe zur Entstehungsgeschichte der Jungfirma.
Aus dem Fraunhofer-Labor in den Startup-Massenmarkt

Das junge Food-Startup Prolupin ist ungewöhnlich! Zunächst einmal sitzt Prolupin in Grimmen in Mecklenburg-Vorpommern. Zudem wurde das Unternehmen 2010 als Spin-off des Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV gegründet. “Hier gelang es Wissenschaftlern, das Eiweiß der Süßlupine in Form des einzigartigen Lupinenprotein-Isolats (LPI) zu extrahieren und für die Produktion von Lebensmitteln nutzbar zu machen”, sagt Malte Stampe, Geschäftsführer von Prolupin. Und zu guter Letzt wurde Prolupin im Laufe der Jahre vom B2B-Unternehmen zur BC2-Firma.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Prolupin-Macher Stampe über Milchprodukte, wissenschaftlichen Erkenntnisse und Gentechnik.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Prolupin erklären?
Prolupin produziert nach einem patentierten Verfahren hochwertiges Eiweiß aus Süßlupinen. Dieses einzigartige Eiweiß ist die Basis für rein pflanzliche Alternativen zu Molkereiprodukten, die wir unter der Marke “Made with Luve” anbieten. Diese Alternativen sind zunehmend interessant, da immer mehr Verbraucher auf herkömmliche Milchprodukte verzichten, beispielsweise weil sie unter Allergien oder Unverträglichkeiten leiden oder sich für eine rein pflanzliche Ernährung entschieden haben. Andere wiederrum interessieren sich einfach für neue Geschmackserlebnisse, zu denen Produkte aus Lupinen nun mal gehören.

Was genau sind denn Lupine?
Die Lupine wird auch „Soja des Nordens“ genannt und ist eine heimische Alternative zu Soja, Reis, Mandel und Kokos. Das extrahierte Lupinen-Eiweiß weist eine hohe Funktionalität auf und bietet einen hohen ernährungsphysiologischen Wert. Vielleicht kennt die Großmutter noch Lupinen aus der Nachkriegszeit, als man aus den Lupinenbohnen beispielsweise Kaffee gemacht hat, der jedoch nicht besonders schmackhaft war. Seit dem ist jedoch viel passiert: Forscher des Fraunhofer Instituts IVV haben über 25 Jahre geforscht und eine Lupinensorte entdeckt, die einen geringen Eigengeschmack hat. In der weiteren Forschung haben die Wissenschaftler dann ein Verfahren entwickelt, um das Eiweiß aus der Lupine zu extrahieren. Seit 2013 stellt Prolupin nun ein hochwertiges und leckeres pflanzliches Protein zur Verfügung, aus dem sich Lebensmittel herstellen lassen.

Bei welcher Gelegenheit entstand die Idee zu Prolupin?
Prolupin wurde 2010 als Spin-off des Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV gegründet. Hier gelang es Wissenschaftlern, das Eiweiß der Süßlupine in Form des einzigartigen Lupinenprotein-Isolats (LPI) zu extrahieren und für die Produktion von Lebensmitteln nutzbar zu machen. Die Gründungsidee war, die wissenschaftlichen Erkenntnisse praktisch nutzbar zu machen, auch vor dem Hintergrund der global steigenden Nachfrage nach Eiweiß. Wir wollen zeigen, welches Potenzial Lupinen-Protein hat und wie sich Verbraucher mit leckeren und vielseitig verwendbaren rein pflanzliche Genusserlebnissen überzeugen lassen.

Wie ist aus dem Spin-off ein richtiges Unternehmen geworden?
Am Anfang stand das B2B-Geschäft im Fokus: Wir hatten zum Ziel, das Lupinen-Eiweiß und die weiteren im Extraktionsprozess anfallenden funktionellen Lebensmittelzutaten an Lebensmittelhersteller zu verkaufen. Damit starteten wir 2013. Zwei Jahren später launchten wir unsere Dachmarke “Made with Lupin” und brachten so auch selbst Lupinen-Produkte auf den Markt. Hierbei setzten wir zunächst auf ein breites Produktportfolio, um zu zeigen, wie umfangreich die Einsatzmöglichkeiten für Lupinen-Eiweiß sind. Unser Portfolio umfasste also eine Vielzahl von Produktkategorien.

Prolupin kommt somit aus der B2B-Welt und ist nun ein B2C-Startup?
Ja, unser Geschäftsmodell hat sich seit dem Start verändert. Mittlerweile fokussieren wir uns auf das B2C-Geschäft mit unsere Marke “Made with Luve” und konzentrieren uns auf ein Sortiment an rein pflanzlichen Alternativen zu Molkereiprodukten, wie Joghurt, Desserts, Frischkäse, Milch und Eis. Das gesamte “Made with Luve”-Sortiment ist rein pflanzlich, ohne Gentechnik sowie von Natur aus laktose- und sojafrei, die meisten unserer Produkte sind zudem frei von Gluten.

Wie hat sich Prolupin seit der Gründung entwickelt?
Prolupin und unsere Marke “Made with Luve” haben sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Unser Ansatz, Lupinen-Alternativen im Massenmarkt und nicht in der Nische zu platzieren, ist aufgegangen. “Made with Luve” ist für immer mehr Verbraucher eine täglich verwendete pflanzliche Alternative zu herkömmlichen Molkereiprodukten. Wir wachsen stark und entwickeln uns laufend weiter. Aktuellster Meilenstein: Seit März ist “Made with Luve” mit einer neuen Kampagne im TV präsent, ein Ergebnis einer langfristigen Zusammenarbeit mit 7Life. Dies hebt unsere 360°-Kommunikation nochmal auf ein anderes Level, in der wir seit Gründung ebenfalls stark auf Online-Aktivitäten und innovative Formate setzen.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Prolupin inzwischen?
Mittlerweile sind wir ein Team aus 20 Leuten, das “Made with Luve”-Sortiment umfasst über 20 Produkte an Lupinen-Alternativen zu Joghurt, Desserts, Frischkäse, Milch und Eis. Unsere Produkte sind flächendeckend im deutschen und österreichischen Einzelhandel gelistet. Außerdem bieten verschiedenste Online-Shops in Deutschland, Österreich und der Schweiz unsere Produkte an. Vom Start von “Made with Luve” Mitte 2015 an bis Ende 2017 konnten wir weit über fünf Millionen Produkte verkaufen.

Was waren die größten Hürden, die ihr bisher überwinden musstet?
Prolupin wurde als Fraunhofer Spin-off gegründet, sodass wir selbst wenig über den Weg zur Gründung sagen können. Im Auf- und Ausbau des Unternehmens ist uns natürlich eine ganze Reihe von Herausforderungen begegnet, die wir sehr aktiv angegangen sind. Zu diesen gehörten am Anfang vor allem der Markteintritt und der Distributionsaufbau im Lebensmitteleinzelhandel. Neue Marken und innovative Produkte haben es im Handel nicht leicht, hier mussten wir viel Überzeugungsarbeit leisten. Wie jedes Startup mussten wir außerdem die Finanzierung unserer Aktivitäten sichern, für unser Wachstum das passende Team zusammenstellen und kontinuierlich für gleichbleibende Produktqualität sorgen.

Wo steht Prolupin in einem Jahr?
Wir treiben stark die Ausweitung unserer Distribution in Deutschland und Österreich voran. Das heißt, wir wollen neue Händler gewinnen und bei bestehenden Partnern “Made with Luve” pushen. Und wir arbeiten am Ausbau unseres Produktportfolios, um die wachsende Nachfrage nach pflanzlichen Alternativen zu bedienen. Außerdem haben wir verschiedene Marketingmaßnahmen in der Pipeline und werden so die Markenbekanntheit von “Made with Luve” weiter stärken. Wo wir in einem Jahr genau stehen, wäre vermessen vorherzusagen. Wir sind jedoch davon überzeugt, dass wir 2019 in noch mehr Supermärkten mit noch mehr Produkten präsent sind und von noch mehr “Made with Luve”-Fans gekauft werden.

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Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.