Interview “Eine globale Firma aufzubauen ist eine Herausforderung”

"Zentrale Aufgabe ist die Bewältigung der „Null auf Eins“-Herausforderung von keinem Kunden hin zu ersten Kunden", sagt Dorian Selz, Gründer von Squirro. "Diese Herausforderung besteht meist doppelt so lange, wie jemand meint, und kostet auch doppelt so viel."
“Eine globale Firma aufzubauen ist eine Herausforderung”

Das Schweizer Startup Squirro, das 2012 an den Start ging, entwickelt seit einigen Jahren eine Software, die Unternehmen dabei unterstützt, ihre Kundenbeziehungen zu organisieren. Unternehmen wie Helvetia Insurance, Swiss Re und Wells Fargo nutzen Squirro bereits. 40 Mitarbeiter arbeiten derzeit bei Squirro. Das Unternehmen verfügt über Niederlassungen in New York, London, München und Singapur. “Umsatzzahlen veröffentlichen wir nicht, es ist aber ein mittlerer einstelliger Millionenbetrag. Wir wachsen mit 100 % pro Jahr”, sagt Mitgründer Dorian Selz.

Im Sommer des vergangenen Jahres investierten Orange Growth Capital, Salesforce und die bestehenden Investoren 10 Millionen US-Dollar in Squirro. “Die Funding-Runde mit bedeutenden Investoren erlaubt uns eine Erhöhung der Wachstumsgeschwindigkeit”, sagt Selz damals. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der Squirro-Gründer über Unternehmensdaten, Herausforderungen und Hundejahre.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Squirro erklären?
Jede Firma hat heute viele Computer, die viele Daten speichern. Wir machen mehr mit diesen Daten. Mit unserer Software kann ein Kundenberater zum Beispiel automatisch erkennen, welche drei Kunden er zu welchen Themen heute anrufen soll. Und das alles komplett automatisch.

Bei welcher Gelegenheit entstand die Idee zu Squirro?
Unsere vormalige Firma war vor über zehn Jahren local.ch. Das war damals die größte Schweizer Website. Die Website war als lokale Suche für alles Wissenswerte in der Schweiz gedacht. Da haben wir gelernt, was der Wert von Daten im richtigen Kontext ist. Squirro setzt genau das im Bereich Unternehmensdaten um. Wir machen mehr aus diesen Daten.

Hat sich das Konzept in den vergangenen Jahren verändert?
Ja. Wir haben anfangs viel zu eng gedacht und uns eher als einfacher News-Aggregator für Unternehmenskunden gesehen. Nach den üblichen Pivots haben wir heute eine KI-gestützte Plattform für die Analyse von Unternehmensdaten.

Wie hat sich Squirro seit der Gründung entwickelt?
Die ersten drei Jahre waren vor allem der Entwicklung der Plattform geschuldet und auch der unmöglichen Situation, mit einem erst im Entstehen begriffenen Produkt trotzdem Umsatz zu generieren. Inzwischen sind wir viel weiter und haben namhafte Kunden wie Wells Fargo, Investec und DBS.

Wie groß ist Squirro genau?
Wir sind zur Zeit 40 Leute in der Schweiz und unseren Niederlassungen in New York, London, München und Singapur. Umsatzzahlen veröffentlichen wir nicht, es ist aber ein mittlerer einstelliger Millionenbetrag. Wir wachsen mit 100 % pro Jahr.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstest?
Aus der Schweiz eine global agierende Firma aufzubauen ist eine einmalig große Herausforderung. Nicht immer einfach. Während hierzulande die Risikoaversion groß ist, ist der Umgang mit Risiken gerade in Amerika ein komplett anderer. Dumm nur, dass dazwischen eine mindestens achtstündige Flugreise ist.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Ein erfolgreiches Unternehmen ist immer das Resultat von guten Mitarbeitern. Wir haben die eine oder andere Fehlbesetzung erlebt in den letzten Jahren. Vielfach ist man als Start-up geneigt, mit Kompromissen zu leben – in der Hoffnung, dass es dann ‚scho passt’. Tut es oft nicht. Das sind teure und umständliche Fehler.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer?
Zentrale Aufgabe ist die Bewältigung der „Null auf Eins“-Herausforderung von keinem Kunden und keinem Produkt hin zu ersten Kunden dank einem guten ersten Produkt. Diese Herausforderung besteht meist doppelt so lange, wie jemand meint, und kostet auch doppelt so viel. Es helfen dabei gute Nerven, die Unterstützung der eigenen Familie und von Freunden.

Wo steht Squirro in einem Jahr?
Ein Startup-Jahr ist wie ein Hundejahr. Schwierig zu sagen, was in sieben Jahren von jetzt an passiert.

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Foto (oben): Squirro

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.