Vivelia Hamburger – mit Millionenexit – kämpft gegen Wartezeiten

"Vivelia wurde gegründet, um die psychotherapeutische Versorgung in Deutschland zu verbessern. Sowohl Patienten als auch Psychotherapeuten sind im deutschen Gesundheitssystem stark herausgefordert", sagt Gründer Daniel Kollmann.
Hamburger – mit Millionenexit – kämpft gegen Wartezeiten

Bereits vor drei Jahren hob Daniel Kollmann Vivelia aus der Taufe. In der klassischen Gründerpresse war der Dienstleister für ambulante Psychotherapie bisher aber kaum sichtbar. “Heute sind wir ein Team von 20 Leuten sowie ein Therapeutenteam aus Experten für Patientenzufriedenheit, digitale Produkte in der Psychotherapie und Öffentlichkeitsarbeit”, erklärt Kollmann, der vor einigen Jahren Massivkonzept gründete und für 20 Millionen verkaufte, das Konzept hinter Vivelia.

In den ersten drei Jahren baute Kollmann Vivelia ohne Fremdfinanzierung auf. Im Herbst verbündete sich der Seriengründer dann aber mit der Dr. Becker Klinikgruppe, einem gewichtigen Anbieter für Reha-Leistungen. “Die Wachstumsfinanzierung können wir für den Ausbau weiterer psychotherapeutischer Zentren verwenden, um Patienten ambulant noch besser zu versorgen”, erzählt Kollmann. Im Interview mit deutsche-startups.de stellt Kollmann das Vivelia-Konzept einmal ganz genau vor.

Welches Problem wollt Ihr mit Vivelia lösen?
Vivelia wurde gegründet, um einen besseren Weg zur mentalen Gesundheit zu schaffen und die psychotherapeutische Versorgung in Deutschland zu verbessern. Sowohl Patienten als auch Psychotherapeuten sind im deutschen Gesundheitssystem stark herausgefordert. Ein mühsames Geflecht aus langen Wartezeiten und umständlichen Kostenerstattungsverfahren auf der einen Seite, sowie langwierigen Kassenzulassungen und zeitraubenden Verwaltungsaufgaben auf der anderen Seite, erschwert beiden Parteien eine erfolgreiche Therapieteilnahme. Mit Vivelia haben wir ein System entwickelt, das genau dieses Dilemma auflöst. Wir bringen Patienten und Therapeuten deutlich schneller und passgenauer zusammen als bisher. In unseren Zentren mit 100 internen und externen, approbierten Psychotherapeuten beraten wir Patienten kompetent zu Fragen rund um die Erstattung durch die Krankenkassen und finden innerhalb kürzester Zeit den passenden Therapeuten. Dieser wird wiederum in allen alltäglichen Bürotätigkeiten von uns unterstützt. Dazu zählen Kundenservice genauso wie administrative Aufgaben und die zügige Abwicklung des Erstattungsverfahrens. Auf diese Weise erhalten Psychotherapeuten innerhalb von wenigen Tagen ihre Vergütung und müssen nicht mehr – wie üblich – monatelang auf die Abfindung durch Krankenkassen oder Patienten warten.

Jede Woche entstehen dutzende neue Start-ups, warum wird ausgerechnet Vivelia ein Erfolg?
Vivelia ist seit drei Jahren auf dem Markt und hat über die Zeit sein Modell immer weiterentwickelt. Heute bilden wir Deutschlands größte Plattform für ambulante psychotherapeutische Therapien, Beratung und Coaching und haben ein neues, attraktives Arbeitsmodell für Therapeuten geschaffen. Dabei ist neben klassischen Faktoren wie Kundenzentrierung, Angebotserweiterung und Effizienzsteigerung, unser entscheidender Erfolgsfaktor das langfristige Beziehungsmanagement – denn der Markt der ambulanten Psychotherapie ist geprägt vom langsamen Gesundheitswesen und vielen Stakeholdern mit unterschiedlichsten Interessen.

Wer sind Eure Konkurrenten?
Traditionell existieren in Deutschland entweder Krankenhäuser oder viele einzelne Therapiepraxen – darunter einige mit Kassensitz und monatelangen Wartezeiten, und andere ohne Kassensitz, die es schwer haben, als Einzelkämpfer gegen Krankenkassen anzukommen. Wir haben ein Modell entwickelt, mit dem jeder Therapeut seine Einzelpraxis weiterführen kann. Wir fassen die Expertise der Therapeuten zusammen, fügen unsere Kompetenz in Sachen Kundenbetreuung und Administration hinzu und holen damit Patienten und Therapeuten genau dort ab, wo sie stehen.

Wo steht Vivelia in einem Jahr?
Die psychotherapeutische Versorgung unserer Gesellschaft ist eins der zentralen Zukunftsthemen der Gesundheitsbranche. Nachdem wir unser Geschäftsmodell nun an den Standorten Hamburg und Berlin erprobt und optimiert haben, planen wir eine Expansion in fünf weitere Ballungsgebiete, darunter Köln und München. Unser Ziel ist es, deutschlandweit hunderte von Therapeuten und Tausende von Patienten erreichen und damit das Gesundheitswesen nachhaltig zu verändern. Jeder sollte genau die Hilfe bekommen, die er braucht.
Produkt-seitig haben wir in einem Jahr einen noch stärkeren Fokus auf die Patientenversorgung vor und nach der Therapie sowie ein breites Angebot an unterstützenden Angeboten rund um mentale Gesundheit.

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Foto (oben): Vivelia

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.