Interview Jimdo – Mit “klaren Strukturen” raus aus der Krise

"Sich selbst zu verändern ist, wie wir ja alle wissen, nicht einfach. Aber wir sind es als gesamtes Team angegangen und haben schnell erste positive Anzeichen gesehen. Über das Jahr hat sich das verstärkt und der Launch von Dolphin war quasi das i-Tüpfelchen", sagt Matthias Henze von Jimdo.
Jimdo – Mit “klaren Strukturen” raus aus der Krise

Ende des vergangenen Jahres zogen über der Wohlfühloase Jimdo, einem der Vorzeige-Start-ups der Hansestadt Hamburg, dunkle Wolken auf. Von 258 Mitarbeitern mussten damals 70 den Webbaukasten verlassen. “Wir haben es nicht geschafft, effektive Management-Strukturen einzuführen, und wir sind personell zu schnell gewachsen”, sagte Jimdo-Mitgründer Matthias Henze damals. Der harte Einschnitt war leider nötig. Das Start-up nutzte die vergangenen Monate nun gezielt, “um klare Strukturen und Verantwortlichkeiten einzuführen”, wie Henze im Interview mit deutsche-startups.de berichtet.

Vor einem Jahr war Jimdo in der Krise. 25 % der rund 260 Mitarbeiter mussten das Unternehmen verlassen. Wie ist die Stimmung ein Jahr nach diesen Stimmungskiller?
Das ganze Team hat sich der Verantwortung gestellt und gemeinsam haben wir die nötigen Veränderungen in sehr kurzer Zeit durchgezogen. Wir haben uns in diesem Jahr gezeigt, was wir schaffen können und sind voller Tatendrang.

Wie hat sich dies gezeigt?
So haben wir etwa vor kurzem das Preview Release von Jimdo Dolphin präsentiert. Dolphin ist unsere Vision von einer neuen Generation von Webseitenbaukasten, mit dem es nochmal radikal einfacher und schneller wird, seine eigene Webseite zu erstellen. Das ist alles erst der Anfang und macht uns und unseren Usern Lust auf mehr. Wir werden in 2018 diesen Weg konsequent weitergehen und es so unseren Kunden noch einfacher machen, ihr Business oder Projekt gut zu präsentieren und erfolgreich zu werden.

Was genau ist denn bei Jimdo Dolphin anders, als vorher?
Mit Dolphin kann sich ein User eine Webseite in drei Minuten erstellen. Das funktioniert so: Zu Beginn stellen wir unseren Usern kurze Fragen um sie kennenzulernen. Wir bauen ihnen dann eine vollständig personalisierte Website inklusive passenden Texten und wirklich herausragenden Fotos. Aus unserer Erfahrung mit über 20 Millionen mit Jimdo erstellten Websites wissen wir einfach, wie eine perfekte Website für sie in ihrer Branche aussieht. Wirklich wie Magic fühlt sich das Ergebnis an, wenn Nutzer ihre Social-Media-Konten mit Dolphin verbinden. Wir integrieren dann ihren eigenen tollen Fotos, Texte und andere Informationen in ihre Website. Wir sind selbst oft überrascht, wie großartig das funktioniert. Somit ist Dolphin perfekt für alle, die schnell und ganz leicht zu einer fertigen, persönlichen und schicken Website kommen wollen. Unser bestehender Creator ist ideal für Nutzer, die ihre eigene Website kreativ und von Grund auf selbst gestalten möchten.

Noch einmal zurück: Wie ist denn nun die Stimmung bei Jimdo?
Die vielen Veränderungen, die neue Geschwindigkeit und natürlich auch der Erfolg der letzten Monate tun ihr übriges für die gute Stimmung. Das motiviert uns sehr.

Im Zuge der Entlassungen hieß es damals, dass die “Umstrukturierung die Agilität des Unternehmens verstärken sollte”. Ist dies gelungen?
Auf jeden Fall. Wir haben klare Strukturen und Verantwortlichkeiten eingeführt. Gepaart mit einem klaren Ziel hat uns das überall fokussierter, flexibler und schneller gemacht.

Was war schwieriger in den vergangenen Monaten: Jimdo Dolphin zum Laufen zu bringen oder die Stimmung zu verbessern?
Wir haben alle an den Kern von Jimdo geglaubt und waren sehr veränderungs- und risikobereit. Sich selbst zu verändern ist, wie wir ja alle wissen, nicht einfach. Aber wir sind es als gesamtes Team angegangen und haben schnell erste positive Anzeichen gesehen. Über das Jahr hat sich das verstärkt und der Launch von Dolphin war quasi das i-Tüpfelchen. Das war also nicht ein entweder oder sondern der Launch von Dolphin war Teil der gesamten Veränderung. Insgesamt bin ich irre Stolz auf das Team, dass wir das so hinbekommen haben.

Hat das Jimdo-Team weiter die Größe von damals – nach den Entlassungen?
Aktuell haben wir die Größe wie nach den Entlassungen – in Hamburg sind wir derzeit 185 Teammitglieder. Wir haben eine sehr gute Grundlage geschaffen und fangen jetzt an, uns punktuell wieder zu verstärken. Unsere Anforderungen sind hier sehr hoch, damit wir weiterhin klein bleiben können.

Wo steht Jimdo in einem Jahr?
In diesem Jahr haben wir eine sehr gute Grundlage geschaffen auf die wir in 2018 aufbauen werden. Wir werden uns daher konsequent weiterentwickeln – alles vor dem Ziel, dass sich unsere User noch einfacher und besser im Netz präsentieren und erfolgreich werden können. Darauf freuen wir uns! Mit Jimdo bedienen wir eine super coole Zielgruppe: Entrepreneure, Unternehmer, Freelancer und alle, die etwas auf die Beine stellen wollen. Wenn wir unsere User treffen, “klickts” dann häufig weil wir uns so ähnlich sind. Es macht einfach einen irren Spaß, sie dabei zu unterstützen, erfolgreich zu werden. Daher werden wir in einem Jahr noch bessere Produkte und Services für sie anbieten, um ihnen dabei zu helfen.

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Foto (oben): Jimdo

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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