Stefanie Jarantowski im Interview “Ich hab’ den Gürtel ziemlich eng geschnallt”

"Aus Erfahrung plane ich in Halbjahresschritten. Was ich langfristig will, dass eventsofa größte Location-Plattform erst in Europa, dann weltweit wird", sagt Stefanie Jarantowski, die eventsofa seit über 5 Jahren komplett ohne fremdes Geld hochgezogen hat.
“Ich hab’ den Gürtel ziemlich eng geschnallt”

Seit 2012 bietet Stefanie Jarantowski mit eventsofa einen Marktplatz für Eventlocations an. Über die Plattform finden Eventmanager über 8.000 Veranstaltungsorte in Deutschland – samt Infos zu Kapazitäten, Preisen und Bewertungen. Sologründerin Jarantowski hat eventsofa von Anfang an mit eigenen Mitteln hochgezogen. Inzwischen arbeiten 11 Mitarbeiter für ihr Unternehmen. Im Bootstapping-Interview mit deutsche-startups.de spricht Jarantowski über Minimalversionen, Provisionen und Gehaltseingänge.

Du hast eventsofa bisher ohne Fremd-Finanzierungen und Kapitalgeber aufgebaut. War dies von Anfang an eine bewusste Entscheidung?
Es war eine bewusste Entscheidung nach der Lean Startup-Methode zu starten. Das heißt mit einer Minimalversion eines Location-Marktplatzes zu starten, zu lernen was funktioniert, was funktioniert nicht. Erst bei Product-Market-Fit wäre es eine Option gewesen einen VC mit ins Boot zu holen.

Was genau hat denn funktioniert und was nicht?
Die Inhalte unserer ersten Marketing-Pakete für Locations haben nicht funktioniert. Wir haben gelernt, dass Locations für Anfragen zahlen, nicht für die Anzahl Bilder oder User für Ihr Profil. Das haben wir schnell mit dem ersten Relaunch geändert. Auch Provision hat nicht funktioniert. Dagegen funktionieren Rundum-Sorglos Pakete, wo sich der Kunde um nichts kümmern muss.

Wie war der Start ohne fremdes Geld – was geht recht einfach, was ist als Bootstrapping-Start-up recht schwierig?
Das Beste ist, alles selbst zu entscheiden – ganz die eigene Linie fahren zu können. Deshalb sind schnelle Entscheidungen und Kurswechsel recht einfach. Das Schwierigste: Am Anfang alles allein zu machen, kein Geld für Personal oder externe Berater zu haben. Eine große Herausforderung beim Start ohne fremdes Geld: Immer wieder neue Wege finden, die eigenen Ziele ohne großes Budget und Personaleinsatz zu erreichen. Man schaut sich die Maßnahmen dreimal an, denn es ist das eigene Geld, das man ausgibt.

Gab es denn viele Dinge, die Du einfach nicht umsetzen konntest, weil das Geld fehlte?
Eine große Brand-Kampagne mit Plakatwerbung und Adwords-Anzeigen war nicht drin. Dagegen haben wir auf Bannertausch mit Fachmedien gesetzt und darauf, dass Kunden für uns Werbung machen.

Was rätst du anderen Gründer, die sich für Bootstrapping entscheiden?
Nach der Lean Startup-Methode mit einem MVP zu starten. Gründer eines Bootstrapping-Startups sollten mindestens ein Jahr ohne Gehalt leben können, am besten zwei Jahre. Ganz entscheidend ist der Durchhaltewille, denn es ist absolut taff. Wer nicht für sein Start-up lebt, hat keine Chance.

Wovon hast Du in der Anfangszeit gelebt?
Im ersten Jahr vom Gründungszuschuss, im zweiten von meinen Reserven. Ich hab’ den Gürtel ziemlich eng geschnallt und einige Sachen verkauft, um Geld für eventsofa zu haben.

Inzwischen zahlst Du Dir aber ein Gehalt?
Ja, das war für mich das große Ding: Der erste Arbeitsvertrag mit mir selbst und der erste Gehaltseingang von eventsofa. So was vergisst man nicht.

Gerade seid ihr in Österreich an den Start gegangen. Wie bootstrappt man denn eine Expansion?
Indem man sich eine kreative und ambitionierte Österreicherin mit Gründergeist an Bord holt, die Markt und Menschen kennt und ihre Sprache spricht. So ist eventsofa erfolgreich in Österreich gestartet.

Wo steht eventsofa in einem Jahr?
Aus Erfahrung plane ich in Halbjahresschritten. Was ich langfristig will, dass eventsofa größte Location-Plattform erst in Europa, dann weltweit wird.

Kennen Sie schon unseren #StartupTicker? Der #StartupTicker berichtet tagtäglich blitzschnell über die deutsche Start-up-Szene. Schneller geht nicht!

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.