15 Fragen an Christian Pott “Mittlerweile weiß sogar meine Oma über AI Bescheid”

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Christian Pott von Websitebutler.
“Mittlerweile weiß sogar meine Oma über AI Bescheid”

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Chef zu sein ist mir nicht wichtig. Zumal es bei uns auch nicht den einen Chef gibt. Hendrik, Malte, Philipp und ich haben Websitebutler gemeinsam gegründet. Wir sprechen also von einem Führungsteam, das unterschiedlichste Fähigkeiten vereint, sodass wir von Tag eins an sämtliche wichtigen Funktionen in der Firma abdecken konnten. Viel wichtiger als der Titel “Chef” ist mir die damit verbundene Gelegenheit, mit Websitebutler ein Tech-Unternehmen aufzubauen und die Idee zu verwirklichen, einen Markt mit einem ganz neuen Produkt zu revolutionieren. Wir sind aktuell das einzige Unternehmen, das mit künstlicher Intelligenz – Artificial Intelligence, AI – Business-Websites erstellt und so die Vorteile von Baukastensystemen mit denen von Webagenturen kombiniert. Das ist eine unglaublich spannende und herausfordernde Aufgabe, über die ich mich jeden Tag sehr freue. Natürlich gehört zu so einer Position auch eine große Menge Verantwortung. In meinen vorherigen Jobs habe ich aber schon früh gelernt, eigenverantwortlich zu handeln und war daher bestens auf diesen Schritt vorbereitet.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Philipp, den ich schon seit Schulzeiten kenne, brachte das Thema Websites ins Gespräch, als er noch bei Groupon arbeitete. Damals fiel ihm auf, dass insbesondere kleine und mittlere Unternehmen – KMU – oft keine oder nur veraltete Websites hatten. Die Gründe dafür waren nach einigen Gesprächen mit Unternehmern aus den unterschiedlichsten Branchen schnell identifiziert: Die meisten von ihnen haben nicht die Zeit, Lust und oft auch nicht das notwendige Know-how, um sich selbst um die Entwicklung und Instandhaltung einer Website zu kümmern. Gleichzeitig kann sich nicht jeder die hohen Preise guter Webagenturen leisten. Diesen Zustand bei den KMU wollten wir ändern und dabei wurde uns schnell klar, dass sich Full-Service-Webdesign nur mit herausragender Technologie und Prozessen skalieren lässt. So entstand erstmals der Gedanke, AI für die Websiteerstellung zu nutzen. Als wir Hendrik und Malte kennen lernten, wurde aus den einstigen Gedankenspielen schnell eine ausgereifte Idee. Die beiden hatten nach dem Abi eine Webdesign-Agentur und danach einen Website-Baukasten-Anbieter gegründet, da auch sie damals schon erkannt hatten, dass sich die Art, wie Websites erstellt werden, verändern muss. So kam letztlich das eine zum anderen.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Von unseren Bankkonten. Im Ernst: Wir haben Websitebutler ausschließlich mit unseren eigenen Ersparnissen gegründet. Die Idee, dass vier Jungs ihre Sparschweine knacken, um ein Unternehmen zu gründen, klingt dabei anfangs vielleicht ganz cool, ist aber vor allem eins: harte Arbeit. Denn es reicht nicht, nur Startkapital zu haben. Vielmehr muss auch immer wieder neues Geld investiert werden. Dafür haben wir vier regelmäßig Tag und Nacht gearbeitet. Erst als die Sache wirklich lief, haben wir uns zusätzliche finanzielle Mittel durch Investoren für die Weiterentwicklung unserer Technologie und den Ausbau des Geschäfts geholt. Zu diesen zählen aktuell Senovo, btov und die IBB Beteiligungsgesellschaft.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Ganz klar: Etwas nicht Skalierbares skalierbar zu machen. Das klingt zunächst paradox, aber dazu muss man wissen: Das Feld AI ist noch jung und wie in jeder jungen Disziplin sind anfängliche Gesetzmäßigkeiten nicht immer in Stein gemeißelt und können noch hinterfragt werden. Allerdings erfordert so etwas viel Zeit, Know-how und Ressourcen. Heute weiß ich gar nicht mehr, an wie vielen Wochenenden wir uns dazu im Büro eingeschlossen haben.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Ich würde gleich ein Büro anmieten, in das man reinwachsen kann – denn das spart viel Zeit und Admin-Aufwand.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Die beste Werbung ist für uns die ehrliche und ungezwungene Weiterempfehlung unserer Kunden. Wir sind der Butler für die Website und bedienen unsere Kunden Butler-like. Bislang haben wir für über 2.500 Unternehmen aus 75 Branchen Websites entwickelt und pflegen diese kontinuierlich.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Die aus meiner Sicht wichtigste Unterstützung geben wir uns im Gründerteam selbst. Philipp und ich sind seit über 15 Jahren sehr gute Freunde, genauso wie Hendrik und Malte. Gemeinsam gehen wir durch dick und dünn und keiner kennt unsere Herausforderungen so gut wie wir selbst. Allerdings möchte ich meine Oma nicht unerwähnt lassen, mit der ich regelmäßig telefoniere. Mit ihren guten Ratschlägen ist sie eine wichtige Stütze für mich – und nach den ganzen Gesprächen über Websitebutler weiß auch sie mittlerweile bestens über Internet, Websites und Künstliche Intelligenz Bescheid.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Man sollte sich immer voll und ganz auf eine Sache konzentrieren. Gerade wenn es an die Gründungsidee geht, kommen immer wieder neue Ideen hoch. Am Ende sollte man sich für eine Sache entscheiden, bei der man dann auch Vollgas gibt und sich durch nichts davon abbringen lassen. Zudem sollte man sich die richtigen Partner suchen – genauso auf Seiten der Investoren und Kooperationspartner wie im Gründerteam selbst.

Sie treffen die Bundeswirtschaftsministerin – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Weniger administrative Hürden und Bürokratie. Das gilt insbesondere für Tech-Unternehmen, da gerade sie für die Zukunft stehen. Um Deutschland als Wirtschaftsstandort zu stärken, müssen solche Unternehmen ihre Geschäftsidee schnell und einfach auf den Markt bringen können. Verglichen mit anderen Ländern gibt es bei uns beispielsweise noch sehr wenig Unternehmen mit dem Fokus auf AI. Gerade hier wäre mit der richtigen Förderung viel mehr möglich.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
In meinem Fall geht es eher darum, was ich gemacht hätte, wenn es nicht dieses Start-up geworden wäre. Die Selbstständigkeit hat mich schon immer gereizt. Entsprechend wäre es dann ein anderes Unternehmen geworden, denn an guten Ideen mangelt es nicht.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Primär kümmere ich mich um unsere eigene Firma, damit wir dort das Maximum erreichen. Das soll aber nicht heißen, dass ich mich nicht regelmäßig mit anderen Gründern austausche. Man inspiriert sich gegenseitig, lernt immer etwas Neues und schöpft auch Energie dadurch. Spannend finde ich z.B. Gespräche über Systeme, Prozesse und manche KPI.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Mich würden mehrere Epochen reizen. Doch zuerst würde es in die Zukunft gehen. Hier würde ich mir ein paar gute Ideen holen, um das Thema Künstliche Intelligenz noch stärker und schneller voranzutreiben.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Als Erstes würde ich meine Familie und meine engsten Freunde jeweils zu einem ausgiebigen Urlaub einladen. Danach müsste ich wohl erst einmal gut nachdenken, was ich mit dem übrigen Geld mache, denn ich habe weitreichende Interessen.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Gerne mit meiner Familie und mit meinen Freunden. Allerdings bin ich nicht der Typ, der lange ruhig sitzen kann. Ich muss immer etwas tun, zum Beispiel etwas Handwerkliches.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit dem Entwicklerteam, das IBMs AI Watson programmiert hat.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
Christian Pott ist einer der vier Gründer von Websitebutler. Er studierte Betriebswirtschaftslehre an der EBS in Oestrich-Winkel, an der Bocconi in Mailand und der ESCP Europe in London und Berlin. Vor der Gründung von Websitebutler arbeitete er mehrere Jahre als Berater für McKinsey und im Investmentbanking bei Morgan Stanley in London.

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.