15 Fragen an Andreas Roettl “Alternativ hätte ich mich als Koch in der Küche versucht”

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Andreas Roettl von journi.
“Alternativ hätte ich mich als Koch in der Küche versucht”

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Da spielen viele Aspekte mit rein. Erstens: Eine gewisse Freiheit in Entscheidungen, Festlegen von Zielen, Strategie und in der Umsetzung der Arbeit selbst. Zweitens: Das hängt, dann auch stark mit Verantwortung und Führung zusammen. Ich bin ein Mensch der gerne Verantwortung übernimmt und andere führt. Drittens: Zu wissen, dass man für etwas arbeitet, für das man brennt. Die eigene Idee umsetzen und zu wissen, dass man ein Problem löst und anderen hilft. Viertens: Und am Ende zu sehen für was man eigentlich arbeitet in dem man das Feedback der Kunden zurückbekommt und Umsätze generiert.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Journi entstand eigentlich über eine andere Idee, die nicht so recht funktionieren wollte. Wir haben dann viel mit unseren Anwendern gesprochen und schnell herausgefunden, dass es eigentlich noch ein größeres Problem gibt, dass wir adressieren könnten. Nämlich, dass die Anwender so schnell und einfach wie Möglich ganze Reise-Erlebnisse als Geschichte festhalten und teilen können aber gleichzeitig in der Lage sind den Moment zu genießen. Nicht viel haben heute Zeit für einen ausführlichen Blog oder ein Fotobuch. Mit journi bieten wir hier wieder einen einfachen Zugang für jedermann. Ist, glaube ich, ein Klassiker: Erste Idee in den Sand gesetzt und beim zweiten, dritten Mal funktioniert’s.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Wir waren lange Zeit bootstrapped, also selbstfinanziert und haben uns auch über andere Projekte und Jobs finanziert. Journi ist aber Gott sei Dank von selbst stark gewachsen und hat uns dadurch wieder die Tore zu Investoren geöffnet. Schließlich konnten wir einen hohen sechstelligen Betrag für die Weiterentwicklung sicherstellen und mit Hansi Hansmann einen der erfolgreichsten Business Angel in Europa, mit Katharina Klausberger und Armin Strbac, die Gründer einer der erfolgreichsten mobile Apps made in Austria und mit startup300 eines der besten Netzwerke für Early Stage Startups als Partner gewinnen.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Da gibt es ehrlicherweise einige. Aber wenn ich den größten raussuchen müsste, dann führt die Geschichte wieder zum Geld. Gerade ein Startup im B2C Bereich hat es nicht leicht in Europa. Vor allem Investoren sind bei uns sehr skeptisch. Deshalb muss man viel Ausdauer mitbringen und überleben. Niemand kauft die Katze im Sack. Man muss mit seiner Traction klar zeigen, dass man etwas weiter bringt.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Es laufen natürlich viele Dinge falsch, aber daraus lernt man ja auch und manchmal öffnen sich auch neue Türen. Deshalb würde ich jetzt nicht großartig etwas anders machen, denn man Ende sollte man nicht zu viel über vergossene Milch sprechen sondern sich auf die Zukunft orientieren. Das Wichtigste ist schnelle Entscheidungen zu treffen und einfach zu machen. Vieles in unserem Business ist eben einfach Best Guess und dann Trial and Error. Bei Goolge gibt es dazu einen eigenen Wert: “Don’t ask why but why not?” und wenn mal was schiefgehen sollte “Ask for forgiveness not for permission.”

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Unsere wichtigste Growth Engine ist journi selbst. Die App ist so aufgebaut, dass die Anwender ihre “journis” also ihre Erlebnisse festhalten und dann weitere Anwender sehr einfach über ihre Kontakte, Facebook, WhatsApp, SMS, Email oder einfach per Link dazu einladen, um ihren journis zu folgen. Wenn ein Anwender ein journi erstellt und mindestens fünf Momente festhält, lädt er mindestens drei weitere Personen ein. Das ist unser “Magic Moment”.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Katharina und Armin von Shpock aber auch Andreas Klinger von producthunt kannten uns schon von Anfang an und haben uns immer wieder als Mentoren zur Seite gestanden und uns wertvolle Inputs gegeben.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Anpacken und machen und viel Ausdauer mitbringen, dass ist alles andere als ein Zuckerschlecken.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
So lange wir in der EU sind, dass wir Österreicher die gleichen Vorteile haben. Wenn ich den Österreichischen Wirtschaftsminister treffe, dann würde ich ihm sagen, dass wir endlich auf einem guten Weg sind, aber man weiter wie in einem Startup hart daran arbeiten muss, die Bedingungen für Startups vor allem in den Anfangsjahren zu verbessern.

Ein großer Wunsch wäre den Zugang für Spitzenarbeitskräfte aus Nicht-EU-Ländern weiter zu erleichtern und für die Gründung selbst einen One-Stop-Shop (natürlich online) zu haben wie das glaube ich in Lettland der Fall ist.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Wahrscheinlich in einem Technologie Konzern Karriere gemacht oder, wenn das zu langweilig geworden wäre, hätte ich mich gerne mal in der Küche versucht. Aber Chef-Koch und sein eigenes Restaurant zu haben geht doch schon wieder in die Startup Richtung nicht wahr?

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Das ist leicht, Dubsmash. Würde mir gerne mal die Metrics von den Jungs ansehen und was ihnen beim Wachstum am meisten geholfen hat.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
In welcher Zeit spielt Star Wars? Ist leider Vergangenheit in einer weit entfernten Galaxie wenn man dem Intro glauben darf. Ich würde sagen in die Zukunft so etwa 300 Jahre voraus. Würde mich interessieren wie weit es die Menschheit gebracht hat in Sachen Umwelt und Technologie.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Wenn ich sie jetzt bekomme würde ich natürlich einen Großteil in journi investieren. Wenn nach journi, dann wohl auch in ein Startup oder Projekt. In Immobilien zu investieren wäre ja fad und hilft obendrein nicht der Wirtschaft.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Mit meiner Frau in der Natur. Am besten am Berg.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Wenn Steve Jobs noch leben würde, dann wär’s wohl er. Jetzt würde ich Ben Horowitz (großer Fan von The hardard thing about hard things, ein MUST-Buch für jeden Startup-Gründer) oder Brian Chesky (Airbnb ist in vielen Dingen ein Rolemodel für uns) wählen.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
Röttl Andreas studierte Informatik und Betriebswirtschaft in Wien und St.Gallen und sammelte rste Startup Erfahrung als Co-Founder von Pioneers. Er ist Co-Founder von journi.

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.