#5um5 “Man kann mit minimalem IT-Admin-Aufwand gründen”

"Wenn man noch ganz am Anfang steht, ist es am wichtigsten, ein MVP zu bauen, um schnell zu zeigen, dass die Idee funktioniert, und einen groben Business Case gerechnet zu haben, um zu zeigen, dass daraus ein profitables Business werden kann", sagt Christine Kiefer von Pair Finance.
“Man kann mit minimalem IT-Admin-Aufwand gründen”

Unsere Rubrik “5 um 5” liefert jeden Tag um Punkt 5 Uhr insgesamt – wer hätte das gedacht – 5 wissenswerte Fakten, bahnbrechende Tipps oder hanebüchene Anekdoten rund um ein startupaffines Thema. Heute geht es um: 5 Fragen an Christine Kiefer, die den digitalen Inkassoanbieter Pair Finance gründete.

Wie sieht Ihr ganz normaler Start-up-Arbeitsalltag aus – von früh bis spät?
Ich stehe um 6:45 auf, mache Yoga und plane den Tag. Von 8 bis 10 habe ich meist Calls, treffe meinen Coach oder habe ein Business-Frühstück. Von 10 bis 18 Uhr arbeite ich mit dem Team – als alleinige Gründerin muss ich in allen Themen von Tech, Product, Ops, Accounting, Sales, bis hin zu Marketing und PR tief drin sein. Gerade am Anfang finde ich es sehr wichtig, dass man viele Dinge mit dem ganzen Team erarbeitet, damit alle die Grundlagen für unser Businessmodell, das sehr rechtslastig ist, kennen, und damit alle in grundlegenden Entscheidungen involviert sind. Von 18 bis 20 Uhr mache ich wieder Sport oder treffe Freunde zum Abendessen. Danach steht meist ein Event an oder ich nutze den Abend, um meine eigenen Aufgaben und E-Mails abzuarbeiten, da mir tagsüber dafür kaum Zeit bleibt.

Welche Tools, welche Apps, welche Software erleichtern Ihnen den Arbeitsalltag?
Bei uns ist alles cloudbasiert, wir nutzen AWS für unsere Tech – Infrastruktur. Das ist ein wesentlicher Fortschritt gegenüber früher, als ich noch Loadbalancer auf die Agenda setzen musste oder selbst überlegen musste, ob wir mehr Maschinen zu unserer Compute Farm hinzuschalten müssen. Für die Kommunikation innerhalb des Teams nutzen wir Slack. Ich finde es super, wie Cloud Services die Welt verändert haben. Heutzutage kann man sehr gut mit minimalem Kapital- und IT-Admin-Aufwand gründen.

Was hätten Sie gerne vor der Gründung gewusst?
Da ich vor der Gründung von Pair Finance bereits Geschäftsführerin von BillPay war, einem Startup für online-Bezahlmethoden, wusste ich in etwa, was auf mich zukommt, da ich den Start-up-Alltag kannte. Oder zumindest das Gefühl hatte, ihn zu kennen! Gegründet hatte ich BillPay nämlich nicht, sondern habe ca 2 Jahre nach der Gründung als zweite Geschäftsführerin angefangen. Nach BillPay wollte ich selbst gründen, hatte mir allerdings nicht ausgemalt, dass die Anfangszeit so bunt und vielfältig ist. Es ist etwas ganz anderes, eine Aufgabe in einem Startup zu übernehmen, wo das Geschäftsmodell schon steht, als von Null auf zu gründen.

Was war der lehrreichste bzw. der beste Fehler, den Sie gemacht haben?
Der lehrreichste, aber keinesfalls der beste Fehler, war, Mitarbeiter, von denen ich eigentlich nicht überzeugt war, zu lange zu halten. Da muss man radikal sein.

Wie wichtig und bindend ist ein Businessplan?
Wenn man noch ganz am Anfang steht, ist es am wichtigsten, ein MVP zu bauen, um schnell zu zeigen, dass die Idee funktioniert, und einen groben Business Case gerechnet zu haben, um zu zeigen, dass daraus ein profitables Business werden kann. Da finde ich einen detaillierten 5-Jahre Plan noch nicht so wichtig. In dieser Phase kann es ja sein, dass das Geschäftsmodell noch angepasst werden muss. Sobald das Modell und die Strategie klar sind und erste Erfahrungen gesammelt wurden, muss ein Businessplan her, und dieser sollte dann auch von allen Mitarbeitern mitgetragen werden. Bei Pair Finance entscheiden wir gemeinsam über unsere Jahresziele.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.