15 Fragen an Anna Banicevic von Zizoo “Ich habe eine Leidenschaft für das Segeln”

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Anna Banicevic von Zizoo.
“Ich habe eine Leidenschaft für das Segeln”

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Für mich bedeutet es, niemals zufrieden mit dem Status Quo zu sein und immer zu versuchen, die Dinge noch etwas besser zu machen. Es bedeutet auch, harte Entscheidungen zu treffen und mit Kritik umgehen zu müssen. Was mir gefällt ist, dass es niemals oberflächlich wird: Harte Arbeit macht sich immer bezahlt und sich über die Arbeit Gedanken zu machen bringt einen immer weiter. Am meisten gefällt mir aber, Menschen einen Arbeitsplatz zu geben, an dem sie gerne arbeiten.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Ich habe 7 Jahre für Google im Sales und Digital Marketing Team gearbeitet und hatte in dieser Zeit viel Kontakt zu Reiseunternehmen, wie z.B. booking.com. Dabei ist mir aufgefallen, dass niemand Bootsvermittlung im großen Stil macht. Stichwort Digitalisierung: Das Potential der Branche ist enorm, aber nur ein extrem kleiner Teil der Boote, die gemietet werden können, ist digitalisiert. Und da ich seit meiner Jugend eine Leidenschaft für das Segeln habe, kam ich auf die Idee, eine Plattform zu gründen, mit der es ganz einfach ist, einen Urlaub auf dem Boot zu planen.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Wir haben mit unserer Idee für Zizoo erfolgreich am Axel Springer Plug & Play Accelerator teilgenommen. Das Kapital stammte einerseits davon, andererseits von verschiedenen Angel Investoren, die auf uns aufmerksam geworden sind.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Probleme gibt es immer, aber das macht auch den Reiz aus. Gerade am Anfang muss man das Team motivieren, ohne in dieser Phase besonders viel anzubieten zu haben. Das war besonders schwierig für die Mitgründer, die aus dem technischen Bereich kamen und parallel an anderen Projekten gearbeitet haben. Irgendwann musste für alle klar sein: Von jetzt an heißt es für alle 100% Zizoo. Und das hat geklappt.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Das eine oder andere würde ich mit Sicherheit anders angehen. Grundsätzlich bin ich aber zufrieden mit der Entwicklung von Zizoo. Die aktuelle Finanzierungsrunde bestätigt mich darin.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Ich selbst habe durch meine Arbeit für Google viel Erfahrung mit Digital Marketing und werde in diesem Bereich jetzt von einem großartigen Team unterstützt. Search Engine Marketing ist für uns gerade die zentrale Marketing-Strategie. Da wir mittlerweile aber auch mehr und mehr Segeleinsteiger ansprechen wollen, werden andere Kanäle ebenfalls wichtig. Wir arbeiten daran, eine starke digitale Community aufzubauen und gleichzeitig auf allen Ebenen präsent zu sein. Konkret bedeutet das: SEO, SEM und eine ständige Präsenz in den sozialen Netzwerken.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Es ist schwierig, hier eine einzelne Person zu nennen, weil so viele Menschen uns auf dem Weg unterstützt und inspiriert haben. Der Accelerator von Axel Springer Plug & Play war für uns in diesem Zusammenhang auf jeden Fall sehr wichtig. Wir hatten dadurch Zugang zu einem breiten Netzwerk an Kontakten. Außerdem hatten wir das Glück, dass alle unsere Investoren uns sehr aktiv unterstützt haben. Sie haben uns verschiedene Türen geöffnet, aber auch immer wieder strategische Ratschläge gegeben.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Es ist sehr wichtig, sich mit den aktuellen und künftigen Entwicklungen in den jeweiligen Branchen auseinanderzusetzen. Technologische Neuerungen und gesetzliche Bestimmungen müssen auch berücksichtigt werden, denn diese können sowohl das Ende bedeuten, als auch neue Möglichkeiten eröffnen. Zu wissen, wie eine gute Geschäftsidee in der realen Welt funktionieren kann, heißt auch zu wissen, an wen man sich zur Unterstützung wenden kann.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Ganz allgemein würde ich mir von ihm wünschen, dass er sich stark dafür macht, Flüchtlingen Zugang zu Arbeitsplätzen zu verschaffen. Das hat mit dem Gründungsstandort nur am Rande zu tun. Gut wäre es aber trotzdem.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Wahrscheinlich hätte ich Restaurants in meinen Lieblingsstädten eröffnet. Kochen ist meine zweite große Leidenschaft. Nichts allzu Innovatives: Ein Seafood-Diner mit Austern, Ceviche und gutem Wein, aber natürlich auch Margheritas und Bloody Marys auf der Karte. Es gäbe auch einen Raucherbereich für hitzige Geschäftsdebatten.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Ich bin ein großer Fan von Getyourguide. Ich glaube, dort würde ich am liebsten einmal hinter die Kulissen schauen.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Am liebsten würde ich eine kleine Tour machen. Mit Kolumbus zusammen nach Amerika segeln stelle ich mir aufregend vor. Und danach würde ich einen Abstecher ins 20. Jahrhundert machen, um mit Jacques Cousteau, dem wir übrigens den Namen unseres Start-Ups verdanken, das Leben unter dem Meer zu erforschen.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Ich würde es darin investieren, Wege zu finden, das Leben für ältere Menschen angenehmer zu machen. Für mich ist das eine der großen Herausforderungen unserer Zeit und ich bin davon überzeugt, dass das letzte Viertel des Lebens genauso schön oder noch schöner sein sollte wie der Rest. Einen kleinen Teil würde ich nehmen und meine Eltern auf eine Weltreise schicken. Wenn ich Zeit habe, würde ich auch mitkommen.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Ich gehe am Fluss joggen, lese etwas Proust, koche dann für meine engsten Freunde und quatsche mit ihnen bis in den Nachmittag hinein. Das kann man übrigens prima auch auf einem Segelboot machen – bis auf das Joggen natürlich.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit Goethe. Wir könnten über Politik, Literatur oder Wissenschaft diskutieren. Und er könnte mir erklären, wie er es geschafft hat, so viel in so verschiedenen Bereichen zu erreichen. Vielleicht würde ich ihn auch fragen, mir eine seiner Balladen vorzulesen, z.B. den Fischer.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
Anna Banicevic ist CEO von Zizoo. Die Online-Plattform für Bootsverleih gründete sie 2014 gemeinsam mit Sinan Masovic, Ivan Maletic und Benito Gonzales del Valle. Davor arbeitete sie für Google im Bereich Sales und Digital Marketing. Die gebürtige Wienerin hat einen Abschluss in European Politics an der University of Leeds.

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.

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