15 Fragen an Peter Chaljawski Chal-Tec – “Immer aus eigener Kraft gewachsen”

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Peter Chaljawski von Chal-Tec.
Chal-Tec – “Immer aus eigener Kraft gewachsen”

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Dinge aufzubauen und zu bewegen hat mich schon immer begeistert. Zudem liebe ich seit jeher die Freiheit und Unabhängigkeit, die für mich mit der Selbstständigkeit einhergeht. Gerade in den frühen Phasen meiner Selbstständigkeit hat mich das gereizt. Heute bedeutet es für mich im besten Sinne vor allem Verantwortung für mich und meine mittlerweile 300 Mitarbeiter zu tragen.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Ich bin sehr musikaffin aufgewachsen, habe schon als Kind einige Instrumente gespielt und mich dann sehr für elektronische Musik und das DJing interessiert.
Es hat mich sehr geärgert, dass so eine hohe finanzielle Hürde bestand um sich in diesem Bereich auszuprobieren. Gerade jungen Menschen geht es ja in vielen Bereichen so. Also habe ich geschaut, ob ich nicht eigene Produkte in geeigneter Qualität, aber zu einem fairen Preis fertigen kann. Dieses Grundprinzip ist bis heute prägend für alle unsere Marken.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Chal-Tec ist seit der Gründung 2005 profitabel und wir sind immer aus eigener Kraft gewachsen, etwas durchaus Ungewöhnliches im E-Commerce. Im letzten Jahr haben wir uns dann aber dazu entschieden, einen Investor mit an Bord zu holen. Mit Ardian haben wir den für uns optimalen Partner gefunden, um Wachstum und Internationalisierung auf ein noch höheres Level zu heben. Eine bedeutende Marktposition in Kombination mit sehr hoher Geschwindigkeit und Flexibilität wird langfristig einer der wichtigsten Faktoren sein, um im zunehmenden Wettbewerb im Online-Handel zu bestehen.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Den größten Stolperstein habe ich mir selbst gelegt: Wir hätten früher mehr Fokus auf den Kundenservice legen müssen. Heute ist das eine unserer Stärken: Mit den Kunden online und am Telefon im Dialog sein und so gleichzeitig das Feedback konstruktiv für die Produktentwicklung zu nutzen.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Bis heute befinde ich mich jeden Tag in einem enormen Lernprozess, der bei Stunde null begann. Rückblickend kann man immer sagen: Dieses und jenes hätte besser gelingen können. Aber oftmals wussten wir es nicht besser und gerade in unserem Geschäftsbereich gab es vor 10 Jahren wenige Online-Benchmarks, an denen wir uns orientieren konnten.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Wir sind ein onlinegetriebenes Unternehmen und wollen gar nicht anders denken als „Online First“. Inhouse bilden wir mittlerweile die gesamte Klaviatur des Onlinemarketings und Onlinebrandings ab, um so für unsere Marken und Produkte die optimalen Surroundings zu schaffen. Mit Klarstein beispielsweisearbeiten wir auch mit klassischen markenbildenden Maßnahmen wie Testimonials und TV.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Die größte Unterstützung habe ich ab dem ersten Tag und bis heute durch meine Familie erfahren, welche mich in meinen Entscheidungen stets unterstützt hat.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Fokussiere Dich auf Dein Produkt. Begreife Kundenfeedback als Chance zur Entwicklung und nicht als Bedrohung. Und bleib dran. Es wird genug Rückschläge geben. Der Erfolg kommt, wenn man hartnäckig bleibt und Leidenschaft hat. Sehr hilfreich ist, wenn man einen Mentor findet, der mit Know-How und seinem Netzwerk unter die Arme greift.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Gerade im E-Commerce herrscht ein enormer Fachkräftemangel, und besonders für Berufsgruppen aus dem IT-Bereich würden weniger bürokratische Hürden bei der Einstellung und Einreise viel für den Wirtschaftsstandort Deutschland bewirken.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Da fehlt mir leider die Fantasie. Ich liebe was ich tue. Es gab für mich keine andere Option.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Es gibt mittlerweile so viele spannende Start-ups in Berlin, das nicht umsonst das Silicon Valley Europas genannt wird. Mit den meisten mich interessierenden Playern aus der Branche bin allerdings heute schon gut vernetzt, so dass ich auch einfach zu Besuch kommen kann.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Ich würde tatsächlich gar nicht so weit in die Vergangenheit reisen wollen: 1989, als das Internet begann, wäre ich gerne dabei gewesen als die ersten und so revolutionären Schritte gemacht wurden.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Investieren in spannende Unternehmen.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Meine Sonntage verbringe ich am liebsten mit Familie und Freunden. Vor allem in der Natur kann ich super abschalten und nach einer ereignisreichen Woche runterfahren. Das muss dann auch nichts spektakuläres sein und Berlin hat da mit seinen zahlreichen Wäldern und Seen in nächster Umgebung viel zu bieten.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Jeff Bezos.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
Peter Chaljawski gründete bereits kurz nach dem Abitur seine erste Firma. 2005 gründete er Chal-Tec mit Sitz in Berlin. Das Unternehmen ist führend bei der Entwicklung und dem Vertrieb von Online-Marken für die Bereiche Home & Living, Consumer Electronics und Sound & Light. Derzeit vertreibt Chal-Tec zwölf Marken in 18 europäischen Ländern.

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.