15 Fragen an Maximilian Tayenthal Number26 und “Angels, die historische Opportunity” sahen

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Maximilian Tayenthal von Number26.
Number26 und “Angels, die historische Opportunity” sahen

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Als Gründer arbeite ich daran, ein Problem zu lösen, das mich selbst bewegt. Mich begeistert es, dass wir es geschafft haben, mit den großen europäischen Banken in deren Kerngeschäftsbereich in Konkurrenz zu treten und ihnen dort großen Druck zu machen. Das eigene Team mit hervorragenden Mitarbeitern aufbauen zu können, die zu 100% an einem Strang ziehen, bedeutet mir auch sehr viel.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Valentin, mein Co-Founder, und ich hatten beide in Industrien gearbeitet, die den digitalen Wandel ziemlich verschlafen hatten – vor allem im Bereich Financial Services. Es war uns klar, dass das ein Markt großer Opportunities ist, in dem ein Start-up viel verändern kann. Wir hatten zunächst die Idee, einer MasterCard für Teenager und haben diese dann weiterentwickelt.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Wir haben Number26 bereits 2013 gegründet, bevor die Welle von FinTechs in Deutschland begann. Das Thema war auch bei Business Angels nicht groß geschrieben, da viele Angst vor regulatorischer Komplexität und Kapitalintensität hatten. Unsere ersten Kapitalgeber waren allesamt Business Angels aus dem Payment- und Banking-Bereich, die die historische Opportunity verstanden, hier einen Bereich als erstes Start-up zu besetzen. In der Seed und der Series A-Runde haben dann Axel Springer Plug & Play, Redalpine, Earlybird und Valar Ventures investiert. Wir finden es spannend, sowohl die europäischen Investment-Ansätze als auch die amerikanische Investoren-Mentalität im direkten Vergleich zu erleben.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Die größte Hürde für ein FinTech ist das ‚Henne-Ei-Problem’, wenn es um Traction geht. Um in Europa Risikokapital einzusammeln, benötigt man Traction. Aber vor allem im FinTech-Bereich benötigt man Kapital, um Traction zu bekommen.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Ich würde früher launchen. Grundsätzlich stimme ich Reid Hoffmann zu: Wer sich für seinen ersten Release später nicht schämt, der hat zu spät gelaunched. Obwohl sich gerade im FinTech-Bereich die Kunden selbstverständlich ein perfekt getestetes und sicheres Produkt erwarten dürfen.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Für uns sind die Testimonials unserer Kunden und die Viralität unseres Produktes am Wichtigsten – auf alles andere könnten wir notfalls verzichten. Wir haben nur einen Bruchteil des Marketing Budgets deutscher Banken , daher sind wir darauf angewiesen, dass die Customer Acquisition Costs ebenfalls nur einen Bruchteil betragen.

Für das Vertrauen und die Akquise neuer Kunden ist es heute viel wichtiger, dass unsere Kunden von unserem Produkt begeistert sind, dieses weiter empfehlen, darüber twittern und über soziale Medien teilen und uns erstklassige Ratings in den App Stores geben als traditionelles Online und Offline Marketing.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Unser allererster Business Angels, Stefan Klestil, heute Partner beim österreichischen Fonds Speedinvest, hat uns von Anfang an stark unterstützt. Er ist einer der führenden Experten im Bereich Payment in Europa, ist uns fachlich immer als kritischer Diskussionspartner zur Verfügung gestanden und hat die erste Finanzierungsrunde zusammengestellt.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Das Produkt so schnell wie möglich auf den Markt bringen, um direkt Kundenfeedback zu haben und unbedingt auch als Founder direkt mit Kunden sprechen. Das sind die wertvollsten Rückmeldungen, die man bekommen kann. Und es ist wichtig, dass man den Kundennutzen in den Mittelpunkt stellt und Produkte und Features immer dementsprechend priorisiert.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
(Weitere) steuerliche Begünstigungen für Business Angels hier in Deutschland. Es gibt einen massiven Capital Crunch und mehr gute Ideen, die eine Chance verdient haben, als frühes Funding.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Ich würde endlich fertig promovieren und dann sofort wieder gründen.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Soundcloud – die haben ein sehr schönes b-to-c Produkt, das ich selbst auch viel nutze. Und sie haben hier in Berlin in meiner Wahrnehmung ein gutes Employer Branding geschaffen.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Erst an Silvester habe ich mit einem Freund gewettet, ob es in 20 Jahren noch Banken gibt, wie wir sie heute kennen. Ich würde also 20 Jahre in die Zukunft reisen, um das zu prüfen.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Ich würde Business Angel werden und so das Berliner Start-up Ökosystem fördern.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Am liebsten in den Bergen abseits der Piste auf Skiern.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Elon Musk – dem großen Visionär, von dem ich glaube, dass er mit seinen Start-ups nicht noch reicher werden sondern die Welt zu einem besseren Platz machen möchte.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
Maximilian Tayenthal studierte in Wien und Rotterdam Betriebswirtschaft und Jura, ehe zunächst bei Booz & Company und CMS Reich Rohrwig Hainz Rechtsanwälte tätig wurde. Er gründete das FinTech Number26 vor drei Jahren, 2013.

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.

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