Gastbeitrag von Thomas Fürst Kreditantrag 2.0: Medienbruchfrei und kundenfreundlich

Jedem Kreditantrag liegen eine Reihe an Prüfungsmechanismen zu Grunde, die den Prozess als Ganzes in die Länge ziehen. Der Schritt in Richtung Onlinebanking und Online-Kreditantrag stimmte. Aber FinTech bietet nun die Möglichkeit, das Kreditverfahren deutlich schneller und bequemer zu gestalten.
Kreditantrag 2.0: Medienbruchfrei und kundenfreundlich

Knapp 20.000 Kreditanträge werden täglich in Deutschland neu aufgenommen. Das sind etwa 14 Kredite pro Minute, wie der SCHUFA Kredit-Kompass 2015 zeigt. Mit dem herkömmlichen Postidentverfahren dauerte es oftmals mehrere Wochen, bis der Kreditantrag geprüft und das Geld dem Kreditnehmer zur Verfügung gestellt werden kann. FinTech bietet jedoch nun die Möglichkeit, das Kreditverfahren deutlich schneller und bequemer zu gestalten. Komplett online.

Jedem Kreditantrag liegen eine Reihe an Prüfungsmechanismen zu Grunde, die den Prozess als Ganzes in die Länge ziehen. Besonders bei Kleinkrediten bis 10.000 Euro ist eine schnelle Verfügbarkeit des Geldes für den Verbraucher entscheidend, z.B. für Sofortanschaffungen, wenn beispielsweise das Auto oder Handy kaputt gegangen ist. Der Schritt in Richtung Onlinebanking und Online-Kreditantrag seitens der Banken war schon eine bedeutende Entwicklung, doch es geht noch mehr. Denn bislang stand für den Antragsteller am Ende eines jeden Antrags der Weg zur Post oder in die Filiale – für Unterschrift, Identifizierung mit Ausweis oder beides. An dieser Stelle setzen FinTechs an und ermöglichen dem Kunden einen komplett digitalen Kreditantrag, ohne dass er dafür das Sofa verlassen muss.

In wenigen Schritten zum Kredit

Den Anfang machen hier die Banken oder Kreditportale, welche bei Kleinkrediten dem Kunden zunehmend eine Onlinebeantragung ermöglichen. Dafür benötigt der Kreditnehmer lediglich einen Computer, ein Tablet oder sein Smartphone, auf dem eine Telefonie-Software installiert ist. Über ein Online-Formular übermittelt er zunächst seine Daten, wie Name, Geburtsdatum und –ort, Staatsangehörigkeit, Adresse, Telefonnummer und Mailadresse. Diese Daten werden dann mit Informationen der offiziellen Melderegister abgeglichen und bei Übereinstimmung eine Vorgangsnummer vergeben.

Im Anschluss erfolgt die Identifikation über ein Video-Telefonat. Dafür hält der Antragssteller sein Ausweisdokument von beiden Seiten vor die Kamera seines Endgerätes. Um die Echtheit sicherzustellen, wird zum einen die Übereinstimmung mit dem Gesicht anhand kriminalpsychologischer Aspekte festgestellt. Zum anderen kann das Hologramm auf dem Ausweis durch Kippen des Dokuments vor der Kamera geprüft werden. Außerdem muss die Seriennummer des Ausweises vorgelesen werden. Nach der Prüfung aller Daten erhält der Kunde eine sechsstellige TAN-Nummer per SMS oder E-Mail.

Durch die Eingabe dieser Transaktionsnummer kann der Antragssteller den Vorgang der Legitimationsprüfung abschließen. Der gesamte Vorgang dauert etwa fünf Minuten. Die geprüften Daten werden automatisch an das jeweilige Finanzinstitut übermittelt, welches dann sofort auf dieser Basis weiterarbeiten kann.

Nach der Identitätsprüfung folgt eine Bonitätsprüfung des Antragsstellers. Hierfür gibt es entsprechende Technologien, die einen Blick auf das Online-Banking des Antragsstellers werfen und auf dieser Basis in Echtzeit und medienbruchfrei einen Bonitätsnachweis erstellen können.
Am Ende muss der Kunde lediglich noch das finale Antragsdokument signieren, was mit einer entsprechenden E-Signatur auch online möglich ist. Der Kreditnehmer muss dann nur noch das Dokument übermitteln und auf sein Geld warten, welches dank dem digitalen Verfahren innerhalb weniger Tage auf dem Konto sein kann.

Absichert durch Regulierung

Die einzelnen Schritte des digitalen Verfahrens sind von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht geregelt. Auch, wer die Überprüfung vornehmen darf: „Entsprechend geschulte und hierfür ausgebildete Mitarbeiter”, die sich in „abgetrennten und mit einer Zugangskontrolle ausgestatteten Räumlichkeiten befinden”. Das Bundesministerium der Finanzen hat eine Auslegung zum Geltungsbereich der erhöhten Sorgfaltspflichten in Fällen einer Fernidentifizierung gemäß § 6 Abs. 2 Nr. 2 GwG vorgenommen. Die bisherige Bedingung, dass eine Legitimationsprüfung durch eine „persönliche Anwesenheit“ des Antragstellers erfolgen muss, wurde zugunsten von neuen und durchaus sicheren Technologien angepasst. Seit März 2014 ist die Online-Identifikation durch Video-Telefonie möglich.

Keine Angst vor Datenmissbrauch

Um die Daten der Kreditnehmer bestmöglich vor Missbrauch zu schützen, stehen den Anbietern verschiedene Methoden zur Verfügung. Das geringstmögliche Risiko besteht, wenn die Daten während dem gesamten Prozess ausschließlich verschlüsselt behandelt und abgelegt werden. Es wurden spezielle Blockverschlüsselungssysteme entwickelt, hinter denen ein ganz spezieller Entschlüsselungsmechanismus liegt, welcher notariell beglaubigt ist. Nur mit diesem Schlüssel ist es möglich, die Daten zu lesen. Technisch gesehen entsprich dies dem momentan höchstmöglichen Sicherheitsstandart. Darüber hinaus empfiehlt es sich, die Daten nur innerhalb Deutschlands zu transferieren, um die Wahrscheinlichkeit eines Missbrauchs durch das Ausland zu minimieren.

Mehrwert für Kunden und Anbieter

Das gesamte Verfahren ist für den Kunden genauso wie das Postidentverfahren kostenlos. Das digitale Verfahren hingegen bietet dem Nutzer jedoch praktischen Mehrwert. Zum einen ist der Prozess deutlich verkürzt und ermöglicht eine deutlich schnellere Bereitstellung des Geldes. Zum anderen spart sich der Kreditnehmer den Weg zur Post, unnötige Wartezeiten und kann unabhängig von Öffnungszeiten agieren, da das digitale Verfahren das ganze Jahr über zu jeder Uhrzeit verfügbar ist.

Für den Kreditgeber hat das digitale Verfahren vor allem einen positiven Effekt: Die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde tatsächlich einen Kredit aufnimmt und sich nicht nur informiert, ist aufgrund der Einfachheit und Ganzheitlichkeit des Prozesses deutlich höher. Ein Nebeneffekt einer höheren Abschlussrate ist zusätzlich, dass der Kreditgeber weniger Ausgaben für Kreditinteressenten hat, welche sich dann schlussendlich doch gegen einen Kredit bei ihm entscheiden.

Das digitale Verfahren bekommt nochmal eine besondere Bedeutung in Hinblick auf die Zielgruppe, welche sich laut dem SCHUFA Kredit-Kompass 2015 vor allem für Kleinkredite bis 10.000 Euro interessiert: die 18- bis 34-Jährigen. Diese sogenannten Digital Natives suchen – wie der Name schon vermuten lässt – gezielt nach digitalen Lösungen für ihren Alltag. Herkömmliche Offline-Verfahren schrecken diese Generation ab und führen dazu, dass Anbieter sie als Zielgruppe verlieren. Die Entwicklung entsprechender Online-Lösungen wie der digitale Kreditantrag können diesem jedoch entgegenwirken.

Fazit:
Unsere zunehmend digitalisierte Gesellschaft lässt erwarten, dass das Interesse seitens der Verbraucher an digitalen Lösungen für den Alltag weiter zunehmen wird. Dieses Bedürfnis in Kombination mit den Vorteilen, welche sich für die Kreditgeber bei einem komplett digitalen Verfahren bieten, dürften dafür sorgen, dass sich das Verfahren eines komplett digitalen Kreditantrags weiter etabliert. Die Technologien, die hinter diesem Prozess stecken, bieten jedoch gleichzeitig das Potenzial, auch andere alltägliche Vorgänge, bei denen eine Identifikationsprüfung notwendig ist – wie beim Carsharing, Kontoeröffnungen oder Online-Shopping, zu revolutionieren.

Zur Person:
Thomas Fürst ist Managing Director bei WebID Solutions, einem Anbieter für rechtskonforme Online-Vertragsabschluss- und Identifikationsprodukte und der GwG-konformen Face2Face-Online-Identifikation. Seit 2012 werden speziell für E-Commerce-orientierte Branchen entwickelte Lösungen von der Altersprüfung bis zum Online-Vertragsabschluss angeboten. Anfang 2014 wurde die GwG-Konformität von den zuständigen Aufsichtsbehörden schriftlich bestätigt.

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.

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