15 Fragen an Marcus Schmitt von vjsual “Wenn das Pferd tot ist – steig ab!”

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Marcus Schmitt von vjsual.
“Wenn das Pferd tot ist – steig ab!”

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Ich gründe und skaliere seit über 15 Jahren Start-ups – es ist einfach toll im „Driver-Seat“ zu sitzen, ein Unternehmen und Team wachsen zu sehen, mit ihm Höhen und Tiefen und damit verbundenen Beziehungen zu erleben. Die Entscheidungsfreiheit und Verantwortung aber auch Chancen sind Spass und Stress zugleich – genau das macht es aus.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Die Idee kam von einem unserer Gesellschafter, der das Unternehmen als One-Man-Show gestartet hat und dann sehr schnell das Ruder an meinen Geschäftsführerkollegen Björn und mich übergeben hat. Unsere Stärke ist das Skalieren von Unternehmen.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Wir mussten vom ersten Projekt an profitabel arbeiten, da wir anfangs keine Finanzierung hatten. Nach einem halben Jahr haben wir dann ein Seed-Funding von Möller Ventures und 3 Business Angles erhalten um schneller skalieren zu können. Das hat gut geklappt – im ersten Jahr haben wir schon über 1 Mio. Euro Umsatz gemacht. Jetzt sind wir zwar profitabel, denken aber über eine Serie A nach. Hat an dieser Stelle jemand Interesse?

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Ohne Funding zu starten & die langen Sales-Cycle im B2B Geschäft.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Wie jedesmal – immer damit rechnen, dass alles länger dauert und mehr kostet als geplant.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
In unserem B2B Geschäft ist das schwerpunktmäßig Content-Marketing.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Da gibt es keine einzelne Person, aber eine Vielzahl von Freunden und Geschäftspartnern, die mit Rat, Kontakten, Meinungen oder Geduld unterstützt haben.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Wenn das Pferd tot ist – steig ab! Viele Ideen, die man hat, fangen vielversprechend an, man ist begeistert, engagiert sich und verliert dabei Blick für die Realität. Dabei helfen Freunde und externe kritische Meinungen.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Eine Expertendatenbank für Gründer, die immer aktuell Informationen und vor allem Kontakte zu allen relevanten Themen bereithält, die sich junge Gründer mühsam erarbeiten müssen. Z.B. zu Steuerthemen, Shopsystemen, Marketingtool, Angles, VCs, Internationalisierung, usw. Es gibt zwar Inkubatoren, aber die meisten Start-ups benötigen so ein Gerüst erst mal nicht, sondern einfach nur hochwertige, gepflegte Informationen.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Vermutlich Zahnarzt oder Botschafter

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Lesara

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
2030 die Epoche der Elektromobilität die sich dann zu 80% durchgesetzt hat.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
50% in Immobilien, 25% in Unternehmen, 15% Cash-Rücklage, 10% in Reisen & Fun

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Entweder in München oder Berlin…ca. 08:00 ausstehen – erster Kaffee – mit Freunden zum Frühstücken treffen, durch die Stadtspazieren, am frühen Nachmittag in´s Gym und dann beginnt für mich ganz locker die Arbeitswoche mit E-Mails, strategischen Themen und Vorbereitungen oder Liegengebliebenem.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Xi Jinping

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
Marcus Schmitt studierte zunächst Wirtschaft, ehe er Niederlassungen für deutsche Firmen im Ausland aufbaute. Bevor er in die Welt der Start-ups eintauchte, war er für Unternehmensberatungen tätig. Danach arbeitete er bei einem Full Service Provider für Ladestationen für Elektrofahrzeuge und Flightright GmbH. Zuletzt gründete er vjsual. Über seine Beteiligungsgesellschaft ist er zudem an Gründungen im Food & Web-Service beteiligt.

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.