Kein Deal und trotzdem erfolgreich #dhdl “Es war gut, die Prozesse im ‘Stresstest’ zu erleben”

Die VOX-Show "Die Höhle der Löwen" flimmert wieder über den Bildschirm und beschert dem Sender erneut Traumquoten. Anders ergeht es jedoch manchem Gründer, denn nicht von jedem Pitch sind die Löwen begeistert. Wie aus Misserfolg jedoch noch Erfolg werden kann, hat der Butlerdienst Sixtyone Minutes erlebt.
“Es war gut, die Prozesse im ‘Stresstest’ zu erleben”

Seit einigen Wochen flimmert bereits in der zweiten Staffel die Unternehmer-Castingshow “Die Höhle der Löwen” über den Bildschirm und beschert dem Sender Vox wieder einmal Traumquoten. Die jungen Unternehmer pitchen zunächst vor der Jury, die bestenfalls an das Businessmodell glauben und entscheiden, ob und wie viel Geld sie in die jeweilige Teams investieren wollen. Geld, dass junge Unternehmer dafür brauchen, die eigene Geschäftsidee voranzubringen

Doch die Sendung ist für die Geldsuchenden keinesfalls immer immer nur eine Erfolgs-Show. Manchmal begeistert das Businessmodell die Jury einfach nicht. Statt Geld werden junge Unternehmer im Zweifelsfall dann auch mit Kritik überschüttet und müssen statt mit satten Investments mit leeren Händen nach Hause gehen. So ergangen ist es auch dem Gründerteam von Sixtyone Minutes, Monique Holl und Michael Gnamm. Die App für das iPhone will ein persönlicher Butler sein und verspricht den Nutzer, sich um alle Belange aus dem täglichen Leben zu kümmern. Aber: Die Daumen der Löwen zeigten allesamt nach unten. Wie ernüchternd aber auch heilsam Kritik sein kann und aus einem vermeintlichen Misserfolg doch noch Erfolg werden kann, darüber sprach deutsche-startups.de mit dem Gründer Michael Gnamm.

Ihr habt in der zweiten Staffel der Höhle des Löwen mitgemacht. Was war konkret euer Antrieb, sich zu bewerben?
Wir wurden Ende letzten Jahres von der Produktion angesprochen. Sie fanden die Idee des persönlichen Assistenten genial und meinten wir sollen uns unbedingt bewerben. Der entscheidende Faktor für uns, es wirklich zu tun, war die Reichweite, die durch die Sendung erreicht werden kann.

Welche Schritte hattet ihr bis dahin bereits zur Investorenansprache unternommen? Was waren hierbei eure Erfahrungen.
Wir hatten erste Gespräche geführt, wollten für eine erste Runde jedoch erst noch genug Zahlen sammeln, die Prozesse aufsetzen und aus eigener Kraft wachsen.

Warum ihr zum damaligen Zeitpunkt das Gefühl, in der Höhle der Löwen richtig zu sein?
Die Reichweite in der ersten Staffel war enorm und wir mussten mit wenig Budget einen Proof-of-concept liefern. Unglücklich war aber die deutlich zeitversetzte Ausstrahlung (knapp ein halbes Jahr), denn mittlerweile machen wir fast ausschließlich B2B Business und bieten die Lösung Unternehmen an – zu dem Zeitpunkt war die Ausstrahlung eher kontraproduktiv.

In der “Höhle der Löwen” gab es für euch eine deftige Abfuhr. Das Konzept sei „verrückt und dumm“, sagten die Löwen. Ihr hattet euch etwas anderes erwartet. Wie geht man als Unternehmer mit einer Absage durch erfahrene Unternehmer/Investoren um?
Es ist wichtig, als Unternehmer immer wieder zu reflektieren, sich messbare Ziele zu setzen und diese konsequent zu verfolgen. Wir nehmen gerne Feedback auf – und die vier sind ja zum Glück nicht die einzigen Investoren, die es gibt.

Viele, die sich mit unserem Business Modell beschäftigen (insbesondere der B2B Lösung und unserer Software) sagen das genaue Gegenteil. Nichtsdestotrotz ist es natürlich sehr unangenehm, eine solche Abfuhr vor laufender Kamera zu erhalten. Und ja, vielleicht hört sich unsere Idee verrückt an, aber das bedeutet nicht, dass es nicht funktionieren kann.

Butlerdienste boomen, euer Dienst auch. Was haben die Investoren bei HdL an eurem Modell nicht erkannt bzw. unterschätzt?
Dass die User in Deutschland tatsächlich bereit dazu sind, per App zu bestellen und gerne Aufgaben zu delegieren. Zudem wurde scheinbar missverstanden, dass wir als Dienstleistungs-Vermittler fungieren und nicht alle Aufgaben selbst durchführen und zudem kein Flugvergleichportal nachbauen wollen… möglicherweise haben wir es nicht gut genug erklärt. Wir waren zudem vor GoButler und Magic am Markt, so dass das Konzept komplett neu war und die Offenheit dafür begrenzt war.

Hat sich durch die Kritik der Investoren euer Businessmodell geändert?
Nein, wir hatten zu dem Zeitpunkt bereits vor, aufbauend auf den noch zu sammelnden B2C-Erfahrungen später in Richtung B2B zu gehen. Und genau das tun wir jetzt.

Negativ PR ist manchmal besser als gar keine PR. Kann man das auch in eurem Fall so sagen?
Ja die Bekanntheit des Unternehmens hat natürlich deutlich zu gelegt, wir hatten mehr Aufgaben als je zuvor.

Hat euch die Teilnahme an der Sendung geschadet? Welche Reaktionen gab es und was hat sich seit Ausstrahlung bei Sixtyone Minutes geändert?
Jein, geschadet hat es nicht, da es gut war, die Prozesse im “Stresstest” zu erleben. Aus den Learnings wissen wir, an welchen Stellschrauben wir bezüglich der Software den Prozessen drehen müssen, um sie noch effizienter zu gestalten. Allerdings ist es aufgrund der späten Ausstrahlung schade, nun im B2C-Bereich wahrgenommen zu werden, obwohl wir diesen Schritt für Schritt verlassen.

Mit dem Wissen von heute: Würdet ihr erneut an der Sendung teilnehmen?
Nicht mit dem B2B-Konzept, das passt einfach nicht und da wir uns nun in dem Bereich bewegen, würde wir nicht nochmal teilnehmen.

Worauf sollten sich junge Unternehmen einstellen, die sich für eine Teilnahme an der Sendung bewerben?
Dass sie sich nicht aus der Ruhe bringen lassen dürfen und in kurzen Sätzen antworten sollten. Wir waren knapp eine Stunde dort, was auf wenige Minuten zusammengeschnitten wurde – da eignen sich kurze Sätze einfach besser. Lange Schachtel-Sätze werden eher komplett rausgeschnitten.

Wohin wird die Reise bei euch in den kommenden Monaten gehen?
Wir haben gerade eine Kooperation mit der Telekom bekannt gegeben, werden diese Zusammenarbeit mit T-Systems weiter ausbauen und sprechen mit vielen Unternehmen, die daran interessiert sind, sich durch diese innovative Service-Erweiterung vom Wettbewerb abzuheben.

Was sind eurer Meinung nach die wichtigsten Aspekte, um sich auf ein Investorengespräch vorzubereiten?
1. Investoren begeistern: klare Vision, kurzer Pitch. 2. Investoren überzeugen: Zahlen und KPIs parat haben. 3. Den Fit suchen und auch kritisch sein: Investor und eigenes Team müssen zusammenpassen, auch die Ziele des Ivests sollten klar sein. Gerade wenn man ein nachhaltiges Unternehmen aufbauen will mit gesundem Wachstum, sollte man darauf achten, wen man sich ins Boot holt.

Jetzt runterladen: “Ich bin raus! – Deal – Micky Maus – Das ultimative ‘Die Höhle der Löwen’-Bullshit-Bingo

Fotogalerie: “Die Höhle der Löwen” (2. Staffel)

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Wir werfen ein Blick hinter die Kulissen von “Die Höhle der Löwen” und stellen die Jury vor. Einige Eindrücke der etwas anderen Gründer-Show gibt es in unserer kleinen, aber feinen Fotogalerie.

Foto (oben): © VOX/Bernd-Michael Maurer/h5>

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.