Steffen Zoller im Interview “Es geht als Sologründer noch mehr um das Team”

"Es geht als Sologründer noch mehr um das Team. Fähige Kollegen sind der zentrale Baustein, um ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen", sagt Steffen Zoller, Gründer von betreut.de, über sein Leben als Sologründer. "Wenn es der richtige Fit wäre", würde er deswegen immer wieder alleine gründen.
“Es geht als Sologründer noch mehr um das Team”

In unserem Themenschwerpunkt Sologründer beschäftigen wir uns ausführlich mit Einzelgründern, also Gründern die als Einzelperson ein Start-up hochziehen – siehe dazu auch “Einzelgründer sind keine schlechten Teamplayer” und “Einzelgründer müssen nicht immer kleine Brötchen backen“. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Steffen Zoller, Gründer von betreut.de, einem Onlinemarktplatz für familiennahe Dienstleistungen, über sein Leben als Sologründer.

Was ist die größte Herausforderung, der sich Sologründer stellen müssen?
Als ich 2007 Betreut.de gründete, war Zeit die größte Herausforderung. Der Tag hatte nur 24 Stunden, davon arbeitete ich 18 bis 20 Stunden. Die Hälfte davon in der Vor- und Nachbereitung des Teams, die andere Hälfte an Produkt und Marketing. Ich hatte somit sehr limitierte Ressourcen für Entscheidungen und Führung. In der Infrastruktur hatte ich damals zum Glück durch die Investoren Unterstützung, Rocket Internet und Holtzbrinck. An dieser Stelle auch nochmal mein Dank dafür!

Ist es als Sologründer schwieriger, Investoren zu gewinnen?
Schwierig zu beantworten; wahrscheinlich ja, weil bei der Auswahl der Investments neben den Ideen vor allem ein Team als Investment-Kriterium genommen wird.

War es beim Verkauf an Care.com ein Problem, dass sie Sologründer sind?
Nein war es nicht; seit 2009 hatte mich Manuel Nothelfer als Co-Geschäftsführer verstärkt. Damals sind wir also aus einer Sologründung in eine Team-Organisation übergegangen.

Blicken wir einmal auf die positive Seite: Was ist der größte Vorteil, den Sologründer haben?
Der größte Vorteil liegt sicherlich in den kurzen Entscheidungswegen. Am Ende muss einer die Entscheidung treffen. Das ist bei einer Sologründung einfacher.

Jetzt ein Blick auf die negative Seite: Was ist der größte Nachteil, den Sologründer haben?
Statistiken besagen, dass Sologründer häufiger scheitern als Teams. Die wesentlichen Nachteile sehe ich in den Bereichen Zeit und Verantwortung. Insbesondere ganz am Anfang wollte niemand im Team Fehler machen. Daher warteten alle auf mein finales Go. Das dauerte teilweise länger als nötig. Zudem fehlt ein Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe.

Sind Ihnen Fehler unterlaufen, die bei einer Teamgründung vermutlich nicht passiert wären?
Ja klar! Teamgründer können sich bei Entscheidungen gegenseitig absichern und inhaltlich organisieren. Ich vermute, dass zum Beispiel einige Personalentscheidungen anders ausgefallen wären. Als Sologründer musste ich zudem manche Botschaft mehrmals am Tag kommunizieren, Teamgründer können sich die interne Kommunikation aufteilen.

Gibt es Tools und Services, die Ihnen die Arbeit erleichtern?
Die Aufstellung nach Scrum und Kanban hilft bis heute deutlich bei der Priorisierung, ansonsten glaube ich an Puffer und strukturierte Meetings im Stehen.

Würden Sie wieder ein Unternehmen alleine gründen?
Wenn es der richtige Fit wäre, ganz sicher. Dafür müssten allerdings zwei Dinge zusammen kommen: Infrastruktur und Team müssen stimmen. Es geht als Sologründer noch mehr um das Team. Fähige und motivierte Kollegen sind der zentrale Baustein, um ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen.

Wie findet man als Sologründer die besten Mitarbeiter?
Ich glaube, dass es wenige Unterschiede gibt bei der Rekrutierung zwischen Team- und Sologründungen. Die besten Mitarbeiter sind die, die die Vision und das Produkt teilen. Ansonsten gilt, wer nicht drüber redet – welche Mitarbeiter er sucht -, der wird nicht gefunden – und erhält keine Bewerbung.

Welchen Tipp geben Sie anderen Sologründern mit auf den Weg?
Austausch auf Augenhöhe: Für mich ist es erfolgskritisch, von anderen zu lernen. Für einen vertrauensvollen Austausch braucht es passende Sparrings-Partner. Dies können Mentoren, Investoren oder auch andere Unternehmer sein. Ich kann besonders Sologründern EO, die Entrepreneurs Organization, ans Herz legen.

Passend zu unserem Themenschwerpunkt Sologründer empfehlen wir folgende Artikel: “Als Einzelgründer durchstarten – aber wie?“, “Mit weniger als 1.000 Euro zum eigenen Start-up?” und “So expandiert man als Sologründer ins Ausland“. Weitere Artikel über Einzelgründer gibt es in unserer Übersicht zum Themenschwerpunkt Sologründer.

ds-soloBuchtipp für Sologründer: Ausführliche Informationen über das große Thema Solopreneurship (in all seinen Facetten) bietet das gelungene und lehrreiche Buch Solopreneur: Alleine schneller am Ziel von Brigitte und Ehrenfried Conta Gromberg, das als Buch und EBook zur Verfüfung steht. Hier ein Auszug: “Lieber solo gründen? Drei Mythen rund um Teams“.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

Aktuelle Meldungen

Alle