Themenschwerpunkt Sologründer Einzelgründer müssen nicht immer kleine Brötchen backen

Sologründer, also Gründer die als Einzelperson ein Start-up hochziehen, müssen schwer ackern. In unserem Themenschwerpunkt Sologründer beschäftigen wir uns in den kommenden Tagen ausführlich mit deutschen Einzelkämpfern. Denn es gibt auch in Deutschland erfolgreiche Einzelgründer.
Einzelgründer müssen nicht immer kleine Brötchen backen

In der Start-up-Szene werden die meisten Unternehmen von Teams mit zwei bis fünf Gründern umgesetzt. Das Team wird zudem von vielen Investoren als die wichtigste Erfolgsgrundlage von Start-ups genannt. Eine Gründer-Gruppe bleibt dabei meist unerwähnt, die der Sologründer, also Gründer die ohne Team (als Einzelperson) ein Start-up hochziehen. Dabei kann es durchaus Vorteile haben, eine Idee (zunächst) als Einzelgründer, also allein umzusetzen – siehe dazu auch “Lieber solo gründen? Drei Mythen rund um Teams“.

In den USA gibt es mit Pierre Omidyar (eBay), Jeff Bezos (amazon) als Beispiel für Digitalfirmen und Sam Walton (Walmart) als Beispiel aus der Old Economy einige sehr erfolgreiche Sologründer. In Deutschland aber auch – etwa Heiko Hubertz, der die Spieleschmiede Bigpoint ohne Mitgründer zum Millionen-Unternehmen hochgezogen hat. “Grundsätzlich gibt es eine Menge Vor- und Nachteile für Sologründer. Ich glaube, es kommt eher auf den Typ an, der man ist. Ich wollte alle Entscheidungen schnell und ohne lange Diskussionen treffen, ich hatte einen genauen Plan und wollte davon auch nicht abgelenkt werden”, sagt Hubertz zu seiner Entscheidung die Spieleschmiede Bigpoint allein hochzuziehen. Ein großer Knackpunkt war für ihn die Finanzierung des Unternehmens – zuvor musste er “ein paar Sorgen der Investoren ausräumen”. Es gelang ihm aber – allerdings musste er Auflagen akzeptieren. “Bei mir wurde zum Beispiel das Investment der ersten zwei Jahre durch eine Lebensversicherung abgesichert”. Und auch Lars Hinrichs gründete das Business Netzwerk Xing einst alleine. “Vorteile bzw. Nachteile gibt es sicher viele, aber mir ging es einzig alleine um eine Lösung meines Problems: Die kontakte meiner Kontakte sichtbar zu machen und dafür brauchte ich keinen Mitgründer”, sagt Hinrichs über seine Beweggründe, alleine zu gründen. Wenn man ein klares Ziel habe, gehe es einfach schneller, wenn man sich nicht abstimmen müsse. also mit einem meist gleichberechtigten Mitgründer.

Thorsten Kucklick kennt beide Seiten der Gründung – als Einzelkämpfer und als Teamgründer: Zuletzt zog er UltraPress alleine hoch, zuvor hatte er er MeinSpiel als Teamgründung durchgezogen. “Ein Team ist, glaube ich, dann sinnvoll, wenn man dauerhaft bestimmte Kompetenzen und entsprechende Verantwortlichkeiten direkt im Unternehmen haben will. Das kann beispielsweise das Marketing sein, der Technologiepart oder andere Bereiche, die zum Kern der jeweiligen Unternehmenstätigkeit gehören. Wichtig ist, dass man sich über die Verteilung der einzelnen Verantwortlichkeiten klar ist. Bei MeinSpiel hat das trotz relativ deckungsgleicher Ausbildungshintergründe ganz gut geklappt. Ich kenne aber auch Fälle, wo genau diese Frage irgendwann zum Problem wurde”, sagt Kucklick.

Auch Thorsten Piening hat schon im Team und alleine gegründet. “Bei tunero.de und Kaffeeabo habe ich jeweils einen Mitgesellschafter sowie gleichzeitigen Geschäftsführer an Bord. Beide können ihre Kompetenz optimal einbringen. Ohne ihre Expertise wäre ich die jeweiligen Themen gar nicht angegangen. Bei qualitytraffic und regiomatch benötige ich keine externen Kompetenzen. Daraus hat sich die logische Konsequenz abgeleitet, alleine zu gründen. Diese Entscheidungen bereue ich bis zum heutigen Tage nicht. Es war definitiv der richtige Weg”. Die größte Herausforderung für Einzelgründer ist für Piening das alleinige treffen von Entscheidungen – “vom Firmennamen über die IT-Infrastruktur bis hin zur Personalauswahl muss man sich vollständig auf sich selbst verlassen können und natürlich ist man nicht in allen Bereichen ein Experte. Das führt zwangsweise natürlich zu Fehlentscheidungen und hier liegt die besondere Herausforderung darin, diese rechtzeitig zu erkennen und die entsprechenden Konsequenzen daraus zu ziehen”.

Christian Wolf, Gründer von asgoodasnew (WirKaufens) wurde dagegen unfreiwillig zum Einzelgründer – seine Mitstreiterin und er gingen wenige Monate nach dem Start wieder getrennte Wege. “Alleine mit Ängsten und Sorgen zu sein, ist das Schlimmste”, sagt Wolf zu seinem Leben als Sologründer. “Mit einem Mitgründer kann man sich offen austauschen und sich gegenseitig stützen. Mit Angestellten kann man es nicht in vollem Umfang, die sollen sich auf ihre Arbeit konzentrieren können; mit Investoren kann man es auch nicht, man will keine Schwäche zeigen; im privaten Umfeld gibt es nicht immer jemand, der die Sorgen eines Unternehmers erfassen und verstehen kann”. Dennoch wurde er jederzeit wieder ein Unternehmen alleine gründen: “Timing ist bei vielen Geschäftsideen sehr wichtig. Statt ewig nach dem perfekten Co-Founder zu suchen muss man vielleicht schnell starten indem man fehlende Kompetenzen bei Agenturen einkauft”.

Sologründerin Stefanie Jarantowski, die eventsofa 2012 startete, verweist in diesem Zusammenhang auf nützliche Tools und Services, die Einzelgründern die Arbeit erleichtern können: “Beim Email-Marketing bin ich ein großer Fan von Customer.io geworden. Zendesk und ein Telefonservice helfen mir sehr beim Customer Service, Salesforce beim Vertrieb”. “Vor allem Einzelgründer im Online-Bereich sollten sich unbedingt mit WordPress beschäftigen, weil sich damit mittlerweile ein Vielzahl von Geschäftsmodellen als Website abbilden lässt”, rät zudem Ultrapress-Macher Kucklick. Seinen weiteren Tipps: “Fürs Projektmanagement habe ich kürzlich Trello entdeckt, was ich absolut empfehlen kann. In der Buchhaltung bieten sich FastBill und ähnliche Tools an. Und daneben gibt es je nach Geschäftsmodell natürlich eine Vielzahl an spezialisierten Tools und Services, die sich meist für günstiges Geld mieten und in die individuelle Unternehmens-Infrastruktur einbauen lassen”.

Das Leben als Solopreneur ist somit kein Zuckerschlecken – hat aber auch Vorteile. “Der größte Vorteil eines Einzelkämpfers ist ganz klar die Geschwindigkeit der Entscheidungsfindung. Egal, ob ich eine gute Idee für eine neue Funktion auf der Webseite habe oder eine neuen Vertriebskanal ausprobieren will: Ich kann das sofort entscheiden und eine Sekunde später umsetzen”, sagt Sologründer Armin Hierstetter, der bodalgo, einen Internet-Marktplatz für Werbesprecher seit 2008 betreibt. Auch Manuel Hinz, der den Preisvergleich Toroleo alleine gründete und zum Exit führte, sieht einige positive Aspekte zum um das Einzelkämpfertum: “Bei ‘einfachen’, zumeist eher administrativen Entscheidungen im Tagesgeschäft ist keine zeitraubende Abstimmung notwendig, sondern die Themen können direkt entschieden werden”.

Es gibt somit auch in Deutschland erfolgreiche Einzelgründer – teilweise bauten diese auch hierzulande Millionenunternehmen auf. In den kommenden Tagen vertiefen wir das spannende Thema Solopreneure in unserem Themenschwerpunkt Sologründer mit mehreren Interviews und Wortmeldungen von erfolgreichen Einzelgründern.

Passend zu unserem Themenschwerpunkt Sologründer empfehlen wir folgende Artikel: “Als Einzelgründer durchstarten – aber wie?” und “Mit weniger als 1.000 Euro zum eigenen Start-up?“. Weitere Artikel über Einzelgründer gibt es in unserer Übersicht zum Themenschwerpunkt Sologründer.

Buchtipp: Ausführliche Informationen über Solopreneurship bietet das brandneue Buch “Solopreneur von Brigitte und Ehrenfried Conta Gromberg. Hier ein Auszug: “Lieber solo gründen? Drei Mythen rund um Teams“.

Foto: Man standing and looking the ocean, concept of relax, freedom etc from Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.