Gastbeitrag Lieber solo gründen? Drei Mythen rund um Teams

Mit der Frage, ob ein Team oder ein Solopreneur besser performed, haben wir uns lange beschäftigt: Wenn „besser“ nur mit „mehr Umsatz“ definiert wird, kann ein Solopreneur in der Regel nicht gegen einen Start-up ankommen. Gastbeitrag von Brigitte und Ehrenfried Conta Gromberg.
Lieber solo gründen? Drei Mythen rund um Teams

Das Team wird gern als wichtige Kompetenz von Start-ups genannt. Es gibt jedoch auch Gründer, die komplett ohne Team auskommen. Solo zu bleiben bedeutet, sein unternehmerisches Steuerrad direkt in der Hand zu behalten. Das ist ein anderer Ansatz, als mit einem Start-up in die Top 10 zu wollen. Wir unterscheiden deshalb auch zwischen Start-ups und Smart-ups. Wer heute sein Entrepreneurship allein aufbaut, dem begegnen häufig „Learnings“ aus der Start-up Kultur. Sie werden nicht immer offen ausgesprochen, aber man spürt, was angesagt ist. Hier hilft es, zu unterscheiden, was in welche Denkkultur gehört. Dazu gehören die drei Team-Mythen. Früher oder später wird ein Solopreneur auf eine der drei Lieblings-Thesen der Start-upianer stoßen:

Der Kreativitäts-Mythos: Kreativität gibt es nur in der Gruppe.

Der Innovations-Mythos: Neues wächst in interdisziplinären Teams.

Der Sicherheits-Mythos: In der Gruppe ist man stärker.

Wie geht ein Solopreneur mit den Team-Mythen um?

Solopreneure haben nicht die Spannweite eines Teams, aber es gibt gute Gründe, warum ein Solopreneurship an einigen Stellen durchaus im Business mithalten kann. An einigen Stellen sogar besser als teambasierte Start-ups.

Mit der Frage, ob ein Team oder ein Solopreneur besser performed, haben wir uns lange beschäftigt: Wenn „besser“ nur mit „mehr Umsatz“ definiert wird, kann ein Solopreneur in der Regel nicht gegen einen Start-up ankommen. Heißt „besser“ aber mehr Zufriedenheit und höhere Unabhängigkeit, zieht der Solopreneur oft an einem Team vorbei. Natürlich stimmt dies nicht, wenn Sie ein Team-Mensch sind und erst aufleben, wenn Sie unter Menschen arbeiten. Solopreneure sind aber nicht die klassischen Teamworker. Sie lieben es, große Strecken ihrer Kreativität alleine zu entfalten.

An der Persönlichkeit orientierte Strukturen

Um das zu können, gehen Solopreneure anders vor und legen eigene, an ihrer Persönlichkeit orientierte Strukturen. Der Solopreneur stellt ein Geschäftsmodell auf, das er selbst alleine gut steuern kann: single handed. Dabei ist er durchaus mit anderen vernetzt und nutzt Skalierung und Digitalisierung. Aber: Die Solofrau oder der Solomann stellen ihren Geschäftsprozess schlanker auf. Wir nennen dies „einzügige“ Geschäftsmodelle, weil diese nicht so differenziert über die Bande spielen, wie dies bei den Canvas-Ansätzen häufig der Fall ist. Der Solo-Entrepreneur geht in seiner Tätigkeit dabei einen Schritt weiter als der klassische projektorientierte Selbstständige: Er entwickelt und vermarktet sein eigenes Produkt wie ein Unternehmer. Ein Solopreneur schafft nicht nur das Produkt, sondern auch das Unternehmen um das Produkt herum.

Die drei Team-Mythen kennen

Es ist möglich, alleine Entrepreneur zu sein. Wir haben 5 Solopreneur-Typen herausgearbeitet, in denen das besonders gut funktioniert. Dafür brauchen Sie kein Team. Wenn Sie in dieser Weise ein Solopreneurship aufbauen, greifen andere Gesetzmäßigkeiten als die in den Mythen beschriebenen:

Der Kreativitäts-Mythos – Kreativität gäbe es nur in der Gruppe.

Das ist falsch. Es gibt nach wie vor viele Kreativarten, die alleine wunderbar funktionieren. Ob als Soloprogrammierer oder Soloproduzent, Händler, Experte etc. Klar ist: Team ist in puncto Kreativität in einer ganzen Reihe von Feldern vorne. „Team hat die Nase vorn“ ändert sich aber, wenn wir auf die Person eines Solopreneurs einzoomen und nach smarten Geschäftsmodellen suchen. Smart bedeutet: ohne großen Overhead und Gesellschaftskonstrukte, auch ohne Fremdkapital und in der Regel ohne großen eigenen Code. An dieser Stelle gehen wir nicht auf Design Thinking und andere Formen der Gruppenkreativität ein (die wir sehr schätzen). Nur so viel: Sie können auch solo viele Methoden des Design Thinkings und Lean Startup anwenden. Denn auch Solopreneure können ihre Idee in einer Gruppe weiterentwickeln.

Der Innovations-Mythos – Innovation wäre nur in interdisziplinären Teams möglich.

Auch das ist falsch. Viele gute Ideen entstehen nach wie vor in Einzelköpfen. Und es ist heute leichter den je, kreative Impulse aus der Crowd in einen Solobetrieb zuzufüttern. Es ist ein Irrglaube, dass Innovation nur im Team möglich ist. Eindeutig ist, dass für große komplexe Innovationssprünge Teams besser aufgestellt sind. Wenn Sie aber Ihr Geschäftskonzept schlank halten, können Sie mit Ihrer Kreativität (siehe Punkt oben) in vielen Bereichen schneller Produkte schaffen als große Apparate.

Der Sicherheits-Mythos – Ein Team wäre stärker.

Das stimmt nur bei guten Teams. Bei mittelmäßigen oder schlechten Teams ist es genau umgekehrt. Andere Menschen können die Störer und Bremsklötze schlechthin sein. Allein wären viele schneller an ihrem Ziel. Mehr als einmal mussten wir Partner trennen, die sich vorab gut verstanden hatten und plötzlich gegeneinander arbeiteten.

Fazit

Solopreneur ist für uns ein unternehmerisches Konzept, das bei der eigenen Person startet und der individuellen Eigenständigkeit Priorität gibt. Wenn bei den persönlichen Werten die eigene Kreativität und die eigene Unabhängigkeit vornan steht, zeigt sich: Team ist gut, solo ist meist besser. Möchte Sie ein Unternehmen aufbauen, bei dem Sie ohne viel Rückfragen selbst steuern können, haben Sie den Mut, solo zu bleiben. Dies macht unternehmerisch Sinn. Wir arbeiten seit einiger Zeit daran, den Begriff Solopreneur in Deutschland einzuführen und freuen uns, dass einige Player wie t3n die Unterscheidung von uns aufgreifen. Solopreneuren hilft es, eine eigene Denkkultur zu entwickeln und sich nicht von Mythen beirren zu lassen.

Mehr Informationen über Solopreneurship bietet das neue Buch “Solopreneur von Brigitte und Ehrenfried Conta Gromberg.

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