Scheitern als Goldmedaille Gründer, bitte steht einfach zu Eurer Vergangenheit

Ein Start-up zu beerdigen ist für keinen schön. Schon gar nicht für den Gründer. Im eigenen Lebenslauf sollte jeder Gründer diesen Versuch aber wie eine Goldmedaille tragen. Doch leider wollen viele Gründer ihre Vergangenheit vertuschen, das Netz von ihrem Fehlschlag reinigen.
Gründer, bitte steht einfach zu Eurer Vergangenheit

Jeder in der Startup-Szene (und auch darüber hinaus) weiß, dass nicht jedes Start-up ein Volltreffer sein kein. Es gibt in der Gründerszene Pleiten, Aufgaben und Unglücksfälle. Auch darüber berichten wir Tag für Tag – siehe “Start-ups, die 2015 bereits gescheitert sind“. Ein Start-up zu beerdigen ist für keinen schön. Schon gar nicht für den Gründer. Im eigenen Lebenslauf sollte jeder Gründer diesen Versuch aber wie eine Goldmedaille tragen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Denn nur wer tief fällt, kann wieder aufstehen. Und: Aus großen Niederlagen entstehen oftmals große Siege.

Jetzt aber genug der Floskeln! Es geht hier um die andere Seite des Scheiterns. Denn trotz aller großen Worte aus der Gründerszene, aus der Wirtschaft und aus der Politik ist Scheitern in Deutschland immer noch ein großes Makel. Wie sonst ist es zu erklären, dass sich regelmäßig Gründer bei uns melden, die – meist – höflich nachfragen, ob es möglich wäre, die Artikel über ihr gescheitertes Start-up zu löschen – oder wenigstens ihren Namen aus den Artikeln zu entfernen (“es Sind ja auch nur 5 Artikel mit 20 Nennungen”). Die Gründe für die geforderte Weißwaschung sind immer gleich. Sie lauten etwa: “Ich habe einen neuen Job und möchte nicht mit einer Insolvenz in Verbindung gebracht werden”, “Ich werde immer wieder von Leuten darauf angesprochen und möchte dies nicht mehr” und “Ich möchte dieses Kapitel abschließen”.

Eine traurige Angelegenheit, die keinen Spaß macht. Gründer da draußen, bitte steht einfach zu Eurer Vergangenheit! Betreibt keine Weißwaschung Eurer Geschichte. Denn selbst viele Unternehmen haben inzwischen erkannt, dass es sich lohnt, Mitarbeiter anzustellen, die früher einmal selbst ein Unternehmen gegründet haben. Und wer nach dem Fehlstart ein zweites Unternehmen aufbaut, ist für Investoren oft auch ein guter Kandidat, weil er viele Fehler schon einmal gemacht hat und diese ganz sicher nicht wieder machen wird. Gründer, bitte steht einfach zu Eurer Vergangenheit!

Passend zum Thema: “Nur wer Fehler macht, kommt garantiert weiter

Foto: Don’t Fear The Future and Don’t Regret The Past sign with a desert background from Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.