Johanna Spielberg von yooyama “yooyama soll die Marke für das Einzigartige werden”

Mehr als ein Online-Shop will der Marktplatz yooyama sein. Ziel ist es, Stücke aus geringer Stückzahl von kleinen, produzierenden Künstlern zu präsentieren. Im Gründer-Kurzinterview spricht die Gründerin über die Kombination aus Shop und Blog, den ersten yooyama-Laden und Einzelstücke.
“yooyama soll die Marke für das Einzigartige werden”

Mehr als ein reiner Online-Shop will der Internet-Marktplatz yooyama sein. Ziel ist es, Stücke aus geringer Stückzahl von kleinen, oft regional und nachhaltig produzierenden Künstlern zu präsentieren. Im Gründer-Kurzinterview spricht Gründerin Johanna Spielberg über die Kombination aus Online Shop und Blog, den ersten yooyama-Laden in Düsseldorf und der Suche nach dem besonderen Einzelstück.

Welche Idee steckt hinter Ihrem Start-up?
Die Kombination aus Online Shop und Blog bietet mehr als nur schnelles Online-Shopping. Der Kunde erfährt hier die Geschichte zu den Produkten, die oft Einzelstücke sind oder in kleiner Serie produziert wurden und kann sich Ratschläge von Experten einholen. Der Kunde kann also stöbern und sich im Blog inspirieren lassen. Er kann sich ohne einen konkreten Wunsch umschauen und findet vielleicht durch Zufall etwas, was er sich schon lange gewünscht hat.

Uns ist ein Sortiment wichtig, das sich abseits des Mainstream bewegt. Mit Produkten in kleinen Serien und von kleinen, oft eher regionalen Labels möglichst nachhaltig hergestellt. Sogar bei etablierten Herstellern versuchen wir immer, eher das Besondere zu kaufen und eben nicht den Dauerbrenner und All-Time-Bestseller, denn den gibt es ja auch woanders.

Hinzu kommen noch Vintage- und Einzelstücke. Neben dem Online-Auftritt haben wir kürzlich auch den yooyama-Laden in Düsseldorf eröffnet, mitten in der Carlstadt, einen Steinwurf von der Königsallee entfernt.

Wie sehr bzw. in welchen Punkten hat sich ihr Konzept von der ersten Idee bis zur Gründung verändert?
Der anfängliche USP – Blog & Shop in einem – wurde schnell ergänzt durch zahlreiche Kooperationen mit Händlern, Designer und Künstlern, den sogenannten yooyama-Stars. Ihnen und Ihren Produkten bietet yooyama sowohl im Blog als auch im Shop eine Plattform und tritt dabei als Ansprechpartner für den Käufer auf.

Der Vorteil für die yooyama-Stars: Alle administrativen Tätigkeiten bis hin zur Pressearbeit werden von yooyama übernommen, wodurch die yooyama-Stars sich vollständig auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren können. Viele der yooyama-Stars erzählen uns, dass sie sich lieber auf ihre Kernkompetenz konzentrieren wollen, die administrative Pflege eines Shops – sogar auf dawanda – erfordert aber viel Zeit. Und genau diese Zeit hält besonders junge Künstler davon ab, kreativ zu sein.

Genau hier können wir die Künstler und Designer unterstützen, frei nach dem Motto: Seid kreativ, denn das ist Eure Stärke, den Rest machen wir. So ist yooyama eine Plattform für anspruchsvolle Einzelhändler und Designer sowie regionale Hersteller. Für den Kunden bietet sich so die Möglichkeit auch das Besondere zu finden, sogar wenn man eben nicht in einer Großstadt lebt, in der sich die jungen Wilden und Kreativen ausleben und präsentieren.

Wer sind Ihre Mitbewerber und wie grenzen Sie sich von ihnen ab?
yooyama hat nicht vor, in den Wettbewerb mit Westwing & Co. zu treten – das können und wollen wir auch gar nicht. Vielmehr zielen wir auf den Teil des Möbelmarkts, der im Möbeleinzelhandel als „Rand- und Zusatzsortiment“ bezeichnet wird, und bei den Flächenmärkten zu zusätzlichen Käufen verleiten soll. Das Sortiment von yooyama reicht bis zu kleinen, leicht umstellbaren Möbeln wie Stühlen oder Kommoden, es kann sogar mal ein Sofa dabei sein, aber den Bereich Systemmöbel blenden wir komplett aus.

Überhaupt ist yooyama sozusagen „Off-Broadway“, wenn man das Sortiment mit den „Lock-Objekten“ der Großen vergleicht. Die Designobjekte sind nachhaltig produziert, oft regional, haben eine niedrige Auflage und eine hohe Verarbeitungsqualität. Unsere umsatzstärksten Produkte online sind die besonderen Gegenstände, wie Einzelstücke und Kleinserien. Eben genau das, was es nicht an jeder Ecke gibt. Und genau diese Objekte kommen von Designern oder regionalen Vintage-Händlern, die selbst keine Online-Plattform haben. Das ist unsere Nische.

Was ist der entscheidendste Faktor, damit Ihr Start-up den Durchbruch schafft?
Wir müssen neugierig und offen für Neues bleiben. Und das ist ein echter Kraftakt neben der alltäglichen Arbeit, eben dem administrativen für unsere Künstler beispielsweise oder auch nur der Buchhaltung, müssen wir immer wieder auf der Suche sein. Auf der Suche nach dem besonderen Einzelstück, einem jungen aufstrebenden Künstler, einem vielversprechenden Label in den Kinderschuhen und einem Einzelkämpfer.

Dabei ist es nicht so, dass jeder Künstler sofort von uns begeistert ist. Wir wirken natürlich wie eine Gefahr, das Angebot ist so verlockend, dass häufig schon nach dem Haken gefragt wurde. Und einige unserer Künstler sagen dann nach einiger Zeit erst „Ich glaube, ich schalte dawanda jetzt mal ab, das ist einfach nichts mehr für mich! Ich bin das nicht mehr!“.

Dieses Vertrauen müssen wir aber erst einmal aufbauen. Das bedeutet, dass wir auf zwei Seiten um das Vertrauen kämpfen müssen, bei unseren „Zulieferern“ und bei unseren Kunden. Wenn wir hier ein geeignetes Gleichgewicht finden und uns nicht zurücklehnen, weil wir glauben, im Augenblick mit jungen Künstlern gut ausgestattet zu sein, dann schaffen wir auch den Durchbruch.

Wie wollen Sie Geld verdienen und wann schreiben sie schwarze Zahlen?
Manchmal morgens wünsche ich die Antwort auf diese Frage zu wissen, wann wir schwarze Zahlen schreiben werden. Aber das ist sicherlich mit meiner Ungeduld zu erklären. Denn wir sind für die kurze Zeit nicht schlecht aufgestellt. Das schaffen wir durch eine gezielte Produktpolitik. Wir setzen im Augenblick nicht nur auf die jungen Wilden, sondern arbeiten auch mit bekannteren Labels zusammen. Wir haben ein paar Zugpferde in unser Portfolio aufgenommen, nicht unbedingt war jede Entscheidung in diesem Bereich richtig.

Aber inzwischen haben wir eine schöne Zusammenstellung besonderer Dinge, die einfach schön sind. Aber auch hier hat sich gezeigt, selbst wenn die Marke bereits etabliert ist, haben wir mit den Besonderen auf dem Markt nicht so weit verbreiteten Produkten den größten Erfolg. So können wir die Zeit, die wir brauchen, um die jungen Künstler und Designer als Marke bei uns zu etablieren, abpuffern.

Welche Märkte wollen Sie mittel- und langfristig erobern?
Es geht nicht darum, einen bestimmten Markt mittel- oder langfristig zu erobern. Es geht darum, dass wir eine Marke werden. So wie etwa Manufactum für die guten alten Dinge. yooyama soll die Marke für das Besondere, für das Schöne und Einzigartige werden. Ein bisschen soll es so sein, dass die Leute vielleicht sagen „Ach, hier hätte ich gerne etwas anderes als meine Freundinnen, mal nichts vom großen Schweden oder den großen Deko-Ketten, schauen wir doch mal bei yooyama!“.

Die Leute sollen online einfach immer mal wieder reinschneien und schauen, was es so gibt, eben ein bisschen window-shopping vom heimischen Sofa aus – nicht gezielt, sondern etwas ohne Zwang.

Welche Meilensteine wollen Sie in den kommenden zwölf Monaten auf jeden Fall erreichen?
Den wichtigsten Meilenstein haben wir bereits erreicht: Im Sommer 2014 sind wir mit yooyama online gegangen. Vor ein paar Wochen sind wir noch einen Schritt weiter gegangen und haben den yooyama-Laden in Düsseldorf eröffnet. Das war sicherlich ein wichtiger Meilenstein. Wir hatten uns immer fest vorgenommen, dass wir auch einen und hoffentlich später immer mehr stationäre Geschäfte haben wollen. Es geht eben nicht darum, dem stationären Einzelhandel zu schaden und die Innenstädte einfach ausbluten zu lassen.

Nein, wir wollen vielmehr online und offline eine Bereicherung werden. Wir wollen Künstlern und Designern die Möglichkeit geben, ihre Werke auch mal in einem Ladengeschäft auszustellen, damit sie ein Feedback bekommen können. Wir sammeln das Feedback und geben es auch weiter. Es ist ein bisschen wie eine Galeriearbeit für einen bildenden Künstler. Der gute Galerist lässt den Künstler auch nicht einfach nur machen, sondern er nimmt ja auch das Feedback der Kunden und Sammler auf. Genau das tun wir auch.

Bald werden wir in unserem Pilotgeschäft in Düsseldorf dann anfangen, etwas wie eine Vernissage oder auch Tasting-Party zu starten. In regelmäßigen Abständen wird es also Veranstaltungen geben, bei denen sozusagen „der Künstler anwesend ist“. Sie können sich vorstellen, und die Kunden können Fragen stellen. Das wird sehr spannend. Dazu werden Berichte in unserem Blog geschrieben, so eine Art Instant-Vernissage. In den nächsten zwölf Monaten soll dieser Hybrid aus offline und online mit einer regelmäßigen Berichterstattung vom „anfassbaren Blog“ etabliert werden. Wenn der Erste fragt, wann die nächste Veranstaltung ist, dann ist dieser Meilenstein sicherlich schon in greifbarer Nähe.

Im Fokus: Weitere Interviews mit jungen Gründern gibt es im Special Gründerinterviews

Zur Person:
Johanna Spielberg studierte VWL in Bonn und arbeitete bereits während ihres Studium bei einer mittelständischen Unternehmensberatung. Sie ergänzte ihr Studium um Modernes Japan und Informationswissenschaft und hielt sich hierfür in Japan und London auf, ehe sie ihre Tätigkeit am Lehrstuhl Modernes Japan an der Heinrich Heine Universität Düsseldorf für den Bereich Wirtschaft Japans aufnahm. Im Anschluss arbeitete sie bis 2014 bei einer großen amerikanischen Unternehmensberatung, ehe sie noch im selben Jahr yooyama gründete.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.

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