15 Fragen an C. Riesenberger (Surprice Hotels) Ich habe gelernt, mich auch auf das Bauchgefühl zu verlassen”

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Christian Riesenberger von Surprice Hotels.
Ich habe gelernt, mich auch auf das Bauchgefühl zu verlassen”

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Chef zu sein bedeutet in meinen Augen, die einmalige Chance eigenverantwortlich Ideen und Visionen zu entwickeln, zu testen und final umzusetzen. Als kreativer Macher genieße ich diese Situation jeden Tag aufs Neue. Chef sein bedeutet für mich aber auch, meine Mitarbeiter immer wieder aufs Neue von der Idee zu begeistern und mit Hilfe ihrer Unterstützung Visionen Realität werden zu lassen.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Da es nicht mein erstes Start-up ist, kann ich hier schon fast von einer gewissen Tradition sprechen. Hierzu gehören immer ein gutes Glas Rotwein, eine entspannte Atmosphäre und ein Counterpart, mit dem man die Idee reflektieren kann. Diese Vorrausetzungen waren auch bei Surprice Hotels gegeben. Konkret war es 23:30 Uhr in der Divas Bar des Savoy Hotels in Köln.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Hier war ich in einer sehr komfortablen Situation, da die HRS Gruppe das Kapital für die Umsetzung der Idee zur Verfügung gestellt hat.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Die zunächst größte Herausforderung war, dass ich noch als Vorstand an mein altes Unternehmen gebunden war, aber unbedingt mit der neuen Idee starten wollte. Als dieses Problem geklärt war, galt es das neue Start-up innerhalb der HRS Gruppe zu positionieren. Angefangen von der Hardware über den Software Stack bis hin zur Arbeitsweise nutzten wir neue Wege und die galt es zu ebnen. Im Vergleich zu meinen bisherigen Erfahrungen waren diese Herausforderungen jedoch überschaubar.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Wenn ich eine Sache ändern sollte, dann wäre es die Besetzung der Geschäftsführung. Da ich ganz alleine war, hat mir manchmal ein Mitstreiter gefehlt, um bestimmte Herausforderungen gemeinsam zu besprechen. Auf der anderen Seite habe ich dadurch gelernt, Entscheidungen schnell und alleine zu treffen und mich manchmal auch auf das Bauchgefühl zu verlassen.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Surprice Hotels spricht eine junge, erlebnisorientierte Zielgruppe im Alter zwischen 25 und 40 Jahren an. Diese erreichen wir am besten über Social Media-Aktivitäten. Aus diesem Grund sind wir sehr aktiv bei Facebook, Twitter und Google+ und haben parallel zum Portal einen eigenen Blog mit Insidertipps aufgebaut. Die Aktivität unserer Fans auf Facebook und die Entwicklung der Fankurve zeigen uns, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben.

Parallel legen wir den Fokus stark auf SEO, da es für uns die günstigste Möglichkeit ist, qualitativ hochwertigen Traffic auf unser Portal zu bringen. Vor kurzem haben wir in Berlin zudem unsere erste Out-of-home-Kampagne gestartet, die gut angelaufen ist. Die Ergebnisse werden darüber entscheiden, ob wir außerhalb der klassischen Online-Channels diese Aktivitäten zukünftig forcieren werden. Und natürlich hat jedes Start-Up den Traum irgendwann mal im TV mit einem eigenen Spot vertreten zu sein.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
An dieser Stelle gilt mein Dank Tobias Ragge, Geschäftsführer von HRS, der mich immer unterstützt und auch gebremst hat, wenn ich mal versuchte mit dem Kopf durch die Wand zu gehen.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Ich würde ihnen den Tipp geben, folgende Fragen für sich ehrlich zu beantworten und das Projekt nur dann zu starten, wenn alle Fragen mit klarem JA zu beantworten sind:
1. Hat mein Produkt wirklich etwas Einmaliges, das sich vom Rest des Marktes abhebt?
2. Stehe ich wirklich 100 Prozent hinter dem Produkt und würde es auch kaufen, wenn ich nicht Gründer des Unternehmens wäre?
3. Wäre ich auch nach 3 Jahren und ohne Exit-Strategie noch bereit, an meiner Idee festzuhalten?
4. Kann ich mich auf meine Geschäftspartner zu 100 Prozent verlassen und ist allen klar, was es bedeutet, für den Erfolg in allen Lebensbereichen Zugeständnisse zu machen??

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Eine schnellere und unbürokratischere Unterstützung von Jungunternehmern mit Startkapital, günstige Büroflächen sowie weniger Bürokratie bei Fragen rund um die Themen Personal und Steuer.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Wenn Surprice Hotels nicht wäre, würde ich mich noch mehr in einem meiner anderen Start-Ups engagieren.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Ich hätte in den Anfangstagen gern hinter die Kulissen von Zalando geschaut, um zu erfahren, wie man eine Idee, die nicht neuartig ist, trotzdem erfolgreich im Markt umsetzt.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Ich finde die aktuelle Epoche richtig spannend. Großunternehmen mit langer Tradition, die vor 5 Jahren noch etwas Besonderes waren und auch entsprechend von der Börse bewertet wurden, stehen heute im Schatten von neuen E-Commerce-Unternehmen. Dies ist ein spannender Wandel, den ich nicht missen möchte!

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?

Endlich ein bisschen mehr Geld in mein Start-up Qalaoo.cm in Kamerun stecken. Die Menschen dort haben es verdient, wenigstens ein wenig von unserem Wohlstand zu profitieren. Es ist für mich meine Art der Entwicklungshilfe, die ich gern leiste.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Tagsüber in einem schönen SPA mit meiner Frau, danach ein deftiges Essen bei einem Pfälzer Winzer und am Abend ein gutes Glas Rotwein zu einem anregenden Gespräch. Und vielleicht entwickeln sich dann dabei neue Ideen.?

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Als begeisterter Rennsportfan und Liebhaber alter Autos würde ich mich gerne mal mit Niki Lauda treffen. Er ist für mich der Entrepreneur der 80er Jahre und es ist erstaunlich, wie er es immer wieder geschafft hat, aus Schicksalsschlägen neu aufzuerstehen und sein Wissen auch in neue Bereiche zu übertragen, die er dann wieder erfolgreich besetzte.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
Christian Riesenberger studierte Logistik in Ludwigshafen und hat nach mehreren beruflichen Stationen, darunter die PTV AG in Karlsruhe, HRS in Köln sowie YellowMap AG Anfang 2013 Surprice Hotels gegründet. Parallel ist er Mitbegründer der Gelben Seiten Kameruns und der Kiggi GmbH, einer Kinderhilfsinitiative, die sich für Kindertagesstätten einsetzt.

15 Fragen als eBook und in gedruckter Form

“Hinter den Kulissen deutscher Start-ups: 45 Gründer über den Aufbau ihres Unternehmens”, heißt der erste Titel der neuen Buchreihe von deutsche-startups.de. Unser erstes Buch, ein Best-of der Rubrik 15 Fragen an, steht unter dem Motto: Von Gründern lernen, sich von deutschen Unternehmern inspirieren lassen. 45 Gründer berichten von Ihren eigenen Erfahrungen, geben wertvolle Tipps und teilen ihre Inspirationen mit den Lesern. Weitere Infos über “Hinter den Kulissen”

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.