CineApp, Cinepass, Kinoheld und Co. Kinokarten online bestellen – Start-ups machen es möglich

Im Jahr 2013 verzeichneten die Kinos in Deutschland knapp 130 Millionen Besucher. Kinobesucher müssen sich inzwischen auch trotz Onlinebuchung nicht länger ein Papierticket an Kasse oder Automaten ziehen. Mehrere Start-ups wollen nun zum Marktplatz für Kinotickets aufsteigen.
Kinokarten online bestellen – Start-ups machen es möglich

Es gibt aktuell einen Boom der Kino-Plattformen, also Dienste, mit denen Onliner und Smartphone-Nutzer sich über das Kinoprogramm in ihrer Umgebung informieren und Kino-Tickets kaufen können (und teilweise noch mehr). Mit CineApp, Cinepass, cinexio, Kinoheld, Kinolo und MobyTick bearbeiten gleich eine ganze Reihe von jungen Unternehmen dieses scheinbar spannende Feld, das in den USA von Unternehmen wie Fandango und movietickets.com besetzt wird.

Der Grund für den Boom hierzulande ist simpel, wie Richard Ruben, Gründer von Cinepass ausführt: “85 % der Kinotickets werden immer noch an der Theke bezahlt”. Dies hat aber auch einen Grund, wie jedermann im Blog des Unternehmens nachlesen kann, demnach existierten bei Kinotickets bisher Anforderungen, “die aus einer Zeit stammen, als es noch kein Internet gab und diese wurden bisher nicht geändert”. Es geht dabei um das sogenannte SPIO-Siegel, welches man nicht einfach selbst drucken dürfe. “Kinos kaufen deshalb spezielles Papier, wo das Siegel schon aufgedruckt ist. Außerdem müssen an einem Tag ausgegebene Tickets in einem Kino eine fortlaufende Nummer haben, welche nach Ausgabe gezählt werden”, heißt es im Artikel weiter.

Das sei bei einem zentralen online System für mehrere Häuser alles nicht so einfach und vor allem für Einzelkinos fast unmöglich umsetzbar, wenn es um ein kinoübergreifendes Ticketsystem gehe. Somit dürfte klar sein, warum anders als bei Lieferdiensten bisher kein Marktplatz, keine zentrale Plattformen rund um den Kauf von Kinokarten entstanden ist. Seit dem vergangenen Jahr ist nun alles anders – dank einer Änderung des Filmförderungsgesetzes, welches es Dritten erlaubt, digitale Tickets anzubieten.

Kinobesucher müssen sich seitdem trotz Onlinebuchung nicht länger ein Papierticket an Kasse oder Automaten ziehen. Seitdem ist der Weg frei für CineApp, Cinepass, Kinoheld und Co. Auf alle Anbieter warten nun aber dennoch große Herausforderungen. “Die eigentliche Herausforderung liegt für Anbieter von Buchungsplattformen aber nicht in der Überzeugung des Endkunden sondern in der technischen Umsetzung, in der Gewinnung von Kooperationspartnern, also Kinobetreiber, und erst dann in der Neukundenakquise”, heißt es aus dem Hause CineApp. Doch was zeichnet die einzelnen Anbieter ihrer Meinung nach überhaupt aus – wir haben einmal nachgefragt.

CineApp
“Wir konzentrieren uns im ersten Schritt ausschließlich auf das Medium ‘Mobile’, da wir in dem E-Ticket auch ein reines Mobile Produkt sehen und die größten Potentiale damit im Mobile Segment ausgeschöpft werden können. Da sich Kunden heute immer spontaner und kurzfristiger für einen Kinobesuch entscheiden und da sich die Internetnutzung immer weiter auf auf Smartphone und Tablets verlagert, bietet die Akquise über das Smartphone zukünftig auch die größten Potentiale”, sagt Jonas Schreiber von CineApp. Und weiter: “Mit unserer CineApp wollen wir die Kinobetreiber in die Lage versetzen, präsenter im Netz zu sein und dabei aktiver und offensiver Kunden zu akquirieren. Andere Marktteilnehmer können Kinobetreibern ausschließlich den ‘Alle Kinos auf einer Plattform’-Ansatz bieten. Allein damit sind insbesondere große Kinobetreiber jedoch schwer von einer Vertriebspartnerschaft zu überzeugen”

Cinepass
“Cinepass ist mit seinem Web- und iOS-Angebot der einzige Anbieter, der Cross-Plattform unterwegs ist um so volle Convenience zu gewährleisten. Wir haben uns kürzlich mit einer anderen Kino-App, Cinery, zusammengeschlossen um ein noch besseres mobiles Nutzererlebnis zu schaffen”, sagt Cinepass-Macher Richard Ruben. “Derzeit sind wir mit einigen Kinos live, etwa Moviemento in Berlin, und die Akquise läuft auf Hochtouren. Dabei spielen die unterschiedlichen Ticketing-Systeme der Kinos sowie die Infrastruktur vor Ort natürlich auch eine wesentliche Rolle. Einige Systeme müssen erst noch komplett auf das E-Ticket umrüsten und vom Verband die Genehmigung für deren Vertrieb erhalten”, führt er weiter aus. “Im Gegensatz zur Konkurrenz benutzen wir verschiedene Datenquellen um den besten Media-Stream zu ermöglichen. Dabei ziehen wir Poster, Trailer, Spielzeiten, Deeplinks, Beschreibungen etc. von verschiedenen Quellen und fügen diese in unserer hauseigenen API zusammen”.

cinexio
“Cinexio ist eine kostenlose App mit einem einfachen Buchungssystem, dass den Benutzern die Ticketbuchung und die Platzauswahl in allen Kinos ihrer Umgebung ermöglicht. In Bulgarien haben wir uns bereits als Marktführer durchgesetzt und nun wollen wir versuchen, dasselbe in Deutschland zu erreichen!”, teilt das junge Unternehmen mit.

Kinoheld
“Nach der Einführung des E-Tickets im Zuge einer Übergangsregelung im Frühjahr 2014 ist das Produkt nun massentauglich. Während des Königsplatz Open Air Kinos in München mit 10.000 Plätzen bestand unsere Technologie einen weiteren erfolgreichen Härtetest. Bereits über 150 Kinobetriebe haben sich Kinoheld mittlerweile angeschlossen und nutzen somit die vielen Vorteile der digitalen Technologie”, sagt Kinoheld-Macher Constantin Schwaab. Der Münchner führt weiter aus: “Neben dem reinen Verkauf von Kinotickets über das Internet wurde das Produktportfolio mittlerweile auf den Vorverkauf von Concession-Artikeln und Gutscheinen erweitert. Das bedeutet: Der Kinokunde erwirbt auf der Webseite des Kinos seiner Wahl oder auf kinoheld.de neben Kinokarten auch vorkonfigurierte Pakete aus Speisen und Getränken zum Sparpreis. Eintrittsbarrieren werden gesenkt, dem Kinobesuch steht somit nichts mehr im Wege. So einfach ist Kino heute!”

Kinolo
“Partner von Kinolo sind unter anderem alle UCI Kinowelten, alle Kinos der Kinopolis Gruppe, fast alle Kinos der Cineplex-Gruppe und der Cinedom in Köln. Insgesamt hat Kinolo mehr als 120 Partner-Kinos und somit bundesweit die größte Abdeckung. Kinolo präsentiert seine Services innerhalb des redaktionellen Umfelds von reichweiten starken, Kino affinen Webseiten und Online-Portalen”, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Weiter heißt es: “Anders als andere Anbieter ist Kinolo somit dort, wo der Kinointeressierte sich über aktuelle Kinofilmen informiert, Trailer sieht, Berichte über Stars liest oder einfach im Kinoprogramm sucht, und bietet die Möglichkeit mit wenigen Klicks Online Tickets für die angeschlossenen Kinocenter zu kaufen. Kinolo ist als ‘White Label’ Lösung konzipiert, die sich perfekt im jeweiligen ‘Look and Feel’ in die integrierende Website einbettet und dem User eine zusätzliche interessante Funktionalität anbietet”.

MobyTick
“MobyTick setzt einen klaren Fokus auf mobile Nutzer und spricht somit spontane als auch vorausschauend planende Kunden an und ist bislang die einzige native Kino übergreifende App die verbindliche Ticketkäufe ermöglicht. MobyTick ist der einzige Service, der die nötigen Lizenzen der größten Kassensystemhersteller hält und die Schnittstellen erfolgreich in die App integriert hat. Eine weitere Besonderheit ist, dass sich Nutzer für einen verbindlichen Kauf nicht registrieren müssen und eine faire VVK-Gebühr von 50 Cent pro Ticket erhoben wird – höhere VVK-Gebühren und prozentuale Servicepauschalen, werden im Markt durch Verleiher und Kinobetreiber als sehr kritisch angesehen”, sagt MobyTick-Macher Vincent Marburger.

Reichlich Wettbewerb also – in einem mehr oder weniger großen Markt. Vielleicht ist das Bündnis von Cinepass und Cinery, die wir im April dieses Jahres schon einmal ausführlich vorgestellt haben, der beste Weg. Bei so vielen brandneuen Start-ups wäre es fast sinnvoll, wenn sich weitere Unternehmen zu schlagkräftigeren Einheiten zusammenschließen würden. Ähnliches wäre auch im Last-Minute-Ticketsegment hilfreich gewesen – siehe “Die mobile Ticket-App-Revolution blieb bisher aus“.

Foto: ON THE BIG SCREEN from Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.