Verpufft! Die mobile Ticket-App-Revolution blieb bisher aus

Es klangt so gut: Mehrere Start-ups riefen zuletzt die mobile Ticket-Revolution aus. Irgendwie blieb diese mobile Ticket-Revolution aber bisher aus. Die Geschichte von Tickethelden ist sogar schon zu Ende erzählt, das englische Start-up Frugl schnappte sich die Überreste des Unternehmens.
Die mobile Ticket-App-Revolution blieb bisher aus

Wer am Abend noch einmal schnell Lust auf ein Konzert, eine Show oder ein anderes Vergnügen hat, musste früher schon sehr viel Glück haben – etwa bei einem der wenigen Last-Minute-Ticketverkäufer in Großstädten wie Berlin. In den vergangenen Monaten versuchten Start-ups wie 50Hours, Tickethelden, TickTickTickets und TodayTickets dieses Konzept in den Massenmarkt zu bringen – übers Web bzw. als App.

In Österreich versuchte zuletzt etwa Hello Ticket das an sich spannende Segment zu erobern. Auch dieses Start-up rief dabei “die mobile Ticket-Revolution” aus. Irgendwie blieb diese mobile Ticket-App-Revolution aber bisher aus – in Österreich und auch in Deutschland. “Tatsächlich ist das Last-Minute-Ticketing ein schwieriges Feld. Vor allem die User Conversion zu wiederkehrenden Käufern ist für alle Mitbewerber im Markt eine Herausforderung”, sagt Florian Kosak, Macher von 50Hours.

ds-50hours

50Hours, ein Ableger aus dem Hause tab ticketbroker, musste schon im vergangenen Jahr den Gürtel enger schnallen und sein Entwicklerteam vor die Tür setzen – wie Gründerszene im Dezember berichtete. Zu den Akten gelegt hat Kosak seine Last-Minute-App aber noch nicht: “Wir arbeiten an Lösungen für 50Hours”. Zeitgleich laufe das langjähriges margenstarke B2B-Ticket-Geschäft gut. “Wir werden 2014 voraussichtlich einen siebenstelligen Umsatz erwirtschaften, berichtet er weiter. tab ticketbroker positioniert sich als europaweit tätiger Ticketvermittler und -vermarkter für verschiedene Live-Events. Das Unternehmen konzentriert sich hauptsächlich auf die Bereiche Musik, Kunst, Sport und Preisverleihungen und möchte mit seinem Dienst Veranstaltern zu einer höheren Auslastung und damit höherem Umsatz verhelfen.

ds-TickTickTickets-team

Mitbewerber TickTickTickets setzt unterdessen auf eine Kombination aus Veranstaltungskalender und Ticketschalter. “Der Groupon-Ansatz mit ‘nur’ einer einfachen Listung von rabattierten Tickets, wie von vielen eingeläutet, ist schwierig”, sagt TickTickTickets-Macher Bernard Berus (Foto: links). Mit TickTickTickets gehe er deswegen einen anderen Ansatz, bei dem die Technik zentral sei, um zu skalieren. Große Veranstalter und die B.Z. arbeiten laut Berus bereits mit TickTickTickets zusammen “und listen über die App täglich mehr als 500 Veranstaltungen”. TickTickTickets war im vergangenen Jahr in der ersten Klasse des Springer Accelerator – deswegen wohl der gute Draht zur B.Z. TickTickTickets fällt ansonsten dadurch auf, dass an vielen Laternen in Berlin Aufkleber des Start-ups kleben. Vielleicht hilft es ja, das Thema mobile Last-Minute-Tickets in den Massenmarkt zu bringen.

Die Geschichte von Tickethelden ist unterdessen schon zu Ende erzählt. Das englische Start-up Frugl, eine andere mobile Event-App, übernahm das deutsche Start-up vor wenigen Tagen. Mit der Übernahme will Frugl schneller in Deutschland durchstarten, Tickethelden wurde bereits abgeschaltet. Zum Gründerteam des Unternehmen gehörten Tobias Drews, Ahmad Bozjeloye und Heiko Garrelfs. Tickethelden wurde vom ProSiebenSat.1 Accelerator, sedo-Gründer Tim Schumacher und dem Munich-Investors-Circle (MUN-IC) finanziellunterstützt. Vor der Übernahme war es bereits sehr ruhig um Tickethelden. Das Start-up darbte förmlich vor sich hin. Somit war der Verkauf der richtige Schritt.

ds-todaytickets

Trotz Millionenfinanzierung durch den – inzwischen untergegangenen – Inkubator Epic Companies kam auch TodayTickets leider nicht richtig auf die Fahrbahn. Schon vor dem Aus von Epic war in Zusammenhang mit dem Unternehmen via Flurfunk immer wieder von Verkaufsgespächen die Rede. Bisher aber offenbar ohne Erfolg. Von mobiler Ticket-App-Revolution kann somit keine Rede sein. Mal sehen, ob Frugl noch einmal neue Akzente in Deutschland setzen kann.

Foto: Seat in Sports from Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.