15 Fragen an Lukas Brosseder von eDarling “Die Partnersuche ist eine weitreichende Entscheidung”

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Lukas Brosseder von eDarling.
“Die Partnersuche ist eine weitreichende Entscheidung”

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Der Fakt, mein eigener Chef zu sein, ist per se nicht wichtig für mich. Ich will die Freiheit und die Verantwortung haben, mein eigenes Schicksal zu bestimmen. Das bedeutet für mich, die Freiheit zu haben, meine Ideen in die Tat umsetzen zu können, aber auch die Verantwortung zu spüren, dass diese Ideen am Ende Wert stiften müssen. Für mich, meine Kunden, meine Kollegen und meine Investoren.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Den einen Moment der Ideenfindung gab es nicht bei meinem Mitgründer David Khalil und mir. Die Idee, Innovation bzw. frischen Wind in den schon 2008 recht betagten Online-Dating-Markt zu bringen, ist während unserer Zeit bei Rocket Internet über mehrere Monate gereift. Dort haben wir viele Geschäftsmodelle und Ideen gesehen und für uns evaluiert. Wir wollten etwas gründen, was Bestand hat und mit dem wir ein echtes Problem lösen können. Online Dating ist einer der großen Consumer Internet Märkte und wird dies auch bleiben. Die Partnersuche ist eine der weitreichendsten Entscheidungen im Leben eines Menschen. Hier zu unterstützen und Hilfe anbieten zu können, ist ein sehr schönes Gefühl.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Unsere Investoren sind neben dem Management Team und mehreren Business Angels Rocket Internet, Holtzbrinck Ventures, Augsburger Pressedruck und die IBB Beteiligungsgesellschaft.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Es gab keinen einzelnen großen Stolperstein, den es zu Überwinden galt. Viel mehr war es die ständige Iteration, die notwendig war, um falsche Annahmen und Irrwege, mit denen man immer mangels Erfahrung startet, zu korrigieren.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Es gibt sicherlich hunderte Fehler, die ich jetzt im Nachhinein und mit der Erfahrung der letzten 6 Jahre nicht noch einmal machen würde. Aber Fehler sind dafür da, gemacht zu werden. Was ich definitiv nicht ändern würde, ist die Geschwindigkeit, mit der wir eben solche gemacht und anschließend korrigiert haben.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Wir bespielen bei Affinitas alle wichtigen Marketingkanäle von Online bis TV. Je nach Land, in dem wir tätig sind, unterscheidet sich die Gewichtung etwas, aber alle Arten sind bei uns absolut integraler Bestandteil der Kundenakquise.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Ohne meinen Mitgründer David Khalil wäre ich die Gründung gar nicht erst angegangen und ohne Rocket Internets bzw. Oliver Samwers starken persönlichen Einsatz am Anfang hätten wir beide es nicht so schnell geschafft. Zusätzlich hatten wir das große Glück, dass wir gerade am Anfang von mehreren herausragenden Leuten unterstützt wurden. So waren im Team der ersten Stunde neben den beiden Koryphäen Florian Heinemann und Frank Biedka auch viele inzwischen gestandene Branchengrößen wie Uwe Horstmann, Johannes Kreibohm und Oliver Roskopf vertreten.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Die Geschwindigkeit, mit der man eigene Annahmen und Ideen überprüft und damit Fehler korrigieren kann, ist meiner Erfahrung nach oftmals der entscheidende Erfolgsfaktor.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Dass er zu Johanna Wanka geht, um ihr zu sagen, dass er seine Subventionen massiv zusammengestrichen hat und sie nun ein viel größeres Bildungsbudget zur Verfügung hat. Die Investition in unser Humankapital ist das, was uns langfristig nach vorne bringt. Gut ausgebildete, junge Talente verändern die Welt zum Besseren, nicht politisch incentivierte Subventionen.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Ich würde meinen Beruf an einer anderen Leidenschaft von mir orientieren: Skilehrer oder Bergführer vielleicht.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Dort wo ich am meisten lernen kann. Dafür gibt es viele Kandidaten: Wooga und Sociomantic gehören für mich auf jeden Fall dazu.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
In die Zukunft – je weiter, desto besser.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung. Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Einen guten Teil davon würde ich mit anderen teilen: Familie, Freunde und einem sozialen Projekt in Südafrika, das ich schon seit längerem unterstütze. Für mich selber gilt, auch wenn der Spruch schon sehr abgedroschen ist: Reisen ist das einzige, das du kaufen kannst und dich reicher macht.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Sportlich aktiv in der Natur – idealerweise in den Bergen oder am Meer.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Helmut Schmidt

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
Lukas Brosseder machte nach seinem Abschluss an der WHU Vallendar mit Auslandsaufenthalten in Argentinien seinen MBA in Texas, USA. Den beruflichen Einstieg fand er im Bereich der Strategieberatung und gründete anschließend 2008 gemeinsam mit David Khalil die Online-Partnervermittlung eDarling. Im Herbst 2012 starteten die Geschäftsführer zusätzlich die Online-Dating Plattform Shopaman. eDarling ist mittlerweile in 25 Ländern weltweit vertreten.

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.