15 Fragen an Bill Jones von CiteeCar “Der wichtigste Marketing-Kanal ist die Meinung der Kunden”

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Bill Jones von CiteeCar.
“Der wichtigste Marketing-Kanal ist die Meinung der Kunden”

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Sein eigener Boss zu sein, bedeutet für mich vor allem: Niemals jemand anderem die Schuld zu geben als sich selbst. Auch ohne einen direkten Vorgesetzten hat man natürlich Verantwortlichkeiten; besonders gegenüber den Aktionären. Man muss sich der Tatsache sehr bewusst sein, dass man deren Geld ausgibt und dementsprechend verantwortungsbewusst handeln. Dies gilt beim kleinen Startup ebenso wie beim etablierten Großunternehmen.“

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Nach vielen Jahren bei den Autovermietern EasyCar und Hertz Europe war für mich klar, dass die nächste große Veränderung der Branche von einem Carsharing-Modell ausgehen wird. In dieser Zeit führte ich viele Gespräche mit dem späteren CiteeCar-Mitgründer Mauro Mariani, der damals beim luxemburgischen Finanz-Investor Mangrove tätig war. Wir waren uns einig, dass es der richtige Moment ist, ein unabhängiges, wertorientiertes Carsharing-Unternehmen zu starten.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Das Startkapital, das uns die Gründung von CiteeCar ermöglicht hat, stammt von unserem Hauptinvestor Mangrove Capital Partners. In einer zweiten Finanzierungsrunde hat sich neben Mangrove auch Bscope beteiligt, der Investment-Arm eines führenden europäischen Family Office mit langjähriger Erfahrung in der Automobilindustrie.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Das Schwierigste war sicher, einen Autohersteller zu überzeugen, uns eine Flotte mit mehreren hundert Fahrzeugen zur Verfügung zu stellen. Man darf nicht vergessen: Zu dieser Zeit waren wir ein Unternehmen ohne Marke, ohne Reputation, ohne Geschichte. Wir mussten viel Überzeugungskraft leisten, aber am Ende haben wir mit KIA einen starken Partner gefunden.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Wirklich anders machen, würde ich nichts. Aber vielleicht hätten wir rückblickend insgesamt noch mehr wagen können.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Für CiteeCar ist der wichtigste Marketing-Kanal die Meinung der Kunden. Denn unser Geschäftsmodell ist stark um die Community der Kunden aufgebaut. In vielen Fällen teilen diese sich ein Fahrzeug mit Menschen, die sie persönlich kennen, z.B. mit Nachbarn oder Freunden. Sagt dir so jemand, etwas ist gut – glaubst du es. Sagt dir jemand, den du kennst, etwas ist schlecht – wirst du es meistens auch glauben. In diesem Zusammenhang spielt auch virales Marketing eine große Rolle, denn Meinungen werden heute natürlich auch im Internet geteilt. Darüber hinaus verfolgen wir mit unserem Marketing hauptsächlich zwei Strategien: Zielgerichtete PR und umfassendes Online Marketing.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
In erster Linie unsere Aktionäre und die KIA Motors Group, zu der wir von Anfang an ein ausgezeichnetes Verhältnis haben – das bis heute andauert. Persönlich wurde ich natürlich vor allem von meiner Frau unterstützt, die gerade in der Gründungsphase sicher einiges mitgemacht hat.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Es ist zwar ein Klischee, aber es stimmt: Habe keine Angst vorm Scheitern! Das Schlimmste ist, es gar nicht erst zu versuchen. Und zweitens: Warte nicht bis du sechzig bist, um deine Pläne umzusetzen!

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Jedes Startup wünscht sich bei der Gründung Hilfe – sei es finanzieller Natur oder durch fachkundige Beratung. Beides ist von staatlicher Seite schwer zu bekommen. Wir waren am Anfang auch auf uns allein gestellt und mussten uns Experten von außen dazu holen, z.B. um die vielen rechtlichen Fragen zu klären. Dadurch entstehen natürlich hohe Kosten, die besonders in der Anfangsphase eines Startups nicht leicht zu schultern sind. Ein bisschen mehr Unterstützung für junge Unternehmen wäre daher sicher wünschenswert.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Zunächst muss man natürlich sagen, dass ich bereits vor CiteeCar mehr als dreißig Jahre in verschiedenen Unternehmen tätig war. Ohne CiteeCar hätte ich wahrscheinlich meine Arbeit als Manager, Berater und Coach fortgesetzt, die mir auch viel Spaß gemacht hat. Aber es hätte auch alles ganz anders kommen können, denn eigentlich wollte ich früher immer Journalist werden.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Ein spannendes neues Unternehmen ist das Startup Outfittery. Ich bin selbst Kunde, da mich die Geschäftsidee sehr anspricht. Ich mag es nicht, Klamotten zu kaufen und hier kommt Outfittery ins Spiel. Via Telefon oder Email kann man eine persönliche Stilberatung in Anspruch nehmen und sich die gewünschten Kleidungstücke direkt nach Hause schicken lassen. Kleidung und Accessoires werden also von Experten individuell auf jede Person abgestimmt. Eine super Sache!

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Ich würde in die Zukunft reisen! Um ehrlich zu sein, bin ich so fasziniert davon, welche Fortschritte es vor allem technisch in den letzten hundert Jahren gegeben hat, dass mich die kommende Entwicklung am meisten reizt. Wie Menschen heute leben, arbeiten oder kommunizieren, unterscheidet sich einfach unglaublich von den Gegebenheiten meiner Kindheit. Deshalb würde mich sehr interessieren, wie die Welt in noch einmal hundert Jahren aussieht.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Wenn ich so viel Geld zur Verfügung hätte, würde ich es vor allem einsetzen, um anderen – besonders Kindern – zu helfen. Es gibt viele Kinder, die aus den unterschiedlichsten Gründen in problematischen Verhältnissen groß werden und für die ein wenig Unterstützung schon einen großen Unterschied macht.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Ich beginne fast jeden Sonntag im Fitnessstudio. Danach gehe ich häufig mit meiner Frau in angenehmer Atmosphäre Mittag essen. Und am Nachmittag finden wir fast immer guten Sport im Fernsehen.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Ich würde gerne Luis Suárez treffen. Mich würde interessieren, was in seinem Kopf vorging, als er bei der Fußball-WM zum Biss angesetzt hat.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
Bill Jones hat über 25 Jahre Erfahrung auf internationaler Führungsebene. Vor seiner Tätigkeit als Vorstand der CiteeCar S.A. war Jones u.a. vier Jahre CEO beim Autovermieter EasyCar sowie von 1998 bis 2007 Vizepräsident Marketing und Sales bei Hertz Europe. Zudem war er als UK Managing Director für das Disneyland Paris verantwortlich, arbeitete als Senior Vicepresident Travel für Thomas Cook in Kanada sowie als Commercial Director für Hogg Robinson Travel.

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.