Valentin Stalf von Number26 “Die Bankfiliale der Zukunft wird das Handy sein”

Mit dem Slogan "Banking aber besser" startete im vergangenen Jahr Number26, eine Anwendung, die das verstaubte Image der Bankgeschäfte aufpolieren will. Im Gründer-Kurzinterview mit deutsche Start-ups spricht Stalf über modernes Banking, klassische Direktkunden und die Kontrolle über die eigenen Finanzen.
“Die Bankfiliale der Zukunft wird das Handy sein”

Der Bankensektor hat ein Imageproblem: er ist zu wenig transparent, überteuert und die Öffnungszeiten der Filialen entstammen auch einem anderen Jahrhundert. Das Gewerbe entstauben will Gründer Valentin Stalf mit Number26, einer App, die sich neben Grundfunktionen eines Kontos auf den mobilen Zugriff durch die Kunden fokussiert. Im Gründer-Kurzinterview mit deutsche Start-ups spricht Stalf über modernes Banking, klassische Direktkunden und die Kontrolle über die eigenen Finanzen.

Welche Idee steckt hinter Ihrem Start-up?
Wir machen Banking aber besser. Einfacher, moderner und sicherer. Wir machen, was traditionelle Banken nicht schaffen – Banking für die Generation Y und das ganze sicherer und kostenlos.

Wie sehr bzw. in welchen Punkten hat sich ihr Konzept von der ersten Idee bis zur Gründung verändert?
Unsere Idee hat sich stark verändert. Ursprünglich angefangen haben wir mit Papayer, einer innovativen Prepaidkarten-Lösung für Jugendliche und deren Eltern. Aufgrund des positiven Feedbacks haben wir uns aber entschieden, aus der Nische auszubrechen und Banking insgesamt zu modernisieren.

Wer sind Ihre Mitbewerber und wie grenzen Sie sich von ihnen ab?
Grundsätzlich sind die Mitbewerber die klassischen Direktbanken. Hier grenzen wir uns in vielen Bereichen ab. Wir haben das Giro-Konto endlich ins 21. Jahrhundert gebracht. Alle Ausgaben werden in Echtzeit dargestellt und automatisch in Kategorien eingeteilt, so behalten unseren Kunden ihre Finanzen unter Kontrolle.

Wir fokussieren vor allem auf die mobile Experience der Kunden, da wir davon überzeugt sind, dass die Bankfiliale der Zukunft das Handy sein wird. Unser Konto können wir in Verbindung mit dem Handy noch sicherer machen, z.B. kann die Karte mit nur einem Klick in der mobilen App gesperrt und entsperrt werden und für jeden Umsatz wird eine Mitteilung aufs Handy gesendet – so kann bei unauthorisierter Verwendung sofort eingegriffen werden. Traditionelle Banken haben aufgrund ihrer veralteten IT-Systeme oft Probleme da mitzuhalten.

Was ist der entscheidendste Faktor, damit Ihr Start-up den Durchbruch schafft?
Ein wesentlicher Faktor ist sicher die ‚mobile experience’, die den Kunden geboten wird. Wenn unser Produkt überzeugt, werden wir genügend Kunden begeistern. Darüber hinaus ist unser Image ein wichtiger Faktor. Number26 soll für sichereres und moderneres Banking stehen. Dazu brauchen wir das Vertrauen der Kunden – das ist nicht ganz einfach im Bankgeschäft, aber ich glaube die traditionellen Banken haben es auch nicht leicht, wenn alle Jahre der Staat Milliarden nachschießen muss – das Image der Großen hat hier gelitten.

Wie wollen Sie Geld verdienen und wann schreiben sie schwarze Zahlen?
Wann wir schwarze Zahlen schreiben hängt davon ab, wie schnell und stark wir wachsen wollen. Unser Produkt ist komplett kostenlos – wir verrechnen dem Kunden keine Gebühren. Wenn die Kunden ihre Karte einsetzen, verdienen wir. Dann zahlt der Händler eine kleine Gebühr, von der wir einen Teil abbekommen. Zusätzlich verdienen wir wie eine traditionelle Bank an den Geldern die unsere Kunden auf ihren Konten liegen haben.

Welche Märkte wollen Sie mittel- und langfristig erobern?
Number26 ist ein europäisches Projekt. In den nächsten 12 Monaten geht es aber erst mal um Deutschland. Wir sind überzeugt, dass langfristig die Zeit reif für ein paneuropäisches Bankenprojekt ist.

Welche Meilensteine wollen Sie in den kommenden zwölf Monaten auf jeden Fall erreichen?
Wir konzentrieren uns auf die ersten glücklichen Kunden und freuen uns den alten Banken Marktanteile wegzunehmen. Die Zeit ist reif, dass die alten Banken aufwachen.

Im Fokus: Weitere Interviews mit jungen Gründern gibt es im Special Gründerinterviews

Zur Person:
Valentin Stalf studierte Accounting & Finance an der Universität St. Gallen, Sophia University in Tokyo und an der Wirtschaftsuniversität Wien. Während seines Studiums arbeitete er in unterschiedlichen Bereichen und machte unter anderem Station in der Strategieberatung (Roland Berger) und im Investement Banking (Deutsche Bank). Nach dem Abschluss seines Masters 2012 begann er beim Internet Incubator Rocket Internet als Entrepreneur in Residence. 2013 gründete er gemeinsam mit Maximilian Tayenthal Number26, ein Start-Up mit Sitz in Berlin, das es sich zum Ziel gemacht hat, die Banking Industrie zu revolutionieren.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.