15 Fragen an David Federhen (uberall) “Pete Sampras war mein großes Idol”

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet David Federhen von favor.it labs (uberall.com).
“Pete Sampras war mein großes Idol”

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Mein eigener Chef zu sein, bedeutet für mich vor allem, mir meine Mitstreiter und Kollegen größtenteils selbst aussuchen zu können. Mein ältester Freund Florian (Hübner) und ich haben favor.it labs, das Unternehmen hinter uberall.com, gemeinsam aus der Taufe gehoben – und ich denke, wir beiden genießen es sehr, nach Jahren in der Unternehmensberatung, maßgeblich selbst für Erfolg oder Misserfolg unseres Unternehmens verantwortlich zu sein.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Florian und ich haben schon zu Schulzeiten immer gesagt, dass wir gerne einmal gemeinsam etwas machen würden. Damals in den Prä-Internet-Zeiten war zwar sicherlich noch nicht abzusehen, was – aber der Wunsch war auf jeden Fall da. 2012 bot sich dann die Chance und aus unserer ersten Idee, der mobile App favor.it, ist in einem iterativen Prozess des Lernens uberall.com entstanden.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Die ersten paar Monate haben wir uns selbst finanziert. Als wir sicher waren, dass wir aus unserer Idee tatsächlich ein Unternehmen machen wollen, haben wir Burckhardt Bonello und Benjamin Otto angesprochen, die ich noch aus meiner Zeit als Gründer und Geschäftsführer bei Returbo kannte. So hatten wir schnell das erste Startkapital zusammen. Ein gutes halbes Jahr später hat dann noch Project A investiert. In 2014 konnten wir mit United Internet einen weiteren namhaften Investor gewinnen. Darüber hinaus fördert uns die Investitionsbank Berlin im Rahmen des ProFIT-Programms.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Schwer zu sagen. Vermutlich, unsere Ideen mit den tatsächlichen Bedürfnissen und Wünschen unserer Zielgruppe in Einklang zu bringen. Das veranschaulicht auch die permanente Weiterentwicklung des Produkts von favor.it zu uberall.com.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Eigentlich bin ich glücklich damit, wie alles gelaufen ist. Fehler sind notwendig, um zum Erfolg zu kommen. Wir haben aus jedem unserer Fehler gelernt und ich behaupte, dass tun wir auch weiterhin.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Naja, bekannt werden ist ja nicht gleich bekannt werden. Wir haben kein B2C-Produkt und leben auch nicht davon, jeden Tag in der Presse zu stehen. Wichtig ist für uns vielmehr die gezielte Ansprache unserer Hauptzielgruppen: große Vertriebspartner, Filialisten, Franchises und all die KMUs da draußen. Dafür bauen wir nach und nach eine schlagkräftige Sales-Organisation auf.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Florian, Josha, der dritte Mitgründer im Bunde, und ich – wir haben uns gegenseitig unterstützt – so wie es auch sein sollte. Darüber hinaus waren wir schon sehr autark.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Ich würde sagen: Habt keine Angst! Es wird immer eine Menge schiefgehen und die Chancen auf großen Erfolg sind statistisch betrachtet vermutlich nicht allzu hoch…aber davon darf man sich nicht abschrecken lassen. Wer schon im Moment der Problemerkennung eigentlich damit beschäftigt ist, eine Lösung zu finden, statt nur zu lamentieren, der wird früher oder später auch Erfolg haben.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Ehrlich gesagt halte ich wenig von der Idee, die deutsche Politik zu nah an die „Gründerszene“ heranzulassen. Aber wenn ich mir etwas wünschen müsste, dann vermutlich, dass mehr dafür getan wird, Unternehmertum positiv in die Gesellschaft zu tragen.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Vermutlich würde ich bei einem arbeiten.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Bei Tesla und Space X. Ich würde mir gerne selbst ein Bild darüber machen, wie cool Elon Musk wirklich ist und wie eng er tatsächlich tagtäglich mit den Innovationsprozessen beider Unternehmen verbunden ist.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
In die Zeit des frühen Kalten Krieges. Historisch finde ich diese Zeit unglaublich spannend. Und neben den vielen anderen sehr spannenden Epochen wirkt sich diese immer noch sehr fühlbar auf unser heutiges Leben aus. Ganz besonders in Berlin ist diesem Gefühl natürlich auch nur schwer zu entkommen.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Eine schöne Wohnung in Berlin kaufen. Mit Dachterrasse! Den Rest sollte ich dann vermutlich werthaltig und langfristig anlegen…

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Ach, das ist ganz unterschiedlich. Aber ich bin frisch verliebt – also auf jeden Fall mit meiner Freundin.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit Pete Sampras. In meiner Jugend habe ich fast jeden Tag auf dem Tennisplatz gestanden und Pete Sampras war mein großes Idol – eigentlich mein einziges. Meine Wahrnehmung war, dass er im Gegensatz zu dem ein oder anderen immer der perfekte Gentleman, immer zurückhaltend und immer authentisch war – und total bodenständig geblieben ist. Ich glaube, von jemandem wie ihm kann man auf und neben dem Platz viel lernen – und er wäre ein willkommener Gegenpol zu den vielen Lautsprechern, die uns in der Startup-Szene umgeben.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
David Federhen gründete im März 2012 die favor.it labs GmbH mit Sitz in Berlin. Das Software-Unternehmen betreibt unter anderem den Online-Listing-Service uberall.com. Federhen machte 2005 seinen BWL-Abschluss an der International University in Germany (Bruchsal) und absolvierte anschließend einen Master-Studiengang in International Relations an der University of Kent in Großbritannien. Seine berufliche Laufbahn begann er 2005 bei der Unternehmensberatung Roland 2010 wagte er den Sprung in die Selbstständigkeit. Als Gründer und Geschäftsführer der Arena RKD GmbH baute Federhen den Online-Elektronikhändler returbo.de auf.

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.

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