About You als Speerspitze eines Ökosystems

Otto Group-Projekt Collins lüftet all seine Geheimnisse

Seit langem brodelte die Gerüchteküche, was sich hinter dem vielumtuschelten Projekt Collins der Otto Group verbirgt. Jetzt hat das Start-up die Türen seines Geheimlabors geöffnet und gibt den Blick frei auf sein neu geschaffenes E-Commerce-Ökosystem.
Otto Group-Projekt Collins lüftet all seine Geheimnisse
Montag, 12. Mai 2014VonElke Fleing

Denn man muss wirklich von einem kompletten Ökosystem sprechen, das das Projekt Collins aus dem Boden stampft. Schon das Flaggschiff von Collins, der Fashion-Online-Shop ABOUT YOU, der parallel zum gesamten Projekt launchte, ist alles andere als einfach nur noch ein Online-Shop.

Zwar stellt man Online-Shopping bei ABOUT YOU ganz eindeutig unter das Motto ein ‘prickelndes Einkauferlebnis’ zu schaffen:

Um die Zielgruppe junger, fashion-affiner Frauen und Männer anzusprechen, bietet man ihnen einen Online-Shop, der von Design, Produktpräsentation und Usability her absolut State oft the Art und sehr gut sortiert ist: Zum Launch können die Kunden aus einem kuratierten Sortiment mit mehr als 50.000 Artikeln wählen.

So weit so schick – aber doch weitestgehend normal, wenn auch oberste Liga innerhalb des Wohlbekannten.

Richtig spannend aber wird Collins und auch ABOUT YOU vor allem aber durch andere Punkte als den hochkomfortablen und schicken Shop:

Einfache Skalierbarkeit durch Shop-Plattform, die auch für andere Verticals genutzt werden kann
Damit das Shopsystem leichter skalierbar ist, hat man ABOUT YOU auf einer selbst entwickelten Plattform aufgesetzt. Diese wird auch weiteren Verticals von Collins als Backbone dienen. Einige gibt es sogar schon:

Der Fashion-Shop Edited wurde im März 2014 gestartet und adressiert eine noch jüngere Klientel als ABOUT YOU und sein Sortiment verbindet etablierte Marken mit in Deutschland exklusiven Newcomer-Labels.

Schon seit Oktober 2013 wird Sister Surprise getestet, ein Online-Shop der die Nische der Lingerie und Bademoden für Frauen zwischen 25 und 35 Jahren bedient.

Und ebenfalls schon live aber noch nicht breit kommuniziert ist Mary & Paul, der ebenfalls die junge Generation adressiert.

Der wahre Coup verbirgt sich hinter dem kurzen Satz: ‘Wir nennen es Open Commerce’

Projekt Collins: Open Commerce from Projekt Collins on Vimeo.

Collins meint es ernst, wenn sie sagen, sie wollen Online-Shopping für Jede und Jeden zu einem echten Einkaufserlebnis machen.

Zum einen entsteht dieses individuelle Einkaufserlebnis durch eine lernfähige Software, die dafür sorgt, dass die Kunden zunehmend vor allem das angezeigt bekommen, was ihnen wahrscheinlich gefällt.

Zum zweiten heißt das: Customized Produkte, Entertainment, reichlich Vernetzungsmöglichkeiten im Social Web und unterschiedliche Zugänge zum Sortiment, weil ja jeder Mensch anders tickt. Diese verschiedenen Zugangsmöglichkeiten werden durch Apps geschaffen.

Apps, die inhouse erstellt werden, aber vor allem auch Apps, die externe Developer entwickeln können. Denn, so sagt Gründer Benjamin Otto: “Die besten Ideen entstehen auf Dauer nicht in einem Unternehmen allein, sondern oft durch einzelne kreative Köpfe, mit denen wir eine neue Dimension für den Online-Handel erschließen können.”
Im ABOUT YOU Dev-Center können sich Entwickler und Ideengeber sich mit ihren Apps bewerben.

Es gibt dort sogar einen eigenen Inkubator, der Entwickler und Ideengeber mit Tat und Rat gründlich unterstützt. Angenommene Bewerber können hier von Coaching über Arbeitsraum und einem Marketing-Budget bis hin zur personellen Ressourcen jedwede Form der Unterstützung bekommen.

Über die API werden angenommene Apps dann direkt in das ABOUT YOU-System eingebunden, denn die Plattform, die der technologische Clou hinter dem Online-Shop ist, basiert auf Open Source.

Und zum dritten wird für ein tolles Einkaufserlebnis das ABOUT YOU-Sortiment ergänzt durch das externer Händler, die – ebenfalls via App – ihr eigenes Sortiment ebenfalls über ABOUT YOU anbieten können. Die Kollegen von t3n haben zu diesem Thema ein schönes Interview mit Andreas Krönke von Silberäffchen geführt, deren Angebot bereits bei ABOUT YOU aufgenommen wurde. 29 Apps insgesamt gibt es schon jetzt.

Die Köpfe hinter Collins
collins-management

CEO und einer der beiden Gründer des Projekts Collins ist Benjamin Otto, Enkel des Unternehmensgründers Werner Otto.

2013 akquirierte Otto zwei gut eingeführte Digital-Agenturen: NetImpact und creative-task – deutsche-startups.de berichtete: Otto übernimmt NetImpact und Creative-Task – und übernahm deren Teams ins Projekt Collins. Deren Geschäftsführer Sebastian Betz und Tarek Müller (neben Benjamin Otto Gründer des Projekts Collins) vervollständigen denn auch folgerichtig das Management-Team von Collins, gemeinsam mit Hannes Wiese, ehemaliger Stratege bei Roland Berger.

Bei deutsche-startups.de findet sich auch ein Video-Interview mit Müller über Otto und die Mentalität des Scheiterns.

Insgesamt hat Collins inzwischen 140 Mitarbeiter und wird vom Mutterkonzern nicht nur mit einem dreistelligen Millionenbetrag ausgestattet, sondern kann auch von dessen Retailer-Kompetenz und Know How profitieren.

Built to last? Die Zeit wird’s zeigen
Der Name des Projekts: ‘Collins’ ist Programm. Er geht auf den US-Managementexperten Jim Collins und sein Werk “Built to last” zurück, in dem er untersucht hat, wie große Unternehmen dauerhaft erfolgreich bleiben können, indem sie permanente Veränderung vorantreiben.

Und die Konzepte, die das Start-up entwickelt hat, sind so vielversprechend, dass dem Projekt Collins wirklich zu wünschen wäre, dass es erfolgreich wird und bleibt. Wenn man die Aufmerksamkeit der Medien hochrechnen dürfte auf die Zahl der Nutzer, App-Entwickler und Ideengeber, dürfte Collins jedenfalls sehr schnell eine kritische Masse erreichen.

PS: Eine exzellente Analyse zur Motivation von Otto zum Projekt Collins mit vielen Hintergrundinformationen und strategischen Gesichtspunkten lieferte übrigens schon im Juni 2013 Alexander Graf in seinem Artikel Projekt “Collins”: Warum Otto so handelt – absolut lesenswert!

Elke Fleing

Elke Fleing aus Hamburg liefert Texte aller Art, redaktionellen Content und Kommunikations-Konzepte. Sie gibt Seminare, hält Vorträge und coacht Unternehmen. Bei deutsche-startups.de widmet sie sich vor allem Themen und Tools, die der Erfolgs-Maximierung von Unternehmen dienen.