Fredrik Keitel (Clans.de) im Portrait “700 Millionen Gamer sind ein riesiger Markt!”

Das Potential von Computerspielen wird noch längst nicht ausgeschöpft, glaubt Fredrik Keitel. „Da brodelt etwas, was viele noch nicht erkennen.“ Er selbst, ein begeisterter Zocker, hat das Potential frühzeitig erkannt und mit der Plattform Clans.de einen Nerv in der Gamer-Szene getroffen.
“700 Millionen Gamer sind ein riesiger Markt!”

Fredrik Keitel ist Profi-Zocker, Unternehmer, Studier-Verweigerer und als „Schöneberger Hausgeburt“ ein waschechter Berliner. Seine Teeny-Zeit verbrachte er hinter dem PC – zum Leidwesen seiner Eltern und Lehrer. Heute sagt er, dass er beim Zocken alles Wesentliche übers Gründersein gelernt hat. Er könnte recht behalten: Demnächst steht die Internationalisierung seines Start-ups Clans.de an.

Clans.de: 1,5 Millionen Page Impressions im Monat

Das Potential von Computerspielen wird noch längst nicht ausgeschöpft, glaubt Keitel. „Da brodelt etwas, was viele noch nicht erkennen.“ Er selbst hat das Potential frühzeitig erkannt und mit der Plattform Clans.de einen Nerv in der Gamer-Szene getroffen. Mit dem Webseiten-Baukasten können Spieler ohne Design- und Programmierkenntnisse eine Homepage für ihren Clan oder ihre Gilde erstellen – ein Angebot, das nach einem guten Jahr bereits über 20.000 Clans und Gilden nutzen.

Auch andere Zahlen klingen vielversprechend: Keitel verweist auf 250.000 Visits in den vergangenen vier Wochen und rund 1,5 Millionen Page Impressions. Das alles bei organischem Wachstum, denn Clans.de ist selbstfinanziert. Keitel scheint selbst etwas verwundert über die rasante Entwicklung von Clans.de an, auch Stolz schwingt in seiner Stimme mit. Zur Erinnerung: Neben Clans.de hatte sich auch Teams United am Thema Clans und eSports probiert, musste aber trotz sechsstelliger Finanzierungssumme und viel Medienaufmerksamkeit Ende 2012 die Pforten schließen. „Bei unserer Domain Clans.de wird deutlicher, wofür wir stehen“, wagt Keitel einen Erklärungsversuch.

Mit 15 Vizeweltmeister in Starcraft

Als begeisterter Zocker sah Keitel den Bedarf nach einem Webseiten-Baukasten für Clans. Er selbst tummelte sich seit seiner Schulzeit in dieser Welt, spielte erst Starcraft, dann Online-Poker – beides mit großem Erfolg. Mit 15 flog er nach Korea zu den World Cyber Games und wurde Vizeweltmeister in Starcraft. Eines seiner Clan-Mitglieder zog ihn später zum Online-Poker. Mit einem weiteren ehemaligen Clan-Gefährten kehrte er schließlich wieder in den eSport zurück, um zusammen mit dem heutigen Clans.de-Geschäftsführer Kambiz Hashemian 2011 Clans.de zu gründen. Seit Herbst 2012 ist die Plattform online.

Während der Schulzeit waren Computerspiele seine Parallelwelt, berichtet der 29-Jährige. Auf der Grundschule war die Welt noch in Ordnung, beinahe hätte er eine Klasse übersprungen. Auf dem Gymnasium kam er dann mit dem System nicht mehr klar. „Altbürokratisch und langweilig“ empfindet er das aktuelle Schulsystem, „alle werden in eine Masse gezwängt, positive und negative Ausschläge haben es schwer. Sich anzustrengen und schneller zu sein als andere brachte keine Vorteile, das hat mich frustriert.“ Immer häufiger habe er gefehlt und statt dessen lieber gezockt. Wenn er heute davon erzählt, dass er die neunte Klasse „aus pädagogischen Gründen“ wiederholen musste, kann er darüber lachen.

clansde_WorldCyberGames_2005

Beim Spielen hat Keitel nicht nur seinen besten Freund und seine erste Freundin kennen gelernt, sondern auch Wesentliches fürs Leben gelernt: strategisches Denken, Ressourcen-Management, sich flexibel auf unterschiedliche Gegenüber einstellen, Multi-Tasking. Noch heute ist er von seiner „Einstiegsdroge“ Starcraft begeistert.

Das Klischee des beziehungsunfähigen Gamers findet er Quatsch: „Schon damals haben wir über Foren und icq kommuniziert und uns vernetzt. Ich habe viele globale Freundschaften geschlossen.“ Es könne schon vorkommen, dass er sich auch mal tagelang in seine Spielewelt zurückzieht. Aber dann kommt er auch wieder raus, geht auf Partys, trifft Leute und führt ein normales Leben – Er sieht sich selbst als „Nerd aus Leidenschaft“, der sowohl abtauchen kann als auch gesellig sein.

Partyleben? „Vorbei.“

Mit wilden Partynächten ist es jetzt allerdings vorbei. Das bringt das Gründerleben so mit sich. Am Anfang hat er das meiste noch seinen Mitgründer Kambiz Hashemian machen lassen, der schon etwas älter, erfahrener und perfektionistischer ist als Keitel. Mittlerweile hat er gemerkt, dass es Vorteile mit sich bringt, wenn man als Gründer mit seiner biologischen Uhr lebt und nicht gegen sie. „Ich habe im letzten Jahr die Transformation vom jungen Erwachsenen zum verantwortungsvollen Gründer erlebt“, lacht er. „Mittlerweile gebe auch ich meine maximale Energie mit rein.“

Bei Clans.de kümmert sich Keitel um die strategische Ausrichtung, um die Geschäftsentwicklung und die Finanzierung. Und merkt dabei, wie stark er davon profitiert, dass er als Spieler ständig eigene Lösungswege gesucht hat, die nicht der Norm entsprachen.

Der schwierigste Bereich beim Gründen ist die Finanzierung, glaubt er – neben dem Finden von guten Mitarbeitern. „Wenn man ein Start-up in einem innovativen Markt aufbaut, hat man es in der deutschen VC-Gesellschaft schwer. Die Amerikaner sind uns in der Hinsicht leider wieder einmal voraus, obwohl Deutschland einer der wichtigen eSport Länder der Welt ist“, kritisiert er. Immerhin: Das Start-up befindet sich in Investoren-Gesprächen, für die geplante Internationalisierung im Sommer wäre eine Finanzspritze nicht schlecht.

„700 Millionen Gamer sind ein riesiger Markt“

Mit Clans.de fährt das Team noch keine Einnahmen ein. Ideen gibt es aber viele, vor allem drei Säulen wollen die Gründer testen: gesponserte Nachrichten im Newsstream, Schnittstellen zu passenden Kooperationspartnern wie Serververmieter und Fanprodukte-Shops sowie Premium-Mitgliedschaften. Welches Modell es am Ende werden wird, steht noch in den Sternen. Keitel sieht dem Thema gelassen entgegen. Wenn er liest, wie der Gaming-Markt Jahr für Jahr weiter wächst, weiß er, dass sie mit ihrer Idee genau richtig liegen. „700 Millionen Gamer sind ein riesiger Markt! Auch ist der heutige Durchschnittsspieler nicht mehr 15 sondern 31 Jahre alt – das hat die Kaufkraft sehr verändert.“

Bleibt noch die Frage, was die Gründerszene von der Spieleszene lernen kann? „Man kann in der Gemeinschaft mehr erreichen, das machen Clans deutlich“, sagt Keitel ohne zu überlegen. Und auch, dass einem Sachen leichter fallen, wenn sie Freude machen. Er ist überzeugt, dass Gamification auch im Bildungssektor Einzug halten wird. „Der Erfolg der Khan Academy zeigt deutlich, dass Lernen etwas Tolles ist und man dabei durchaus Spaß haben kann.“ Mit dieser Einstellung sollte Keitel das Spielen eigentlich sein lassen und stattdessen durch die Schulen tingeln oder sich im Bildungsministerium bewerben.

Foto: Nicole Graether

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.

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