tape.tv übernimmt Amen

Es soll eine Liebeshochzeit sein, klingt aber eher nach Endstation Sehnsucht: Der Musikvideosender tape.tv (www.tape.tv) übernimmt das grandios gescheiterte Amen (www.getamen.com). Das religiös anmutende Berliner Start-up galt längst als Start-up ohne Zukunft. “Das […]
tape.tv übernimmt Amen

Es soll eine Liebeshochzeit sein, klingt aber eher nach Endstation Sehnsucht: Der Musikvideosender tape.tv (www.tape.tv) übernimmt das grandios gescheiterte Amen (www.getamen.com). Das religiös anmutende Berliner Start-up galt längst als Start-up ohne Zukunft. “Das gesamte Team von Amen zieht zu tape.tv. Und wir organisieren uns anders”, sagt tape.tv-Macher Conrad Fritzsch zur WirtschaftsWoche.

Felix Petersen wird demnach “auf Vorstandsebene neuer Produktchef” von tape.tv und soll ein “besseres tape.tv bauen”. Zu den finanziellen Deals ist nichts bekannt, viel Geld wird aber sicherlich nicht geflossen sein. Amen war am Ende, spätestens seit Amen-Mitgründerin Caitlin Winner das sinkende Schiff verlassen hatte. Über einen möglichen Zusammenschluss von tape.tv und Amen schrieb Netzwertig.com bereits im Juni dieses Jahres. Zitat: “Die These, dass sich zwischen beiden Firmen etwas anbahnen könnte, wird jedoch dadurch genährt, dass Fritzsch selbst ein aktiver Amen-Nutzer ist/war und mit dem in Berlin omnipräsenten Business Angel Christophe Maire einen Investor hat, der auch Amen mit Kapital ausstattete”.

Amen-Macher Petersen sieht Amen nun auch “nicht als Misserfolg sondern als erfolgreiches Experiment, dass einige völlig neuartige Lösungen für die Strukturierung und sinnvolle Nutzbarmachung von Posts und Meinungen im Netz aufgezeigt hat”. Amen verkörperte in den vergangenen Monaten – wie kaum ein anderes Start-up den Hype um Berlin. Amen war eines der bekanntesten Start-ups aus Berlin. Amen sorgte dafür, das Berlin international wahrgenommen wurde. Auch Jürgen Vielmeier von Netzwertig.com sieht dies so! Er schreibt: “Man darf Amen gerne vorhalten, am eigenen Hype gescheitert zu sein, den Star-Investor Ashton Kutcher mitgetragen hat. Dass dieser Hype dem Standort Berlin geschadet hätte, auf die Idee dürfte hingegen kaum jemand kommen. Das Gegenteil ist der Fall”.

Das Scheitern ist nun wahrlich kein Beinbruch für die Szene, der Hype ist längst verflogen. Amen mit seinem Hype-Faktor, seinen coolen Investoren um Ashton Kutcher wirkt unterdessen wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Und US-Schauspieler Kutcher hatte mit seinen Investments in Deutschland bisher kein Glück. Der andere Fehlschlag von Kutcher war die Eventplattform Gidsy, die von Getyourguide geschluckt wurde. Was bleibt von Amen übrig? Ein Team, dass eine ansprechende Plattform aufgesetzt hat, deren Technik etc. nun vielleicht tape.tv zu Gute kommt. Zumindest zeigt sich Petersen einsichtig, was bei Amen schief gelaufen ist: “Die Nutzer waren anfangs richtig süchtig nach Amen, aber nach drei bis vier Monaten wurde es ihnen dann irgendwann zu langweilig. Wir haben versucht, den Nutzwert mehr herauszustellen aber letztendlich gelang es uns nicht, die Listen mit solchem nachhaltigen Content zu verknüpfen”. Und jetzt: Kopf hoch und wieder Gas geben. “Ob Amen nun abgeschaltet wird, ist offen”, berichtet Gründerszene. Die Kollegen schreiben: “Petersen will die Plattform erstmal stehen lassen, vielleicht als Fun-Projekt weiterbetreiben, aber keine Ressourcen mehr in die Weiterentwicklung stecken”. Nach dem Hype bleibt somit ein Fun-Projekt.

Hausbesuch bei Amen

ds-Haus- und Hoffotograf Andreas Lukoschek durfte sich bei der Berliner Jungfirma Amen kürzlich einmal ganz genau umsehen. Alle Eindrücke gibt es in unserer Fotogalerie.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.