• Von ds-Team
    Mittwoch, 12. Dezember 2012
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    So gewinnen Start-ups begehrte Entwickler für sich: Das erste Date

    Willst Du mit mir gehen? So gewinnen Start-ups begehrte Entwickler für sich. Teil 3: Das erste Date – Gastbeitrag von Lars Fink (siehe links), Gründer der IT-Personalberatung next level. Eine der größten Herausforderungen […]

    Willst Du mit mir gehen? So gewinnen Start-ups begehrte Entwickler für sich. Teil 3: Das erste Date – Gastbeitrag von Lars Fink (siehe links), Gründer der IT-Personalberatung next level.

    Eine der größten Herausforderungen beim Aufbau eines Tech-Start-ups besteht darin, gute Entwickler für sich zu gewinnen. Denn beim Aufbau eines IT-Teams betreten die Gründer häufig Neuland. Wenn sie nicht zufällig Geschäftsführer, Developer und Recruiter in einer Person sind, kann sich die Mitarbeitersuche schnell in die Länge ziehen. Diese kurze Serie liefert die wichtigsten Tipps für die vier entscheidenden Phasen des Recruiting-Prozesses – der sehr viel Ähnlichkeiten mit der Partnersuche aufweist. In der letzten Woche (Der zweite Blick) haben wir gezeigt, wie Entrepreneure und Entwickler gegenseitig ausloten können, ob sie sich näher kennenlernen möchten. In der dritten Phase wird es nun ernst: Das Vorstellungsgespräch entscheidet darüber, ob Start-up und Entwickler zum Traumpaar werden können.

    Teil 3 – Das erste Date

    Das Telefonat hat neugierig auf mehr gemacht? Dann wird es jetzt persönlich. Im Vorstellungsgespräch geht es darum, das gegenseitige Interesse zu vertiefen. Im Idealfall erfährt man möglichst viel über den Kandidaten und seine Fähigkeiten und kann ihn endgültig für sich gewinnen. Dazu braucht man nicht nur einen ruhigen Ort, an dem Störungen ausgeschlossen sind, sondern auch eine gute Vorbereitung. Denn die guten Entwickler werden sich im Zweifel gegen ein Unternehmen entscheiden, das planlos daherkommt. Es ist deshalb sehr wichtig, dass ein Verantwortlicher mit Know-how – etwa der Leiter des Dev-Teams – bei dem Gespräch dabei ist.

    Zur guten Vorbereitung gehört auch, dass man sich mit dem Bewerber auseinander gesetzt hat. Die wichtigsten Infos aus den Bewerbungsunterlagen sollten mittlerweile sitzen. Zusätzlich ist eine Background-Recherche hilfreich, um ein noch besseres Bild vom potentiellen Mitarbeiter zu bekommen. Idealerweise holt man im eigenen Netzwerk Referenzen ein. In jedem Fall sollte man sich online über den Bewerber informieren. Professionelle Netzwerke wie Xing oder LinkedIn sind hilfreich. Vielleicht hat der Entwickler aber auch ein Github- oder Coderwall-Profil. Oder er bloggt bzw. twittert selbst oder hat schon Vorträge auf Konferenzen gehalten? Mit diesen Vorab-Informationen kann man das eigentliche Gespräch noch zielgerichteter gestalten.

    Wie springt der Funke über?
    Wie bei jedem erfolgreichen Austausch zählt die richtige Mischung aus Fragen und Zuhören. Es gilt, Mindset und Entwicklungsphilosophie des Bewerbers kennenzulernen und herauszufinden, welche Erfahrungen er bisher gemacht hat. Im Gegensatz zum Telefoninterview werden jetzt insbesondere die technischen Skills vertieft: In welche Projekte war der Kandidat involviert? Welche Technologien und Tools kamen bei der Umsetzung zum Einsatz? Was waren die großen Herausforderungen? Worauf ist man besonders stolz? Was hat auch mal nicht geklappt? Wie steht es mit der Testabdeckung? Welche neuen Technologien will der Kandidat unbedingt lernen? Die klassischen “Personalerfragen” dagegen sollte man vermeiden. Generische Fragen – à la: Was wissen Sie über unser Unternehmen? Wo sehen sie sich in drei bis fünf Jahren? Oder: Was sind Ihre Stärken und Schwächen? – sind zu sehr am klassischen Karrierebild orientiert, das hier nicht passt.

    Fragen stellen ist wichtig, aber: Ein Vorstellungsgespräch ist kein Verhör. Es geht nicht nur darum, die fachliche Eignung abzuklopfen, sondern das Interesse des Gegenübers nachhaltig zu vertiefen und ein detaillierteres Bild von der Stelle zu geben. Ob eine langfristige Beziehung angestrebt wird, entscheiden schließlich beide Seiten. Neben dem Bewerber sollte daher auch das Start-up die Chance nutzen, für sich zu werben. Aus Entwicklersicht zählen vor allem die konkreten Herausforderungen und die Arbeitsatmosphäre. Schlussendlich spielt natürlich auch das Gehalt und gegebenenfalls eine Beteiligung eine Rolle bei der Entscheidung, den Arbeitgeber zu wechseln.

    Wie geht es weiter?
    Ein Date ist nur dann erfolgreich, wenn es auf beiden Seiten funkt. In diesem Fall: Wenn das Start-up von sich begeistern und den Entwickler von sich und seinen Fähigkeiten überzeugen kann. Die beste Möglichkeit sicherzugehen, dass die technische Qualifikation zu den Anforderungen des Jobs passt, ist das Probearbeiten. Spätestens hier wird deutlich, ob der Ruby Rockstar nicht doch nur ein Roadie ist. Und auch der Bewerber profitiert, da er sich eine konkretere Vorstellung von der Position machen kann. Bei einem solchen “Beziehungstest” können sich also beide Seiten noch besser kennenlernen.

    “Nebenbei” findet man heraus, ob man die gleiche Philosophie vertritt und ob die Zusammenarbeit auch menschlich passt. Kommt das bestehende Team mit dem potentiellen neuen Kollegen klar – und umgekehrt? Schließlich lebt gerade ein Start-up von der engen Zusammenarbeit. Wenn so viele Stunden am Tag zusammen verbracht werden, muss die Harmonie stimmen.

    Zeitlich darf man es bei der Probearbeit aber nicht übertreiben: Da IT-Profis alle in einem festen Arbeitsverhältnis sind, ist es nicht zumutbar, mehr als einen Tag zu fordern. Gegebenenfalls reicht auch schon ein halber Tag “on the job” aus. So kann auch erst gar kein falscher Eindruck entstehen, man wolle für ein paar Tage eine kostenlose Arbeitskraft ergattern. Der eigentliche Gedanke ist, von der Theorie des Vorstellungsgesprächs zur Praxis überzugehen. Wenn man den Entwickler eine konkrete Aufgabe lösen lässt, sieht man direkt, wie er oder sie arbeitet und was man voneinander lernen kann.

    Um welche Aufgaben es sich dabei genau handelt, entscheidet sich ganz individuell. Für einen QA-Engineer bietet sich zum Beispiel das Entwickeln von Tests an. In anderen Fällen kann die Erstellung von Code sinnvoll sein, der etwa auf die neue API des Start-ups zugreifen soll. Oder steht gerade ein Projekt an, für das ein UML-Diagramm erstellt werden muss?

    Grundsätzlich sollte man das Ganze nicht wie eine Prüfung mit möglichst vielen Aufgaben gestalten. Auch die Probearbeit sollte in einer authentischen und angenehmen Atmosphäre stattfinden. Gleichzeitig kann man so den Probetag dafür nutzen, noch einmal insgesamt für sein Unternehmen zu werben. Und im Anschluss an die Arbeit bietet es sich an, den Tag locker ausklingen zu lassen. Beispielsweise beim gemeinsamen Essen oder auch einem Bier.

    Eine zeitsparendere Alternative zum Probetag ist die Vorbereitung eines technischen Test bzw. einer Problemstellung. Der hierzu konstruierte Use Case kann ganz einfach sein, beispielsweise die Bestellannahme eines Pizza-Lieferdienstes. Am Datenmodell lässt sich schon sehr gut die Systematik der Herangehensweise erkennen. Und die prototypische Realisierung gibt Aufschlüsse über Programmierweise (Objektorientierung?) und Datenbankkompetenz. Wenn der Kandidat in einem zweiten Gespräch die Lösung präsentiert, kann man gemeinsam den Code diskutieren. Dabei ist es natürlich extrem wichtig, dass der Kandidat einen Gesprächspartner hat, der mindestens auf dem gleichen fachlichen Niveau ist wie er. Ansonsten wird die Vorbereitung und Vorstellung der Aufgabe zur Farce.

    Konnte der Bewerber seine fachliche Eignung beweisen? Dann ist eine der wesentlichen
    Voraussetzungen geklärt. Und auch die Frage, ob er gut ins Team passt und die Unternehmensmission unterstützt, kann jetzt besser eingeschätzt werden. Aber wie verläuft auf beiden Seiten der endgültige Entscheidungsprozess? Um den Tag der Wahrheit geht es im nächsten Beitrag.

    Zur Person
    Lars Fink ist Geschäftsführer der next level GmbH (www.nextlevel.de), einer Personalberatung, die auf die Vermittlung von IT-Experten spezialisiert ist . Bereits seit 1995 ist er als Serial Entrepreneur im Internet unterwegs. U.a. hat er die Performance Marketing-Plattform Ligatus erfolgreich aufgebaut und 2008 an Gruner+Jahr verkauft. Mit next level gründete er eine Personalberatung, die er sich selbst früher gewünscht hätte. Bei Fragen meldet Euch einfach gerne bei: lars.fink(a)nextlevel.de.

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