• Von ds-Team
    Montag, 26. November 2012
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    Willst Du mit mir gehen? So gewinnen Start-ups begehrte Entwickler für sich

    Willst Du mit mir gehen? So gewinnen Start-ups begehrte Entwickler für sich – Gastbeitrag von Lars Fink (siehe links), Gründer der IT-Personalberatung next level. Die Liebe auf den ersten Blick ist auch in […]

    Willst Du mit mir gehen? So gewinnen Start-ups begehrte Entwickler für sich – Gastbeitrag von Lars Fink (siehe links), Gründer der IT-Personalberatung next level.

    Die Liebe auf den ersten Blick ist auch in der Recruiting-Welt ein seltener Glücksfall. Erst recht, wenn es um qualifizierte .Net-Ninjas, Ruby-Rockstars oder Java-Jedis geht. Gute Entwickler sind auf dem Arbeitsmarkt genauso selten wie gefragt. Aus eigener Erfahrung als Gründer verschiedener Internet-Unternehmen: Gerade der erfolgreiche Aufbau eines Tech-Start-ups steht und fällt mit den richtigen “Codern”. .

    Junge Unternehmen stehen hier vor einer besonderen Herausforderung: Sie sind noch weitgehend unbekannt und können weder mit Image-Kampagnen, noch mit aufwändigen Employer-Branding-Maßnahmen punkten. Zeit und Ressourcen sind knapp. Die Anforderungen an die Teammitglieder sind dafür umso höher. Sie sollen nicht nur von ihrem Job, sondern von der Unternehmensmission begeistert sein. Und außerdem motiviert genug, statt “from 9 to 5” auch mal “from dusk till dawn” zu arbeiten.

    Diese kurze Serie liefert die wichtigsten Tipps für die vier entscheidenden Phasen des Recruiting-Prozesses – der sehr viel Ähnlichkeiten mit der Partnersuche aufweist. Vom ersten Augenkontakt bis zum Tag der Wahrheit.

    Der Augenkontakt
    Bleibt es bei einem kurzen Flirt oder entwickelt sich mehr? Schon nach den ersten Sekunden steht die Antwort fest. Startups können diese Entscheidung auf keinen Fall dem Zufall überlassen. Die Chancen, dass auf den ersten auch ein zweiter oder dritter Blick folgt, steigen enorm, wenn man sich (vorher!) folgende Fragen stellt:

    Bin ich attraktiv?
    Die Antwort ist: Ja. Ein Start-up ist zwar nicht Microsoft oder Google, hat dafür aber seine ganz eigenen Reize. Viele ITler begeistert es, ein Unternehmen von Anfang an mit aufzubauen und zusammen mit dem Team etwas völlig Neues zu schaffen. Gerade, weil es kaum vorgegebene Strukturen und feste Rangordnungen gibt, sind Startups für neue Mitarbeiter spannend. Eine offene Unternehmenskultur mit Teamgeist, flachen Hierarchien, agilen Prozessen und kurzen Entscheidungswegen sind die größten Pluspunkte. Entwickler können direkt viel Verantwortung übernehmen, zum Beispiel für die Planung und anschließende Umsetzung der Software-Architektur. Und auch zu anderen Themen wird ihre Meinung ernst genommen und sie gestalten das gesamte Unternehmen mit.

    IT-Spezialisten legen bei Ihrem Job großen Wert auf inhaltliche Herausforderungen. Aus meiner Erfahrung stehen klassische Karrierefragen frühestens an zweiter Stelle. Developer wollen neue Technologien ausprobieren und bei der Entwicklung cooler Projekte ganz vorne mit dabei sein. Startups können nur von sich überzeugen, wenn sie ganz konkret die spannenden Aufgaben, Tools und Techs beschreiben, die den Entwickler, Designer oder Produktmanager dort erwarten. Hat der Gründer selbst keinen IT-Background, sollte deshalb ein Mitarbeiter mit Fachkompetenz die Anforderungen definieren.

    Der informelle, unbürokratische Einstellungsprozess ist für Startups ebenfalls ein Vorteil. Er ist persönlicher, geht schneller über die Bühne und ist damit besonders für Jobwechsler verführerisch. Wichtig ist, dass sich das Unternehmen und die beteiligten Personen entsprechend offen, pragmatisch und entscheidungsstark präsentieren.

    Welches Beuteschema habe ich?
    Jedes Start-up hat seine eigene Mission und individuelle Bedürfnisse. Genauso unterschiedlich sind die Anforderungen an zukünftige IT-Mitarbeiter. Die Vorstellungen reichen vom Frontend-Experten, der virtuos mit HTML5, CSS3 und den aktuellen JS-Frameworks hantiert, bis zum spezialisierten Master of Data, der mit Indizes, Views und Triggern jonglieren kann. Neben den technischen Skills kommt es auch auf die Persönlichkeit an. Welcher Typ passt am besten zur Unternehmenskultur? Je genauer die gewünschten Fähigkeiten und Eigenschaften vorab definiert sind, desto besser. Denn die eierlegende Wollmilchsau sucht jeder. Clevere Start-ups sind anspruchsvoll, aber realistisch.

    Wo komme ich mit Entwicklern in Kontakt?
    Wer Developer, Projektleiter oder Admins zu angemessenen Gehältern sucht, muss in die Offensive gehen. Der Wettbewerb ist hart, gute Entwickler werden von allen Seiten auf einen Jobwechsel angesprochen. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, ist deshalb Glückssache. Aber mit der richtigen Strategie kann man seinem Glück auf die Sprünge helfen. Um herauszufinden, wer neue Aufgaben sucht, braucht man vor allem ein gutes Netzwerk. Naheliegend und kostenlos, aber häufig unterschätzt, ist das Potential aus den Kontakten der eigenen Mitarbeiter, Kooperationspartner und Investoren. Hier gilt es, dieses auch aktiv zu nutzen und alle regelmäßig aufzufordern, ihre persönlichen Kontakte anzusprechen.

    Das Netzwerk erweitern kann man gut bei den einschlägigen User Group-Treffen, Barcamps und Meetups. Hier sind die ITler und Product Owner im Unternehmen gefragt. Mit regelmäßigen Besuchen, Vorträgen oder auch einem kleinen Sponsoring (z.B. in Form von ein paar Kästen Club Mate) kommt man schnell ins Gespräch. Um online Kontakte zu knüpfen, sind IT-Foren und andere Developer-Ballungsräume wie GitHub die ersten Anlaufstellen. Wer sich mit IT-Professionals austauscht und aktiv in den Communities auftritt, kann sich so auch langfristig einen Pool an potentiellen Mitarbeitern aufbauen. Das gelingt allerdings nur über die fachliche Kompetenz der schon vorhandenen festen oder freien Mitarbeiter eines Start-ups.

    Ein sehr guter Weg ist auch die direkte Ansprache über professionelle Netzwerke wie LinkedIn oder Xing. Hier findet man die Entwickler, die nicht aktiv auf Jobsuche sind. Doch wer nur auf die Masse geht, wird nicht weit kommen. Zuerst heißt es also, genau hinzusehen, wen man anschreibt: Passt die Berufserfahrung zur Position? Ist die Person offen für neue Angebote? usw. Und dann: Verbindlich und vor allem persönlich auftreten. Eine authentische, interessante Ansprache ohne das übliche Marketing-Blabla ist der Schlüssel zum Erfolg.

    Stellenanzeigen sollten zunächst auf der eigenen Webseite “crawlfähig” veröffentlicht werden, damit sie von den zahlreichen Metasuchmaschinen gefunden und kostenlos verbreitet werden. Kostenpflichtige Plattformen sollten genau unter die Lupe genommen werden: Gerade bei geringem Budget ist es manchmal zielführender, fachspezifische Jobboards zu nutzen, als alles auf die Monster- oder Stepstone-Karte zu setzen.

    Wie wecke ich Interesse?
    Im gesamten Prozess der “Partnersuche” gilt das Mantra, die Entwickler dort abzuholen, wo sie stehen, und von sich zu begeistern. So auch bei den Stellenbeschreibungen. Hier werden leider oft große Chancen vergeben. Erfahrene Developer werden wöchentlich angefragt, ihren Job zu wechseln – das sind 50 Angebote im Jahr. Die meisten davon werden – wenn überhaupt – nur überflogen. Umso wichtiger ist es, sich beim Formulieren der Direktansprachen und Stellenanzeigen abzuheben.

    Das heißt konkret:
    • Aufmerksamkeit schaffen. Die Stellenanzeige hat einen aussagekräftigen Titel, der die wichtigsten Techs enthält. Ein zusätzlicher Teaser macht neugierig auf mehr.
    • Individuell sein. Unkonventionelle Formulierungen wirken interessanter und sympathischer. Auch ein Augenzwinkern ist erlaubt, wenn die Anzeige insgesamt seriös ist.
    • Vorzüge betonen. Egal, ob coole Produktidee, toller Standort, neue Technologie, besonderer Teamzusammenhalt oder gemeinsames Feiern – die Vorteile des Startups gehören in den ersten Absatz.
    • Herausfordern. Die konkreten Aufgaben und Anforderungen beschreiben. Nicht etwa fordernd (Wir erwarten X. Wir wollen Y.), sondern herausfordernd (Mit X und Y erfüllst Du unsere kühnsten Produktträume). Dieser Unterschied ist zwar klein, aber gewaltig.
    • Auf den Punkt kommen. Entwickler mögen Klartext. Austauschbare und nichtssagende Floskeln gehen deshalb gar nicht. Der Inhalt ist wichtiger als eine aufwendige Optik.
    • Kurz fassen. In die Anzeige gehört genau so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Nur dann wird sie auch vollständig gelesen.
    • Authentisch bleiben. Bei einer selbstverständlichen Duz-Kultur im Unternehmen ist es nur konsequent, auf das unpersönliche “Sie” zu verzichten – wenn nicht gerade der exzeptionelle Oracle-Spezialist bei einem Telekommunikationsanbieter abgeworben werden soll.

    Liebe auf den ersten Blick? Ist selbst mit der besten Planung nicht garantiert. Doch mit diesen Tipps steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es schon beim ersten Augenkontakt zwischen Start-up und Entwickler “funkt”.

    Zur Person
    Lars Fink ist Geschäftsführer der next level GmbH (www.nextlevel.de), einer Personalberatung, die auf die Vermittlung von IT-Experten spezialisiert ist . Bereits seit 1995 ist er als Serial Entrepreneur im Internet unterwegs. U.a. hat er die Performance Marketing-Plattform Ligatus erfolgreich aufgebaut und 2008 an Gruner+Jahr verkauft. Mit next level gründete er eine Personalberatung, die er sich selbst früher gewünscht hätte. Bei Fragen meldet Euch einfach gerne bei: lars.fink(a)nextlevel.de.

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