“Unsere Zutaten sind knackfrisch” – Lisa Rentrop von KommtEssen im Interview

Über die Plattform KommtEssen (www.kommtessen.de), eine Tochter des schwedischen Unternehmens Middagsfrid, lassen sich Familien Lebensmitteltüten samt passender Rezepte anliefern, die alle innerhalb von 30 Minuten zubereitet sind. Im Interview mit deutsche-startups.de erklärt Geschäftsführerin […]

Über die Plattform KommtEssen (www.kommtessen.de), eine Tochter des schwedischen Unternehmens Middagsfrid, lassen sich Familien Lebensmitteltüten samt passender Rezepte anliefern, die alle innerhalb von 30 Minuten zubereitet sind. Im Interview mit deutsche-startups.de erklärt Geschäftsführerin Lisa Rentrop, wie sich die Expansionspläne von Middagsfrid von der Strategie der zahlreichen Mitbewerber unterscheiden, warum es keine Single-Tüten gibt und was die Unterschiede zum schwedischen Markt sind.

KommtEssen hat mit Kochzauber, HelloFresh und Schlemmertüte einige Mitbewerber bekommen. Wie will sich der Essensdienst langfristig abheben?
An erster Stelle steht unser Service: Wir planen die leckeren Mahlzeiten und liefern die benötigten Zutaten bis zur Haustür der Kunden. Was wir unseren Kunden darüber hinaus anbieten ist das gute Gewissen: Wir planen unsere Tüte saisonal, regional, klimafreundlich, ohne unnötige Zusätze, mit nachhaltig gefischtem Fisch sowie müllvermeidend.

Der Markt entwickelt sich rasant; ist denn in Deutschland überhaupt genügend Platz für so viel Konkurrenz?
Das wird sich herausstellen. Ich glaube nicht, dass es ein „winner takes it all“-Segment ist. In Schweden zum Beispiel tummeln sich über 30 Unternehmen in dem Segment. Manche davon sind natürlich sehr klein oder lokal, aber drei bis vier sind bereits recht groß.

Einige Mitbewerber drängen schon ins Ausland. Wann wird KommtEssen die deutschen Landesgrenzen überschreiten?
KommtEssen bzw. unser Mutterunternehmen Middagsfrid hat einen anderen Weg gewählt als seine Klone. Wir stellen unsere Erfahrungen, unsere technische Plattform sowie unser Wissen lokalen Entrepreneuren zur Verfügung, die einen Service wie KommtEssen aufbauen wollen. Es geht demnächst in mehreren europäischen Ländern mit dieser Art Joint Ventures los, zum Beispiel in Belgien. In Norwegen und Dänemark sind wir auch bereits seit Längerem tätig.

In Deutschland beliefert KommtEssen nicht nur Großstädte sondern beispielsweise auch Schleswig-Holstein. Wie wird der Dienst auf dem Land angenommen?
Tatsächlich erhalten wir viele Mails von (vor allem) Frauen auf dem Land, die unseren Service sehr gut gebrauchen könnten. Wir können aber nur dann liefern, wenn ein kleiner Ort auf dem Weg zu einer größeren Stadt liegt – im Fall von Schleswig-Holstein ist das Lübeck. Die Nachfrage ist auf jeden Fall da.

Wer genau ist die Zielgruppe von KommtEssen?
Unsere Kunden sind vor allem Haushalte, in denen beide Partner arbeiten, mit oder ohne Kinder. Unsere Kunden legen großen Wert auf leckeres, gutes, abwechslungsreiches, zusatzfreies und nachhaltiges Essen.

Aber die Tüten sind von der Menge her immer auf vier Personen hin ausgerichtet. Was ist mit kleineren Familien?
Auch kleine Familien mit einem Kind sind reichlich vertreten in unserem Kundenstamm. Daneben gibt es viele Paare, die auch zu zweit KommtEssen-Kunden sind. Sie bestellen dann entweder die 3Mahl-Lieferung mit drei Abendessen, die sie dann jeweils zwei Tage lang essen, oder sie nehmen die Reste des Abendessens am nächsten Tag mit ins Büro bzw. essen sie zum Mittagessen.

Trotzdem: Warum gibt es das Angebot nicht speziell für Paare oder Singles?
Single-Haushalte wären eher überfordert mit der Menge an Lebensmittel. Wir planen momentan keine Single-Tüte. Der wichtigste Grund dafür ist das sich verschiebende Preis-Leistungs-Verhältnis. So könnten wir kleinere Lieferungen nicht zu einem uns angemessen erscheinenden Preis anbieten. Die Planung, das Packen und die Lieferung im Kühltransporter kosten verhältnismäßig viel, und diese Kosten bleiben – unabhängig von der Größe der Tüte – in etwa gleich. Dazu sind wir auf gängige Verpackungsgrößen für beispielsweise Molkereiprodukte und abgewogenes Gemüse angewiesen. Unter diesen Bedingungen würden die Kosten für eine Zweipersonenlieferung fast identisch mit der Lieferung für vier Personen ausfallen.

Seit Kurzem gibt es eine 4Mahl-Tüte, die genauso viel kostet wie die 3Mahl-Tüte. Was hat es damit auf sich?
Wir sprechen mit der 4Mahl-Tüte vor allem Familien mit kleinen Kindern an. Das Essen ist haptisch, man baut die Wraps selber, es gibt Fischstäbchen – natürlich selbstgemacht aus frischem Fisch – und selbstgemachte Pizza. Im Gegensatz zu den 3Mahl- und 5Mahl-Tüten wiederholen sich die Gerichte hin und wieder, weil kleine Kinder mehrere Anläufe brauchen, um neue Zutaten als nicht giftig und tatsächlich genießbar einzustufen. Wir verzichten zudem auf die teuersten Zutaten wie Pinienkerne und luftgetrockneten Schinken und können diese Tüte so zu einem unschlagbaren Preis von 3,90 Euro pro Portion anbieten.

KommtEssen wirbt mit gesunden und biologisch angebauten Lebensmitteln. Wie gewährleistet das Unternehmen Frische, wenn nur einmal die Woche geliefert wird?
Das ist nicht sehr problematisch. Unsere Zutaten sind knackfrisch und erreichen den Kunden, bevor die Waren ansonsten gerade mal im Supermarkt angekommen wären. Unsere städtischen Partner für Fleisch, Fisch und Geflügel halten sehr hohe Hygienestandards ein und können somit gute Mindesthaltbarkeitsdaten bieten. Das Wochenblatt mit den Rezepten ist in der Reihenfolge nach Haltbarkeit geordnet, unsere Empfehlung an den Kunden.

Das heißt: Der Fisch sollte immer Anfang der Woche gegessen werden?
Der Fisch steht meistens an erster oder zweiter Stelle im Wochenplan. Geräucherter Fisch hält natürlich länger.

Gibt es im deutschen Markt Unterschiede zum schwedischen Markt, wo das Mutterunternehmen „Middagsfrid“ schon seit Jahren unterwegs ist?
Durchaus. In Deutschland arbeiten weitaus weniger Frauen wieder, nachdem Kinder im Haus sind. Und es gibt zum Beispiel die klassische Abendbrot-Tradition – wer diese Tradition lebt, wird eher nicht unser Kunde. Allerdings ist Deutschland mit der Bevölkerungsgröße und Anzahl an größeren Städten trotz dieser Unterschiede sehr interessant als Markt.

Wie hat sich KommtEssen im vergangenen Jahr entwickelt?
Wir haben 2011 unsere Kundenanzahl verdreifacht und wachsen stetig – und organisch – weiter. Schwarze Zahlen schreiben wir auch – darauf sind wir stolz, denn die Lebensmittelbranche ist ein Markt mit kleinen Margen. Genaue Zahlen nennen wir aber nicht.

Und wo will KommtEssen in einem Jahr stehen?
Wir bauen langfristig ein gesundes Unternehmen auf, welches den Alltag für gestresste Familien erheblich vereinfacht. Wir werden laufend neue Liefergebiete hinzufügen, neue Produkte einführen und kontinuierlich an unserem Service-Niveau arbeiten.

Zur Person
Lisa Rentrop startete 2010 mit KommtEssen in Deutschland. Die Schwedin wohnt seit 2000 in Hamburg und studierte vorher Chemietechnik an der Königlich Technischen Hochschule (KTH) in Stockholm.

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Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.