Offline! Designer-Shop Miosato segnet das Zeitliche

EXKLUSIV Noch Ende November des vergangenen Jahres schrieb das Team von Miosato (www.miosato.com) bei Twitter: “Wir sind in Weihnachtsstimmung! Schaut morgen unbedingt auf unserer Seite vorbei… Surprise, surprise!” Auf der Facebook-Fanpage von Miosato […]
Offline! Designer-Shop Miosato segnet das Zeitliche

EXKLUSIV Noch Ende November des vergangenen Jahres schrieb das Team von Miosato (www.miosato.com) bei Twitter: “Wir sind in Weihnachtsstimmung! Schaut morgen unbedingt auf unserer Seite vorbei… Surprise, surprise!” Auf der Facebook-Fanpage von Miosato datiert der letzte Eintrag vom 1. Dezember. Wenige Tage später war die Online-Modegalerie, die jungen Labels eine neue Heimat bieten wollte, schon wieder Geschichte. Im Handelsregister findet sich mit Datum vom 23. Dezember 2011 der Eintrag: “Die Miosato GmbH mit Sitz in Berlin ist aufgelöst. Die Gläubiger der Gesellschaft werden aufgefordert, sich bei ihr zu melden”. Erst im Sommer 2011 ging Miosato offiziell ins Netz.

Im August berichtete deutsche-startups.de erstmals über Miosato – siehe “Jacken, Hosen, Röcke: Miosato verkauft Designer-Mode“. Zuvor zeigte Miosato nur in der einschlägigen Modepresse Flagge. Das Team putzte zudem fleißig Klinken bei angesagten Designern im In- und Ausland. Knapp 15 Mitarbeiter werkeln damals im prallgefüllten Büro des Start-ups, das von Max Laemmle, zuvor Berater, und Marc-Alexander Christ, zuvor Investmentbanker und bei Groupon tätig, gegründet wurde. Im Büro des Start-ups wurden damals auch die Kollektionen der Designer, die auf der Website zum Verkauf angeboten wurden, professionell abgelichtet. Das Versenden der bestellten Produkte übernahmen die Designer im Miosato-Modell aber auf eigene Faust. Knapp 30 Labels hatten die Berliner im Sommer bereits unter Vertrag. Zum Schluss wirkten rund 20 Angestellte für Miosato. Das Team kümmerte sich um 80 Modelabels.

Holtzbrinck Ventures unterstützte das Start-up

Finanzieren sollte sich Miosato über eine Verkaufsprovision. deutsche-startups.de schrieb im Sommer: “Damit dieses Konzept aufgeht, müssen die Berliner allerdings bald ein extrem breites und attraktives Sortiment anbieten. Dafür ist es nötig, dass das Start-up viele angesagte und aufstrebende Designer an sich bindet. Gleichzeitig muss Miosato zahlungskräftige Käufer und vor allem Käuferinnen auf sich aufmerksam machen. Und dabei kann es sich nicht bzw. nicht nur um modebewusste Menschen aus den Metropolen handeln. Die können Designerlabels oft vor der Haustür kaufen. Zahlungskräftige Mode-Kenner aus Ostwestfalen, dem Schwarzwald oder Friesland haben diese Möglichkeit meist nicht”.

“Uns war von Anfang an klar, dass Miosato allein durch Online-Marketing kein Erfolg wird. Deswegen haben wir stark auf PR gesetzt, um bekannt zu werden, da die Kombination einer unbekannten Online-Plattform mit relativ unbekannten Designernamen eine sehr große Herausforderung ist. Das Thema wurde auch sehr gut von der Presse angenommen, doch die Presseerfolge in relevanten On- und Offlinemedien führte nicht zu signifikanten Verkäufen”, sagt Miosato-Gründer Max Laemmle gegenüber deutsche-startups.de. Unbekannte Designer sind offenbar kein ausreichendes Zugpferd für modeaffine Onliner.

“Dieser Schritt war bitter und schwierig”

“Als wir gesehen haben, dass das Konzept nicht aufgeht, haben wir uns gemeinsam mit unseren Investoren entschlossen, das Projekt Miosato zu beenden”, sagt Miosato-Macher Christ. Mit Holtzbrinck Ventures (auch an deutsche-startups.de beteiligt) hatte Miosato bereits einen Investor an Bord, der große Erfahrungen im Shoppingsegment vorweisen kann. Zuvor gab es offenbar auch Überlegungen, das Konzept mit bekannten Markennamen auszupäppeln. Diese Verwässerung des ursprünglichen Konzeptes, die vielleicht einige Nutzer mehr durch Online-Marketing auf die Seite gebracht hätte, wurde dann aber schnell wieder verworfen. So beschloss das Team Anfang Dezember das Aus.

“Dieser Schritt war bitter und schwierig, immerhin mussten wir dies unseren rund 20 Mitarbeitern kurz vor Weihnachten verkünden”, sagt Christ. Es folgen ein Ausverkauf der Büroeinrichtung (ein paar Schneiderpuppen sind noch zu haben) und die Abwicklung des Unternehmens. Ein harter Schritt, immerhin hatten Christ und Laemmle fast zwei Jahre an der Umsetzung ihrer Idee gearbeitet. Momentan wirkt das Duo recht entspannt: Laemmle brütet schon wieder an einer neuen Idee – es geht um Health Care – und Christ nutzt die ungewollte Auszeit erstmal zum Abschalten, um dann später auch neu durchzustarten. Traurig, aber wahr: Damit endet die kurze Geschichte des Start-ups mit dem Namen Miosato.

Im Fokus: Infos über Start-ups, die es nicht mehr gibt, finden Sie in unserem Special Offline

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* Jacken, Hosen, Röcke: Miosato verkauft Designer-Mode

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.



  1. Thorsten

    Das ging aber mal sehr schnell. Dachte zwar das geht eh nicht lange gut, aber so kurz hätte ich auch nicht gedacht. Das zeigt natürlich, dass Venturer Geld nicht immer gut ist. Vor allem, wenn die Meilensteine nicht erreicht werden, was hier unweigerlich passiert sein wird.



  2. Deluxe

    Wenn ich nur Drittgelder, sprich von Investoren, verbrannt hätte, wäre ich auch entspannt.



  3. BezauberndeJeanny

    Schade.
    ad Holtzbrinck: Erfahrung allein macht’s halt nicht aus, man muss auch daraus lernen können ;-)



  4. Andre

    2 Jahre Vorbereitung und dann nach ein paar Monaten aufgeben. Das ist wahrer Gründergeist und Identifikation mit dem Produkt. Ist vielleicht besser so.



  5. Investor und Insider


  6. Frederik

    Ich fand das Konzept und die Webseite “Miosato” super. Was ich nicht verstehe, wenn man soviel Ahnung im Ecommerce hat, warum plant man dann, auch bei mangelden Abverkäufen, nur auf 6 Monate? Muss jedes Ecommerce Startup nach 6 Monaten bereits Profit oder Millionen von Besuchern einfahren? Mit Sicherheit nicht, zumindest waren das die wenigsten. Dieser kurze Atem von so namenhaften Investoren ist mit nicht erklärbar.



  7. Dieter

    Ein Shop für Designer-Klamotten, das gabs ja noch nie.

  8. keine Panik auf der Titanic – uns gibt es noch nelou.com – mit 4mal so vielen Designern. Wir waren gerade erst Partner bei Marcel Ostertag auf der Fashion Week und hatten unsere eigene Guerilla Aktion. http://www.rbb-online.de/zibb/archiv/index.media.!etc!medialib!rbb!rbb!zibb!zibb20120119_fashion.html

    Und das ganze nur mit Boris und mir. Ohne grosses Team – das ist der Schlüssel!!!

    Also für alle die independent Mode unterstützen wollen. Uns gibts, stronger than ever!!!



  9. BezauberndeJeanny

    @ Frederik24: Das große Vorbild von Holtzbrinck Ventures sind die Samwers. Im Gegensatz zu denen sind sie aber nicht die most aggressive guys on the internet on the planet, sondern angestellte Buchhalter mit Goldman Sachs Attitüde. Dann klappts halt nicht so gut mit’m Blitzkrieg.

  10. Die Vorbereitungszeit für den Shop finde ich sehr sehr lange! Auch dass Holzbrinck nach so kurzer Zeit das Handtuch schmeißt finde ich seltsam. Hier muss m.E. noch etwas anderes “vergraben” sein.. Die Umsetzung fand ich klasse, aber was haben hier 20 Mitarbeiter gemacht??



  11. Max Laemmle

    Bevor hier noch weitere Spekulationen rund um Holtzbrinck und MIOSATO entstehen vielleicht noch ein paar Fakten zu unserem Entschluss:

    Das Projekt MIOSATO ging insgesamt 1,5 Jahre. Davon entfielen ca. sechs Monate auf die Vorbereitung, den Rest waren wir live. In dieser Zeit kann man durchaus sehen bzw. ein Gespür bekommen wie die Traktion eines Business Modells in der Realität tatsächlich ist. Besonders wenn manche Kanäle nicht richtig funktionieren.

    Die Entscheidung für die Schließung von MIOSATO haben die Gründer und Holtzbrinck Ventures gemeinsam getroffen. Darum kann ich diesen Kommentaren über Holtzbrinck auch absolut nicht zustimmen, da Holtzbrinck ein hervorragender Investor ist und nur zu empfehlen ist. Holtzbrinck hat weder Rocket-Attitüden noch Goldman-Style, nur weil sie extrem schnell und professionell sind…

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