Investorensuche in der Gamesbranche – Gastbeitrag von Julian Riedlbauer (Corporate Finance Partners)

Die deutsche Spieleindustrie ist international erfolgreich. Unternehmen wie Bigpoint, das jüngst mit über 600 Millionen Dollar eine der höchsten Unternehmensbewertungen der europäischen Internet-Szene erzielte, oder Wooga, der Senkrechtstarter im Bereich Social Games, zeigen […]

Die deutsche Spieleindustrie ist international erfolgreich. Unternehmen wie Bigpoint, das jüngst mit über 600 Millionen Dollar eine der höchsten Unternehmensbewertungen der europäischen Internet-Szene erzielte, oder Wooga, der Senkrechtstarter im Bereich Social Games, zeigen den Aufwärtstrend der Branche deutlich. Aber auch Gameforge, Travian, Playa, Gamigo und InnoGames zeigen beeindruckende Wachstumszahlen. Bei den ersten Schritten zum Erfolg benötigen die Gründer in den meisten Fällen finanzielle Unterstützung – z. B. durch einen Early Stage Investor oder Business Angel. Hier hat Deutschland einiges zu bieten: Digital Pioneers rund um Heiko Hubertz, Team Europe Ventures von Lukasz Gadowski, den High-Tech Gründerfonds, Neuhaus Partners, Earlybird, den European Founders Fund von den Samwer-Brüdern, Hanse Ventures, Creathor und Target Partners sind nur einige der Investoren, die sich in frühen Phasen an Unternehmen beteiligen.

Wer als junges Unternehmen Kapital aufnehmen will, sollte sich die Zeit nehmen, den richtigen Investor für sich zu finden. Ein gut aufbereiteter Businessplan, eine genaue Vorstellung der Ziele und Visionen des Unternehmens, am besten schon einen fertiger Prototyp/Website zum Ausprobieren, die Idee und das Team muss überzeugen. Dabei gilt das gleiche Motto wie in der Seefahrt: niemals ein Schiff nur an einem Anker festmachen. Trotz noch so fundierter Zahlen und tollen Ideen bleibt die Investmententscheidung subjektiv. Nach fünfzehn Absagen können fünf Zusagen folgen. Ich rate jungen Gründern immer, zeitnah mit einer Bandbreite von Investoren zu sprechen, nur so findet man den richtigen Partner für den Aufbau des Unternehmens. Ein weiterer Vorteil des mehrgleisigen Fahrens in der frühen Phase ist das Thema Bewertung. Spricht man mit mehreren Investoren gleichzeitig, sieht man die Unterschiede offensichtlich und gerät nicht in die Gefahr, das erste Angebot mangels Alternativen annehmen zu müssen.

Das höchste Angebot muss nicht das Beste sein

In der Seedphase sind es sehr selten internationale Investoren, die sich für den Einstieg in ein deutsches Unternehmen interessieren – dies ist meistens erst in späteren Finanzierungsrunden der Fall. Ausländische Investoren wollen meist erst ein Proof of Concept, die Conversion, Monetarisierung etc. sehen, bevor sie einsteigen. Schon daher sollte man auf mehrere Investitionsrunden setzten. Die erste Runde ist meistens dazu gedacht, das Unternehmen aufzubauen und die ersten Erfolge vorweisen zu können, in der zweiten Finanzierungsrunde können deutlich höhere Beträge gefordert werden, manchmal ist es hier für den Gründer schon möglich, einen kleinen Teil seiner eigene Anteile zu veräußern und so einen Teil des Erfolges „versilbert“ zu bekommen. Bei der Wahl des richtigen Finanzpartners geht es aber nicht nur ums Geld. Das höchste Angebot muss nicht das Beste für das Unternehmen und die Gründer sein. Oft steckt der Teufel im Detail und in der persönlichen Beziehung.

Man sollte sich unbedingt bei anderen Unternehmen erkundigen, wie die Zusammenarbeit mit dem Investor in der Praxis funktioniert. Hat man ein junges und eher unerfahrenes Team, ist wahrscheinlich ein Business Angel, der sich operativ stärker einbringt, besser. Für ein erfahrenes Gründerteam reicht hingegen oft ein reines Finanzinvestment. Je später die Finanzierungsrunden, desto wichtiger ist es einen Berater an seiner Seite zu haben, um gerade zwischen den internationalen Finanzinvestoren einen wertsteigernden Bieterwettbewerb zu entfachen und den größtmöglichen Erfolg zu erzielen. Investoren aus Frankreich, UK und den USA sind sehr an Investments in Deutschland interessiert. Hier ist eine strukturierter Finanzierungs- bzw. Verkaufsprozessein wesentlicher Baustein für einen lukrativen Abschluss.

Zur Person
Julian Riedlbauer ist Anfang 2008 als Geschäftsführer bei der M&A-Beratungsgesellschaft Corporate Finance Partners (www.cfpartners.com) eingestiegen. Seine Karriere begann aber bereits vor fast 20 Jahren durch die Gründung seiner eigenen Firma Connect Service Riedlbauer, einem Modem-, TK- und Netzwerk-Distributor und technischen Callcenter Outsourcing-Dienstleister. Zu dem Zeitpunkt, als sich “Connect Service Riedlbauer” zu einem 130-Personen-Unternehmen entwickelt hatte, verkaufte Riedlbauer seine Firma – beraten von CFP – teilweise an NT plus und teilweise an eine Tochtergesellschaft der Thyssen Informatik Gruppe. Danach hielt Riedlbauer mehrere Geschäftsführer- und Vorstands-Positionen in führenden Internet-, IT- und TK-Unternehmen inne.

Zur Info
Die M&A Beratungsgesellschaft Corporate Finance Partners ist Partner des diesjährigen Browsergameforum. Die von CFP extra eingerichtete Investoren-Lounge bietet Unternehmern die Möglichkeit, mit Business Angeln, VC- und PE-Investoren in Kontakt zu kommen und erste Gespräche zu führen. Außerdem wird Julian Riedlbauer eine Vortragsreihe von acht führenden Finanzinvestoren moderieren, die sich und ihre Investitionsphilosophie vorstellen werden.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.