“Niemand investiert nur in ein Team” – Marek Bärlein und Jan Christoph Gras von yourvideocard im Interview

Ende 2009 traten Marek Bärlein und Jan Christoph Gras bei myphotobook ab. Jetzt sind die Mitgründer des Fotobuchdienstes wieder da: Das neue Start-up des Duos heißt yourvideocard (www.yourvideocard.de). Dahinter verbirgt sich ein Dienst […]

Ende 2009 traten Marek Bärlein und Jan Christoph Gras bei myphotobook ab. Jetzt sind die Mitgründer des Fotobuchdienstes wieder da: Das neue Start-up des Duos heißt yourvideocard (www.yourvideocard.de). Dahinter verbirgt sich ein Dienst für individuelle Videogrußkarten. Im Interview mit deutsche-startups.de sprechen Marek Bärlein und Jan Christoph Gras über Einkaufskonditionen, Verkaufszahlen und leckere Drinks.

Vor rund drei Monaten ging yourvideocard an den Start. Können Sie schon ein erstes Fazit ziehen?
Marek Bärlein: Es ist ein spannendes Thema! So gut wie jeder, dem wir bisher das Produkt live gezeigt haben, ist begeistert. Unsere ersten Kundenfeedbacks sind auch sehr vielversprechend. Auf der anderen Seite kennen dieses Produkt bisher nur sehr wenige, so dass wir unsere Sales Aktivitäten in den nächsten Monaten enorm verstärken werden.

Wo setzen sie in Sachen Sales-Aktivitäten an?
Jan Christoph Gras: Wir testen am Anfang natürlich alle Channels, um Erfahrungswerte zu sammeln. Wir müssen den Markt jetzt aufbauen und das bedeutet am Anfang viel Erklärung rund um das Produkt. Am besten funktioniert das natürlich in Medien, wo man intensiv Bewegt- oder Standbilder zeigen kann. Darüber hinaus haben wir eine Sales Force, die sich aktiv um den Ausbau der B2B-Aktivitäten kümmert, dabei setzen wir auch auf unabhängige Vertriebler. Die Internationalisierung ist bereits in den Planung und wir werden nach Deutschland, Österreich un der Schweiz in Kürze auch in UK an den Start gehen.

Was reizt Sie an yourvideocard: Das Thema Videobotschaften, der unerschlossene Markt oder die Möglichkeit wieder aktiv in und an einem Start-up zu werkeln?
Bärlein: Nach dem Verkauf von myphotobook haben wir mehr oder weniger klassisch als Business Angels in diverse Unternehmen investiert. Dieser Bereich ist durchaus spannend und macht uns auch weiterhin Spaß, dennoch saßen wir abends bei ein oder zwei leckeren Drinks zusammen und haben entschieden, dass es uns sehr reizen würden, wieder etwas Eigenes auf die Beine zu stellen.

Und warum wurde es gerade yourvideocard?
Gras: Mit yourvideocard haben wir nun ein Produkt gefunden, was uns sehr reizt und wo wir ein großes Potenzial sehen. Der Markt für Grußkarten ist ein riesiger Markt, aber es gab in diesem Markt in den letzten Jahren kaum eine Innovation, wenn man mal von den Soundkarten absieht. Das war der entscheidende Anstoß für uns, da wir auch damals mit myphotobook ein neues und innovatives Produkt in einem bestehenden Markt etablieren konnten. Mittlerweile sind Fotobücher nicht mehr wegzudenken und ‚das‘ Produkt schlechthin im Fotomarkt. Dasselbe können wir uns auch bei yourvideocard vorstellen; vielleicht sind in ein paar Jahren die herkömmlichen Grußkarten durch unsere Videocards als sozusagen nächste Generation der Grußkarte substituiert. Wir werden zumindest alles geben, damit wir unsere Videocards auf lange Sicht als neues Produkt im Grußkartensegment etablieren.

Sie haben Yourvideocard zum Start als Weltneuheit bezeichnet. Haben Sie die Videogrußkarten selbst entwickelt?
Bärlein: Nein. Durch einen Zufall sind wir auf zwei Israelis aufmerksam geworden, die uns Ihre Geschäftsidee vorgestellt haben. Zusammen mit einem chinesischen Partner haben Sie an der Videogrußkarte seit 2009 gearbeitet. In Berlin haben wir uns dann innerhalb von zwei Tagen auf eine Zusammenarbeit geeinigt und auch gleich die Verträge wasserdicht gemacht.

Wer soll ihre Videocards kaufen?
Gras: Grundsätzlich jeder! Geburtstag, Urlaub, Hochzeit, Geburt, Genesung, Muttertag und einfach Danke sagen sind alles Themen, die man mit einer Videogrußkarte im B2C-Bereich emotional bedienen kann. Die Videogrußkarte bietet gegenüber unserem ehemaligen Business den Vorteil, dass wir Sie nicht nur online vertreiben, sondern auch im stationären Handel positionieren können. Darüber hinaus ist es ein sehr spannendes und innovatives Medium für potentielle B2B-Kunden. Aktuell nutzen B2B-Kunden die Videocard bereits für zum Beispiel Corporate Communication, Neuvorstellungen und Dialogmarketing.

Die Videocard kostet knapp 25 Euro. Ein stolzer Preis. Haben Sie keine Angst, dass dieser hohe Preis ihnen sprichwörtlich das Genick bricht, weil niemand die Karten kauft?
Bärlein: Wir würden es liebend gerne günstiger anbieten, aber die Videocard beinhaltet viele recht teure Technikkomponenten; an sich ist es ein kleiner Mini-Computer. Die Videocard ist weit mehr als nur eine Grußkarte. Der Käufer oder Beschenkte erhält ja bei der Kamera Version quasi eine Einstiegsversion einer Digital-Kamera, einer Digital-Videokameraoder eines digitalen Bilderrahmens -was nicht mit einer herkömmlichen Grußkarte zu vergleichen ist.

Aber ist der Preis auch angemessen?
Gras: In dem Moment wo unsere Kunden die Videocard das erste Mal in den Händen halten, sind sie begeistert und finden den Preis auch meistens mehr als angemessen. Nichtsdestotrotz hinterfragen wir unsere Preispolitik in regelmäßigen Abständen und sobald wir durch das Erreichen der ersten Skaleneffekte Potential für dauerhaft günstigere Preise sehen, werden wir diese auch am Markt platzieren. Am Anfang ist es einfach immer schwierig, die besten Einkaufskonditionen aufgrund der fehlenden Masse zu bekommen.

Wie sieht es denn nach drei Monaten im Markt aus: Haben Sie schon tausende yourvideocards verkauft oder nur ein paar Dutzend?
Bärlein: Soweit sind wir ganz zufrieden. Es werden von Tag zu Tag mehr Bestellungen und die ersten B2B-Aufträge haben wir auch schon ausgeliefert. Die fünfstellige Schallgrenze haben wir aber noch nicht durchbrochen.

Sie wollen ihre Videocard auch im stationären Handel vertreiben. Wie weit sind Sie damit?
Gras: Die ersten Zusagen liegen bereits vor. Wir können nur so viel sagen, dass wir mit der bisherigen Resonanz sehr zufrieden sind.

Wie viele Menschen sorgen für den reibungslosen Ablauf bei yourvideocard?
Bärlein: Insgesamt sind wir aktuell 15 Personen, wobei zwei davon in Israel sitzen und noch einmal zwei in China.

Ist es schwierig, ein Team zu steuern, das in drei Ländern sitzt?
Gras: Dadurch dass wir mit myphotobook und auch einigen unserer Beteiligungen einschlägige Erfahrungen mit dezentralen internationalen Strukturen sammeln konnten, fällt uns dies nicht so schwer auch wenn der Kommunikationsaufwand natürlich deutlich höher ist als wenn man alles zentral aus Berlin heraus steuern würde. Aber dies ist mit unserem Produkt zurzeit nicht möglich.

Mit DuMont Ventures ist bei yourvideocard bereits ein Investor an Bord. Nach welchen Kriterien haben Sie Ihren Investor ausgesucht?
Bärlein: DuMont war der erste Investor, mit dem wir gesprochen haben und die Chemie hat von Anfang an wunderbar gepasst. Natürlich hat man in dem Prozess auch mit anderen potentiellen Investoren gesprochen, aber DuMont war der Wunschkandidat und wir sind froh, dass wir uns auch vertraglich schnell einig geworden sind. Für uns war es wichtig, dass wir neben der Finanzierung auch operativen Input und wertvolle Leads bekommen

Wie wichtig, wie entscheidend war bei der Investorensuche, dass Sie mit myphotobook schon einmal sehr erfolgreich ein Start-up aufgebaut haben?
Gras: Es war natürlich ein großer Vorteil, dass wir mit myphotobook bereits ein Unternehmen erfolgreich aufgebaut und verkauft haben. Darüber hinaus arbeiten wir mit verschiedenen VCs im Rahmen unserer Business Angel-Aktivitäten seit geraumer Zeit zusammen, so dass wir die meisten VCs bereits kannten und in relativ kurzer Zeit bei ihnen pitchen konnten. Wir glauben dennoch, dass niemand nur in ein Team investiert.

Wo steht Yourvideocard in einem Jahr?
Bärlein: Ziel ist es, dass wir beim Sommerfest von DuMont in einem Jahr auf der Bühne stehen und von Jörg den Preis als bestes Investment im Portfolio abholen, die eine millionste Karte verkauft haben, mindesten in 10 weiteren Ländern aktiv sind und uns Gedanken über die Gewinnverwendung für das Jahr 2012 machen müssen. Spaß bei Seite, es ist noch zu früh um eine genaue Prognose abzugeben; das Produkt ist eine Weltneuheit aber wir werden alles versuchen, damit unter anderem der eingeschlafene Grußkartenmarkt auf Dauer ein neues Produkt bekommt, das diesen Markt nachhaltig verändern wird.

Zu den Personen
Marek Bärlein, Jahrgang 1976, und Jan Christoph Gras, Jahrgang 1976, gründeten 2004 gemeinsam mit drei Mitstreitern den Fotodienst myphotobook (www.myphotobook). Nach dem Verkauf engagierten sich die Diplom-Kaufmänner vorwiegend als Business Angels und investieren in Start-ups wie YouTailor, ePubli, Designskins, Pearlfection, Payango, kinkin und ClipKit.

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* myphotobook-Gründer treten ab
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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.