Tengelmann steigt beim Kaffee-Start-up Coffee Circle ein

Der Handelskonzern Tengelmann, zu dem bekannte Offline-Einkaufswelten wie Kaiser’s, Obi und KiK gehören, drängt weiter mit aller Macht in die Online-Welt. Nach Beteiligungen an diversen Start-ups wie Zalando, YouTailor und Lieferheld (siehe Landkarte […]
Tengelmann steigt beim Kaffee-Start-up Coffee Circle ein

Der Handelskonzern Tengelmann, zu dem bekannte Offline-Einkaufswelten wie Kaiser’s, Obi und KiK gehören, drängt weiter mit aller Macht in die Online-Welt. Nach Beteiligungen an diversen Start-ups wie Zalando, YouTailor und Lieferheld (siehe Landkarte unten) gönnt sich das Unternehmen nun einen Schluck Kaffee und steigt bei Coffee Circle (www.coffeecircle.com) ein. Das Start-up, an dem Tengelmann ab sofort 30 % hält, wurde von Moritz Waldstein-Wartenberg, Robert Rudnick und Martin Elwert (Foto: v.l.r.) gegründet. Erst im Dezember erblickte Coffee Circle das Licht der Welt. Die drei Gründer setzen auf den Trend “Bio bzw. Nachhaltigkeit” und bieten Gourmet-Kaffees aus Äthiopien an.

Angeregt durch einen längeren Aufenthalt im Kaffee-Ursprungsland kombinieren die Coffee Circle-Macher ihr Geschäft mit direkter Aufbauhilfe vor Ort. Von jedem verkauften Kilo Kaffee geht ein Euro an eines von drei Projekten, das Kunden selbst auswählen dürfen. Während zwei der Kaffeesorten bei Coffee Circle bio-zertifiziert sind, zeigt sich beim dritten die Problematik des Siegel-Geschäfts: “Unser Limu-Kaffee wurde ebenfalls ohne den Einsatz von Pestiziden und chemischen Düngemitteln in Waldgärten angebaut. Die Kleinbauern haben diesen Anbau aus Kostengründen jedoch noch nicht zertifizieren lassen. Hieran arbeiten wir mit ihnen.” Wer das schwarze Pulver kosten will, bezahlt umgerechnet 2,60 Euro pro 100g. Dafür sind die Versandkosten von 2,95 Euro äußerst günstig.

Kaffee-Start-ups sind mehr als eine nette Geschäftsidee

Mit Coffee Circle ging der Wettstreit der der Kaffee-Start-ups Ende des vergangenen Jahres in eine neue Runde, nachdem 2009 das Jahr der aufsprießenden Bohnen-Unternehmen war. Dabei zeigt sich, dass die neuesten Anbieter vom Mass Customization-Trend abrücken und den Fokus eher auf die Themen Transparenz, Nachhaltigkeit und Projektarbeit in den Herkunftsländern setzen. Coffee Circle bringt diesen Aspekt im Namen zum Ausdruck: Es soll ein Kreislauf bestehen zwischen “hier” und “dort”, Konsumenten erhalten ihr beliebtes Luxusgut und geben Geld und Einsatz in das Kaffeeland zurück. Beim Wunsch nach Fairem Handel taucht dabei das Problem auf, dass sich nicht alle Anbieter die entsprechende Zertifizierung leisten können – ein Thema, das den Markt noch stark beschäftigen wird.

Fest steht: Kein Produkt wird aktuell so stark mit dem Einsatz für fairen Handel verknüpft wie Kaffee. Insofern sind die aktuellen Kaffee-Start-ups mehr als eine nette Geschäftsidee: Sie sind Vorreiter für eine hoffnungsvoll stimmende Bewegung, die immer mehr um sich greift. Den Anfang machte – so weit ersichtlich – im Jahr 2007 das Münsteraner Start-up Sonntagmorgen.com. Seitdem entstanden eine ganze Reihe weiterer Start-ups – siehe unseren “Kaffee-Startups: Schwarze Bohnen bringen den Öko-Trend in Schwung“. Die Coffee Circle-Crew will mit dem neuen Gesellschafter im Rücken jetzt durchstarten: “Die Investition unterstützt aktiv den hohen Qualitätsanspruch sowie den starken sozialen Aspekt, den wir mit der direkten Umsetzung von Entwicklungsprojekten in Äthiopien leben. Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit mit Tengelmann und sehen in der Beteiligung den nächsten sehr wichtigen Schritt für Coffee Circle”.

Hausbesuch bei Coffee Circle

Wer Coffee Circle im Berliner betahaus besuchen möchte, muss einen fabrikmäßigen Fahrstuhl besteigen. In der vierten Etage des etwas anderen Gründerzentrums sitzt das kleine Start-up. Der Weg nach Kreuzberg lohnt sich auf jeden Fall: Die drei Gründer zaubern in ihrem Mini-Büro den vermutlich besten Kaffee der Welt. Einige Eindrücke in unserer Fotogalerie.

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Das neue Online-Reich von Tengelmann

Der Handelskonzern Tengelmann drängt derzeit mit aller Macht in die Online-Welt: Das 1867 in Mülheim an der Ruhr gegründete Familienunternehmen beteiligte sich innerhalb der vergangenen Wochen und Monate an zahlreichen aufstrebenden und etablierten E-Commerce-Anbietern. Insgesamt sind auf unserer Infografik zehn Beteiligungen aufgeführt.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.