15 Fragen an Kim Karsten Stahn von TeamsUnited

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Wenn man ein eigenes Unternehmen gründet, hat man von Grund auf die Möglichkeit, sämtliche Dinge zu beeinflussen. Ich bin tendenziell jemand, der gern an […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Wenn man ein eigenes Unternehmen gründet, hat man von Grund auf die Möglichkeit, sämtliche Dinge zu beeinflussen. Ich bin tendenziell jemand, der gern an allen Rädern mit drehen möchte. Das empfinde ich gleichermaßen spannend wie herausfordernd. Sein eigener Chef zu sein ist arbeitstechnisch sicherlich nicht der bequemste Weg. Ich würde aber auf meine Handlungsfreiheit und die Möglichkeit, etwas Eigenes zu erschaffen, nicht mehr verzichten wollen.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Die Idee zu TeamsUnited ist quasi direkt beim Spielen selbst entstanden. Uns ist aufgefallen, wie schwierig und aufwändig es als Anführer eines Teams ist, die eigenen Teammitglieder/Mitspieler unter einen Hut zu bekommen. Letztendlich ist man rund um die Uhr damit beschäftigt, das Team zu koordinieren und für die entsprechenden Kommunikationskanäle zu sorgen. Wir hätten uns damals sehr über Lösungen gefreut, die einem das Leben erleichtern. Als wir daraufhin den Markt nach Lösungen sondiert haben ist uns aufgefallen, dass sich im Vergleich zu unserer aktiven Zeit als Clanspieler so gut wie nichts getan hat. Da ist uns bewusst geworden, dass man dieses Thema vor dem Hintergrund des boomenden Marktes einmal von Grund auf neu angehen muss.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Neben eigenen privaten Mitteln haben wir uns zum Start durch die Gründerprogramme HEP und Exist finanziert. Zusätzlich wurden wir durch den „Pro-Ideefonds“ gefördert. Auch die Preisgelder aus den gewonnen Gründerwettbewerben „Webfuture Award 2011“ und „Enable2Start 2011“ nutzen wir für die Umsetzung des Projektes. Parallel haben wir Business Angels an dem Projekt beteiligt.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Bei einem Projekt wie unserem kommen viele Effekte erst bei einer gewissen Marktdurchdringung zur vollen Entfaltung. Wir hatten mit potentiellen Kooperationspartnern anfangs eine typische Henne-Ei-Situation. Daraufhin haben wir das Produkt und unser Kooperationsmodell an diese Gegebenheit angepasst. Hierbei kommt uns zugute, dass die Gameshersteller und -anbieter derzeit verstärkt wahrnehmen, dass das Spielen in Teams und Gruppen die User länger und intensiver an ihre Spiele bindet, was sich wiederum direkt positiv auf ihren Umsatz auswirkt.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
In Anbetracht unserer Ausgangssituation haben wir das Projekt und auch uns in den vergangenen 18 Monaten sehr gut entwickelt. Es ist aber natürlich nicht so, dass wir keine Fehler gemacht hätten. Da sehe ich allerdings keine Notwendigkeit, etwas Konkretes rückgängig machen zu wollen. Das ist vielmehr Lehrgeld, welches ich persönlich bereit bin zu zahlen.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Derzeit befinden wir uns noch nicht offiziell am Markt. Wenn dies in einigen Monaten der Fall ist, wird für uns der typische Marketing-Mix aus Social-Media und Onlinemarketing eine zentrale Rolle einnehmen. Begleitend dazu haben wir allerdings auch noch ein spannendes, stark kooperatives B2B-Modell für Gameshersteller und -anbieter im Angebot, welches die bekannten Instrumente ergänzt.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Allen voran unterstützen uns besonders unsere Gesellschafter. Es ist nicht selbstverständlich, dass Business Angels sich in einem derart großen Umfang engagieren. Ich finde es sehr wichtig, dass man auch erfahrene Leute um sich hat. Wir schätzen uns glücklich, dass es bei uns im Gesellschafterteam auch menschlich so gut passt. Darüber hinaus standen uns auf unserem Weg diverse Fachleute beratend zur Seite, ohne die wir unsere Entwicklung in dieser Form nicht hätten durchlaufen können.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Man sollte in erster Linie produktorientiert handeln, nach Möglichkeit direkt am und für den Endkunden entwickeln. Ferner sollte man für das Produkt brennen bzw. es auch selber leben.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Im Vergleich zu anderen Ländern gibt es gerade bei der (risikoreicheren) Frühphasenfinanzierung noch einiges an Spielraum. Technisch aufwändige Projekte benötigen gerade am Anfang ein höheres Maß an Kapital. Da fehlt mir oftmals der unternehmerische Mut auf Seiten der Investoren. Zusätzliche Instrumente wie der Pro-Ideenfonds könnten diese Lücke verstärkt füllen.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Mit hoher Wahrscheinlichkeit hätte ich ein anderes Start-up in der Gamesbranche gegründet. Neben der TeamsUnited Idee fand ich schon immer das Thema „Games“ spannend.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Da gibt es so einige. Mich würde derzeit vor allem interessieren, wie es abseits aller publizierten Informationen tatsächlich bei den großen Onlinegamepublishern aussieht.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Aus unternehmerischen Gesichtspunkten würde ich zum Anfang des Jahrtausends reisen. Unabhängig von der Dotcom-Blase waren viele Teilmärkte im Internet noch weitgehend unbesetzt bzw. in den Kinderschuhen. Diese Zeit hätte ich gern versucht mitzuprägen.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Ich würde einen großen Teil in aussichtsreiche Projekte der Gamesbranche investieren. Natürlich allen voran in TeamsUnited. Den letzten Teil hebe ich mir dann für eine längere Weltreise auf.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Push-Emails deaktivieren, erholen von einer ereignisreichen Nacht, gemeinsames Frühstück mit Freunden in einem netten Cafe bei strahlendem Sonnenschein und als Krönung ein schönes 3:0 gegen Werder Bremen im ausverkauften Volksparkstadion.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Auch wenn es nicht sehr kreativ scheint: mit Mark Zuckerberg. Ich würde gern einmal die (wahre) Geschichte von Facebook aus erster Hand erzählt bekommen. Außerdem könnte es sehr von Vorteil sein zu erfahren, was Facebook in den kommenden zwölf Monaten alles herausbringt.

Zur Person
Kim Karsten Stahn ist Mitgründer und Geschäftsführer von TeamsUnited
(www.teamsunited.com). Auf der kostenlosen Plattform können Team-Gamer miteinander kommunizieren und ihre Teams/Clans und Gilden mit intelligenten Organisations- und Community-Tools verwalten.

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.

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